ST. URBAN: Hiesiges von sinnlich bis experimentell

Im Foyer, Konvent Süd und Westflügel des früheren Zisterzienser-Klosters ist die Ausstellung «Art 9 Rotary» zu sehen. Kuratorin Gertrud Aeschlimann zeigt Malereien, Fotografien und Skulpturen von neun Kunstschaffenden aus der Region.

Tiziana Bonetti
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Triptychon-Teil von Sabine Schäuble (links), Skulptur «Facts» von Heinz Aeschlimann vor Barocktreppe und Ölbild «Glory» von Laleh Kiser. (Bilder: PD)

Triptychon-Teil von Sabine Schäuble (links), Skulptur «Facts» von Heinz Aeschlimann vor Barocktreppe und Ölbild «Glory» von Laleh Kiser. (Bilder: PD)

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Zwischen 1728 und 1730 im barocken Stil erbaut, diente das in Weiss gehaltene prunkvolle Treppenhaus im Westflügel des Konvents einst dem eindrucksvollen Empfang von Klostergästen. Eingebettet in diesen Kontext treten die ihm Rahmen der Ausstellung gezeigten Arbeiten mit der Architektur in einen spannungsgeladenen Kontrast; ein Kontrast, der im Klosterpark sein Echo findet. Mit imposanten, zeitgenössischen Skulpturen bespielt, wie der megalomanen «Lotusblüte» des chinesischen Künstlers Zeng Chengang, verstärkt das umliegende Grün des Parks die Monumentalität der Exponate.

Sowohl «Art 9 Rotary» als auch der Skulpturenpark stehen in Zusammenhang mit dem Kunstprojekt und Förderungsprogramm «art-st-urban», das der Unternehmer und Bauingenieur, Heinz Aeschlimann (70), vor zwölf Jahren lanciert hat und privat finanziert. Neben seinem unternehmerischen Esprit betätigt sich Aeschlimann auch als begeisterter Bildhauer. Anlässlich der Ausstellung sind elf seiner plastischen Arbeiten zu sehen. Abstrakt in der Formsprache ­haben Aeschlimanns Skulpturen aus Stahl einen Charakter von schlichter Eleganz. Die teils bemalten, fragilen Formen der Objekte täuschen über das schwere Material hinweg, aus dem sie geschaffen wurden. So auch die aus drei Elementen konzipierte rot gefärbte Skulptur «Connection», deren Teile ineinander verschränkt sind.

Im Gegensatz zu Aeschlimann arbeitet Hermann Wyss mit Rostblech, Schmiedeeisen und Dachpappe. Die in St. Urban ausgestellten Arbeiten des Stansers oszillieren zwischen Assemblage, Malerei und Skulptur. An der Wand hängende Arbeiten wie «Abendstimmung» oder «Flugkatze» entfalten daher malerische wie auch plastische Effekte.

Freude am Probieren mit Farben, Formen

Weniger plastisch, dafür reliefartig ist die Struktur der Bilder von Sabine Schäuble. Die grossformatigen Leinwände der ehemaligen Zahnarzthelferin aus Hergiswil bekunden Freude am Experiment mit Farben, Formen und verschiedenen Maltechniken. Mal getröpfelt, dann wieder mit pastosem Pinselstrich erzeugt Schäuble abstrakte Bildwelten, in denen die Materialität der Malerei in den Vordergrund der Rezeption rückt.

Abstrakt sind auch die Ölbilder von Laleh Kiser, Gemeinderätin aus Stansstad mit Atelier in Luzern. Auf Keilrahmen gespannt, wirken ihre ausgestellten Malereien wie akribische Untersuchungen von unterschiedlichen Farbeffekten und Lichtwerten. Dabei von horizontalen und vertikalen Pinselstrichen dominiert, haftet den Malereien eine pixelartige Struktur an. Vermeintlich an maximal vergrösserte fotografische Aufnahmen erinnernd, können sie als buchstäbliche Lichtbilder gelesen werden.

An Techniken der Montage und am Körper interessiert ist die Langenthaler Fotografin Doris Kuert. In ihrer Serie der Körperblüten-Bilder arbeitet sie mit Blumen, die sie als Dias auf einen weiblichen Rücken projiziert und erneut ablichtet. Die so entstehenden Bilder entfalten eine sinnlich-erotische Präsenz, während auf der inhaltlichen Ebene der weibliche Körper auch als Projektionsfläche entlarvt wird.

Mit der Schau im denkmalgeschützten Kloster bietet Gertrud Aeschlimann Einblicke in das aktuelle Kunstschaffen in der Region. Der Titel «Art 9 Rotary» verweist auf die Mitgliedschaft der neun Ausstellenden oder ihres Partners im Rotary Club.

Hinweis

«Art 9 Rotary». Bilder, Skulpturen, Fotografien. Bis 5. November. Kloster St. Urban, Foyer, Konvent Süd und Westflügel. Mittwoch, Samstag, Sonntag jeweils 13–17 Uhr oder auf Voranmeldung, Eintritt frei. Skulpturenpark «art-st-urban» im Klosterareal: offen rund um die Uhr. Ausstellende: Doris Kuert, Hermann Wyss, Claudia Wiesli, Sabine Schäuble, Heinz Aeschlimann, Elsbeth Wächter, Annemarie Balmer, Jörg Auer, Laleh Kiser.

Skulptur «Facts» von Heinz Aeschlimann vor Barocktreppe.

Skulptur «Facts» von Heinz Aeschlimann vor Barocktreppe.

Ölbild «Glory» von Laleh Kiser.

Ölbild «Glory» von Laleh Kiser.