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Spuren der Kelten sind auch in der Ostschweiz zu finden

Zwischen Rhein, Thur und Säntis lebten einst die Kelten, von denen nur ganz wenige Spuren übrig geblieben sind. Auf Kultplätzen suchen Landschaftsmythologen nach Objekten wie Mondhörnern.
Bruno Knellwolf
Beim Nussbaumersee im thurgauischen Seebachtal fand man Spuren der bronzezeitlichen Pfahlbausiedlung Ürschhausen-Horn. (Bild: Nana do Carmo)

Beim Nussbaumersee im thurgauischen Seebachtal fand man Spuren der bronzezeitlichen Pfahlbausiedlung Ürschhausen-Horn. (Bild: Nana do Carmo)

Als Volk aus dem Dunkeln werden die Kelten bezeichnet. Das hat etwas Mythisches und damit zu tun, dass die Kelten keine Schrift hatten. Dementsprechend gibt es wenig Bezeugendes zu diesem Volk, dessen Spuren bis in die Eisenzeit vor 2800 Jahren zurückreichen und das vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer siedelte. Ihre Geschichten und Rituale haben sie mündlich weitergegeben.

Man geht davon aus, dass sich Kultur, Rituale, Handwerk und Kunst nördlich der Alpen im 8. Jahrhundert vor Christus stark verändert haben. Dabei formte sich aus vielen Gemeinschaften das erste namentlich bekannte Volk Mitteleuropas, die Kelten. Forscher sagen allerdings, als Einheit habe es «die Kelten» nicht gegeben, sondern eher als Vielzahl von Stämmen mit gemeinsamer Kultur.

Untergang in der römischen Kultur

Griechische Schreiber nennen dieses Volk später «Keltoi», Römer bezeichnen es als «Galli». Die Kelten leben ab 800 v. Chr. in fruchtbaren Gegenden Süddeutschlands, Ostfrankreichs, Österreichs sowie der Schweiz. Von dort verbreiten sie sich weiter und gehen schliesslich in der römischen Kultur unter – nach einer Niederlage gegen Julius Cäsar 58 v. Chr., dem Gallischen Krieg.

Nach Spuren der Kelten suchen auch der Ethnologe und Begründer der Landschaftsmythologie Kurt Derungs aus Grenchen und der Thurgauer Urs Hähni. Der Markenarchitekt aus Warth-Weiningen befasst sich seit neun Jahren mit Landschaftsmythologie in der Ostschweiz, nachdem er an einer Exkursion von Derungs teilgenommen hatte. Nun hat Hähni einen Teil zu Derungs neuem Buch «Korngeist und Feuerkult» beigetragen.

Mythische Systeme im Seebachtal

Hähnis Faszination für Landschaftsmythologie beginnt, als er das mythische Landschaftssystem im thurgauischen Seebachtal erkennt. Bald macht er sich auf, um in frühen Morgenstunden mit dem Azimut-Messer in der Hand nach Sonnen- und Mondaufgängen zu suchen, um nach Plätzen solcher Systeme aus der Keltenzeit Ausschau zu halten. Mit Mitteln der Archäoastronomie suchte er nach topografisch wichtigen Punkten zum Jahreskreis. Grundlagen sind archäologische Funde, die auf eine Jahrtausende alte Kultur deuten. Ein solcher ist die Pfahlbausiedlung in Uerschhausen-Horn. Hähni sagt:

«Die ist inzwischen bestens erforscht und eine der grösseren Pfahlbausiedlungen im Bodensee-Raum.»

«Ein Grossteil der Siedlung ist noch unter Boden, aber es konnte einiges gehoben werden. Zum Beispiel zahlreiche Mondhörner, das ist aussergewöhnlich.» Solche Mondhörner wurden auch auf der Insel Werd bei Eschenz gefunden. Sie werden auch Mondidole oder Tonhornobjekte genannt. Erstellt und verwendet wurden sie zwischen 1300 und 800 v.Chr. und gelten als Phänomen der Urnenfelderkultur. «Vielleicht hatten Mondhörner für die Kelten eine mythologische Bedeutung wie später das Kreuz für die Christen», sagt Hähni.

Mondhorn aus Eschenz. (Bild: PD)

Mondhorn aus Eschenz. (Bild: PD)

Die Archäologie befasst sich mit Artefakten und versucht kulturelle Zusammenhänge herzustellen zwischen Siedlungen und Population. Die Landschaftsmythologie ergründet, welche räumlichen Beziehungen und Kulthandlungen hinter diesen Zeitzeugen stehen. Aber nicht nur Kulthandlungen, sondern auch Sternenforschung könnten die Kelten betrieben haben. «Zur Zeit der Völkerwanderung war es wichtig, dass die Menschen, die vom Jäger und Sammler zum Sesshaften wechselten, über Jahreszeiten und über Aussaat und Ernte Bescheid wussten», sagt Hähni.

Mitteleuropa als Zentrum

Mitteleuropa und somit die Ostschweiz gehörten zum Zentrum des Keltentums. Im Seebach-Stammertal entdeckte Hähni den Bezug zu Jahreskreislinien. Ausgangspunkt ist demnach die Galluskapelle in Oberstammheim. Der alte Kultplatz steht gemäss Hähni mit dem Alpstein, genau genommen mit dem Säntis und dem Hohen Kasten in Verbindung. Denn in dieser Linie lassen sich zum Beispiel zur Sonnenwende am 21. Dezember faszinierende Sonnenaufgänge beobachten, aber auch alle 18,6 Jahre die Grosse Mondwende verfolgen. Hähni sagt:

«Unsere Vorfahren beobachteten ihren Lebensraum, die Landschaft, den Himmel, die Berge genau und legten darauf die Orte fest, wo sie siedeln wollten».

Hähni zieht mehrere solcher Linien durch den Thurgau: zum Beispiel für das Seebach-Stam­mertal, den Girsberg, die Ruine Helfenberg und die Gallus-Kapelle. Er führt dies zurück auf eine mögliche Mond-Mythologie der Kelten, da der Mond vielleicht eine göttliche Bedeutung hatte. Er vermutet, dass eine matriarchalische Zeit geherrscht hatte und der heilige Berg Säntis im Zeichen einer mythischen Bergmutter stand, die sich in der Landschaft manifestiert habe. Mit dem Blick auf die Landschaft hätten die Menschen im Neolithikum Wasserstellen, Bäume und Berge zu Kultplätzen erhoben, von denen es zwischen Rhein und Säntis viele gebe.

Der Rheinfluss als mythischer Erdmittelpunkt

Nicht nur Kultplätze, auch Bräuche, Sagen, Flur- und Ortsnamen hätten oft einen keltischen Hintergrund, sagt Hähni. Rhein, Thur, Eschenz und Arbon seien keltische Namen. Ein wichtiger Brauch im Stammertal ist das Funkenfeuer. Auch diesem messen Landschaftsmythologen eine Bedeutung zu. Hinter dem Feuer­kult stehe die Strohfigur Gläreli, eine sagenumwobene Mitwinterfrau, die mit dem sterbenden und wiederkehrenden Korngeist einhergehe. Tierfiguren, Weihegaben, die Galluskapelle, der Rheinfluss als einen mythischen Erdmittelpunkt eröffnen gemäss den Landschaftsmythologen einen Zugang zur keltischen Mythologie.

Kurt Derungs/Urs Hähni: Korngeist und Feuerkult. Keltenland zwischen Rhein, Thur und Säntis. edition amalia, 220 S., Fr. 43.90

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