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SPITZENFRAU: Ihre Überzeugungen sind so klar wie ein Naturjodel

Die Bündnerin Karin Niederberger ist Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbandes. Das Fest in Brig ist für die sechsfache Mutter der höchste Feiertag.
Karin Niederberger.

Karin Niederberger.

Der ehemalige St. Moritzer Kurdirektor Hanspeter Danuser sagte es einmal so: «Was Magdalena Martullo-Blocher als erfolgreiche Chefin eines weltweiten Konzerns einbringt, kann Karin Niederberger in Sachen KMU, Familie, Tourismus, Alp- und Landwirtschaft. Und zwar von der Pike auf, als Macherin, die täglich in mehreren Rollen ihre Frau stehen muss.» In der Tat: Die 47-Jährige ist eine Vielbeschäftigte sondergleichen. Die Mutter von sechs Kindern und gelernte Detailhandelsangestellte steht ihre Frau im familieneigenen Landmaschinenbetrieb, ist Stellvertreterin im Grossen Rat, war in ihrer Wohngemeinde Malix politisch aktiv – sie ist aber vor allem erste Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands. Seit 2009 bekleidet sie das hohe Amt im Land. Und selbstverständlich ist sie selber eine ebenso passionierte wie begabte Dirigentin, Jodlerin und Kornettistin.

Sie ist damit gleichsam eine idealtypische Besetzung für das Präsidium der Jodlergemeinde. Bei allem Spass und aller Freude: Das Jodeln ist für die engagierte Multitaskerin mehr als nur edle Freizeitbeschäftigung. «Kennst du deine Wurzeln, brauchst du keine Angst zu haben vor dem Fremden», sagte sie bei ihrer Wahl vor acht Jahren. Und fragte: «Wie wollen wir andere Kulturen verstehen können, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen?»

Der zivilgesellschaftliche Appell ist erstens unüberhörbar und zweitens nicht zufällig. Karin Niederberger ist aus liberalem Holz geschnitzt und schaffte es bei den letzten Wahlen auf der Liste des Bündner Freisinns auf den dritten Platz. Ihre Überzeugungen sind so klar wie ein sauberer Naturjodel. Zum Beispiel zum Rumantsch Grischun: «Dialekte zu vereinheitlichen ist theoretisch möglich, praktisch aber müssen sie von den Menschen gelebt werden.» Oder – in der vierten Landessprache: «Tgi che sa rumantsch, sa da pli» (Wer Romanisch kann, kann mehr).

All das zeigt: Es wäre falsch, die Mutter, Hausfrau und Unternehmerin auf Tracht und Jutz zu reduzieren. An diesem Wochenende jedoch gibt es für Karin Niederberger im Wallis nichts anderes. «Es sind Tage voller Töne inmitten einer grandiosen Bergkulisse», sagt sie mit Blick auf den Veranstaltungsort Brig. Und lässt es dabei nicht bewenden: «Stadt und Land, Jung und Alt geben sich hier die Hand. Es werden Traditionen gepflegt, Werte, die uns in der globalisierten und hektischen Welt Halt geben, um gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.»

Da ist sie wieder, die oberste Jodlerin, die nicht nur singt, sondern auch besingt – das Land, das ihr am Herzen liegt und für das sie im Dauereinsatz steht. Wider den Wertezerfall, den sie beklagt. Und für das gemeinsame Erlebnis. Dass die Erfahrung als Mutter ihr ein starkes Verantwortungsgefühl mit auf den Weg gab, sagt sie von sich aus. Und auch den Sinn für das Verbindende – so wie es am Jodlerfest, dem temporären «Himmel auf Erden», gelebt wird, wie die Präsidentin vom Festplatz aus rapportiert.

Balz Bruder

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