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St. Galler Sinfonieorchester:
Mit emanzipierter Eigenwilligkeit

Fünf Mal Wiener Klassik in der Tonhalle St. Gallen: Das Sinfonieorchester, Sopranistin Andrea Lang und Dirigent Bruno Weinmeister überzeugten mit Mozart und Haydn.
Markus Wigert
Die St. Galler Sopranistin Andrea Lang gestaltet die dramatische Konzertarie «Misera dove son» sensibel und aussdrucksstark. (Bild: PD)

Die St. Galler Sopranistin Andrea Lang gestaltet die dramatische Konzertarie «Misera dove son» sensibel und aussdrucksstark. (Bild: PD)

Als Mozart 1781 nach zehn Jahren im höfischen Dienst Salzburg fluchtartig verlässt, ist er gerade 25 Jahre alt. Von nun an führt er das Leben eines freischaffenden Musikers in Wien und gründet eine Akademie. Diese soll ihm in erster Linie ein genügendes Einkommen sichern. Die vier Mozart-Werke des fünften Tonhallekonzerts vom vergangenen Wochenende wurden alle innerhalb dieser Akademie aufgeführt: ­vergnügliche und unterhaltsame Kompositionen für ein anspruchsvolles Wiener Publikum. Die Akademie wird in der Folge ein voller Erfolg, und die Einnahmen sprudeln, was auch seine zukünftige Frau Constanze Weber zufrieden zur Kenntnis nimmt.

Mit atmenden Bögen und grosser Durchlässigkeit kommt das Divertimento Nr.1 Es-Dur in der mozarttypischen Abfolge der musikalischen Themen daher. Ein Frühwerk des fünfzehnjährigen Musikgenies. Wie bei allen fünf Programmstücken unter der Leitung von Bruno Weinmeister. Ein etwas gar langsam gewähltes Tempo im zweiten Satz lässt den traurigen Mozart mit wunderschönen Klarinettenpassagen voll zur Geltung kommen.

Einen lieblichen Gesamteindruck mit grossem Wohlfühlfaktor hinterlässt das Cellokonzert von Altmeister Joseph Haydn mit dem Solisten Bruno Weinmeister, der Schwerstarbeit auf seinem Instrument zu verrichten hat. Trotz gelegentlicher Intonationsschwierigkeiten im Allegro molto meistert er seine schwierige Doppelrolle mit grosser musikalischer Präsenz. Vor allem in den hohen Cellolagen wirkt Weinmeister souverän und vermag das Orchester zu überstrahlen.

Eine düstere, von tiefer Schwermut gezeichnete Atmosphäre verbreitet der Beginn der Mozart-Fantasie f-moll in der intimen Besetzung von zehn Blasinstrumenten.

Ein Heimspiel für Sängerin Andrea Lang

Mit einer sensiblen, ausdrucksstarken und variantenreichen Stimme gestaltet die St. Galler Sopranistin Andrea Lang die dramatische Konzertarie «Misera dove son». Die Abgründigkeit der Partie, hinter der sich die wechselvolle, mitunter tragische Biografie Mozarts erahnen lässt, kommt in ihrer Interpretation voll zur Geltung. Der warme Applaus ist der verdiente Lohn ihrer eindrücklichen Performance.

Das Prunkstück des Abends ist ohne Zweifel die Mozart- Sinfonie Nr. 35 D-Dur, die sogenannte Haffner-Sinfonie. Und was das St. Galler Sinfonieorchester beim letzten Programmpunkt bietet, ist ganz einfach hohe Schule. Da wird inspiriert musiziert mit punktgenauen Phrasierungen, transparent und wunderbar atmend.

Einmal mehr beweist das Orchester seine gepflegte Klangkultur: Präzision gepaart mit ansteckender Spielfreude. Vor allem im ersten Satz «Allegro con spirito» spielt es sich frei und wächst über sich hinaus. Auch wenn man merkt, dass Weinmeister nicht der Hausdirigent ist, folgt ihm das Orchester doch vertrauensvoll mit einer gewissen Portion emanzipierter Eigenwilligkeit.

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