Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Startenor bereitet sich in St.Gallen auf Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie vor

Weltklassetenor Steve Davislim begeisterte am Sonntag beim Flügelfestival Rotmonten – mit zwei Dutzend Liedern von vier Komponisten und der sensiblen Liedbegleiterin Claire Pasquier.
Martin Preisser
Exzellenter Liederabend in Rotmonten: Pianistin Claire Pasquier und Tenor Steve Davislim. (Bild: Urs Bucher)

Exzellenter Liederabend in Rotmonten: Pianistin Claire Pasquier und Tenor Steve Davislim. (Bild: Urs Bucher)

Liederabende gehören in der Regel nicht zu den gut besuchten Konzerten. Anders beim Flügelfestival Rotmonten in St. Gallen, das mit dem bereits elften Anlass vorgestern ins dritte Jahr startete. Über zweihundert Besucher liessen sich von den Interpretationen des australischen Tenors Steve Davislim und der St. Galler Pianistin Claire Pasquier begeistern. Beide Musiker kommen aus Melbourne, kennen gelernt haben sie sich aber erst während ihrer Zeit am Opernstudio Zürich vor über zwanzig Jahren. Claire Pasquier, die mit dem Flügelfestival inzwischen nicht nur im Rotmontener, sondern auch im St. Galler Musikleben einen Fixpunkt etabliert hat, träumte schon lange davon, den weltweit erfolgreichen Tenor, der 2005 erstmals an der Mailänder Scala auftrat, zu begleiten. Begeisterst spricht sie über Davislim gar von einem «zweiten Fritz Wunderlich».

Eine perfekt ausbalancierte Tenorstimme

Für Steve Davislim war der Abend im evangelischen Kirchgemeindehaus eine Generalprobe für seinen Auftritt im kleinen Saal der Hamburger Elbphilharmonie Ende Januar. Die Akustik im kleinen Saal sei fast noch besser als im grossen, sagt er. Jetzt also Elbphilharmonie-Niveau in Rotmonten: Es gelang ein packender Liederabend mit vier romantischen Komponisten: Schubert, Brahms, Wolf und Richard Strauss. Davislims Stimme verfügt über eine hervorragende lyrische Kraft, perfekt ausbalanciert in allen Lagen, und auch in den intimen Passagen mit einem Schuss unbeschwerter Theatralik. Besonders begeisternd, wie er unmittelbar von einem Lied zum nächsten in ganz gegensätzliche emotionale Stimmungen eintauchen kann: geschmeidige Bögen, so feinsinnig wie kraftvoll-lebendig die Ausdeutung in Schuberts «Mignon» und forsch ausbrechend im «Musensohn».

Subtil gebrochene Romantik

Bei Brahms lassen Davislim und die in jedem Moment hervorragend malerisch gestaltende Claire Pasquier sofort den richtigen Schuss Nachdenklichkeit zu. In «Heimweh» gelingt subtil gebrochene Romantik auf ganz verästelte Weise. Sie sei Pianistin geworden, weil ihr die Liedbegleitung besonders am Herzen liege, sagt Claire Pasquier. Das merkt man ihrem wendigen und subtil unterstützendem Spiel an. Hugo Wolf scheint es sowohl ihr als auch Steve Davislim angetan zu haben. Das ist spannende, für damalige Zeiten sicher hochexperimentell wirkende Romantik. Beide Künstler formten Wolfs Mörike-Lieder zu jeweils feinsten Perlen. Die gefürchteten virtuosen Passagen des «Feuerreiters» gelangen Claire Pasquier famos. Zwei Dutzend Lieder von vier Komponisten, das ist Schwerstarbeit. Und doch tauchte das Duo auch am Schluss bei den inten­siven, mental wie physisch anstrengenden Richard-Strauss-Liedern in eine wunderbar introvertierte Intensität ein. Die Generalprobe Steve Davislims für Hamburg ist gelungen. In der Elbphilharmonie muss er allerdings auf die Anschlagskunst von Claire Pasquier verzichten. Dort kann er aus fünf vorgeschlagenen Pianisten einen auswählen.

Über zweihundert Besucher zählt praktisch jedes Konzert des Flügelfestivals. Vor zwei Jahren konnte ein Konzertflügel dank Crowdfunding erworben werden. Die nur für eine Saison geplante Reihe, bei der Claire Pasquier ­federführend ist, wurde aber ein erfolgreicher Selbstläufer. Jetzt ist die Gründung eines Freundeskreises geplant.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.