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Kunstschaffende schmücken St.Galler Quartierwände

Werke von 14 Kunstschaffenden werden über Ostern in der Lachen an Häuser und Fabrikhallen projiziert. Bei der Suche nach den Fotos und Filmen wird der Blick fürs Quartier und die Stadt geschärft.
Urs-Peter Zwingli

Menschengruppen mit Stadtplänen schlendern durchs Lachen-Quartier, während der perfekte Frühlingstag der Nacht weicht. «Habt ihr die Nummer fünf gefunden?», raunt einer im Vorbeigehen ein paar Leuten zu. Einer davon murmelt eine Wegbeschreibung und beugt sich wieder über seine Stadtkarte. Einige der Suchenden sind mit dem Velo unterwegs, andere steuern Kinderwagen durch die für die Lachen typischen Strassen im Schachbrettmuster. Anlass für diese Schnitzeljagd in der Nacht auf Karfreitag war die dritte Ausgabe der «Stadtprojektionen»: Dabei wurden Werke von 14 zeitgenössischen Kunstschaffenden an die Wände von Wohnhäusern, Silotürmen und Fabrikhallen projiziert – und je nach Format waren diese Bilderwände eben nicht immer einfach zu finden.

Bis und mit Ostersonntag werden die Quartiere Lachen und St.Otmar jeweils ab 20 Uhr bis Mitternacht so bespielt, in den Vorjahren waren es die Altstadt und das Linsebühl. Hinter den «Stadtprojektionen» stehen die St.Galler Kunsthistorikerinnen Anna Vetsch und Nina Keel. «Die Lachen ist ein lebendiges aber auch rauhes Quartier», sagt Vetsch. Ein Ort, den es sich zu entdecken lohne. Und das taten Vetsch und Keel bei der Vorbereitung: Rund 600 Stunden haben sie je für ihr «Herzblutprojekt» aufgewendet und sind dabei oft durch die Lachen gestreunt.

Voyeuristisches aus dem St.Galler Sommer

Bei einem dieser Streifzüge blieben die beiden in der Quartierbeiz Gampi an der Gerbestrasse hängen, die sie mit ihrem 50er-Jahre Charme verzauberte. Auf deren Vorplatz fand am Gründonnerstag die Vernissage statt, die von gut 100 Quartierbewohnern und Kunstfreunden besucht wurde. Zum Schüga aus der Flasche wurden portugiesische Häppchen – ebenfalls aus dem multikulturellen Quartier – gereicht. Vielfalt beim Essen und Trinken also, die sich auch durch das Kunstangebot zog.

Für viele Vernissagebesucher begann der Streifzug bei den Bildern des Fotografen Conradin Frei, die an die wuchtigen Neubauten in Sichtweite des Gampis projiziert sind. Die Bilder sind abwechselnd Detailaufnahmen und Totalen und zeigen das Leben in einer asiatischen oder arabischen Grossstadt: Wolkenkratzer, Fischverkäufer, Neonreklamen. Mit der Projektion wird daraus eine Stadt in der Stadt, die teils beleuchteten Fenster der Wohnungen rundherum verstärken den surrealen Effekt.

Nicht lange überlegen, woher die Bilder kommen, müssen die Betrachter bei der Station an der Rückseite der ehemaligen Migros Lachen: Der junge St.Galler Künstler Felix Bächli zeigt dort einen Kurzfilm aus seiner Stadt. Es sind verwaschene Aufnahmen, aus denen man die Sommerhitze zu spüren scheint. Man sieht Menschen, die sich ermattet auf die Treppe vor der Hauptpost setzen, diskutierende Busfahrer und hechelnde Schosshündchen. Bächlis Bilder schaffen es, dass man den eigenen, durch Gewohnheit abgestumpften Blick auf die Stadt schärft.

Auf der anderen Seite der Zürcher Strasse flackern die Bilder der Westschweizer Künstlerin Maya Rochat über die Fassade der ehemaligen Lagerhalle der Seifenfabrik. Sind es Stofffetzen im Wind, fliessende Ölfarben, Gesteinsschichten?

Verloren im Bilderrausch auf der Strasse

Die Stadtprojektionen, die den öffentlichen Raum vorübergehend verändern, wollen zum Nachdenken über die Stadt einladen. Die fast schon lauen Frühlingsnächte sind perfekt dafür: Warm genug, um sich im Bilderrausch zu verlieren – und tatsächlich, Entdeckungen gibt es auch neben den künstlerischen einige: Wunderbare alte Häuser, geheimnisvolle Innenhöfe, daneben klaffende Baugruben. Ganz allgemein, so das Gefühl während der urbanen Schnitzeljagd, lebt die Lachen und sie verändert sich gerade rasant.

Durch ihre Strassen liess sich auch der St.Galler Künstler Beni Bischof mit Kamera und Gummidinosauriern treiben. Das Resultat ist eine bischofmässig (irr-)witzige Collage, die an ein Fenster der Kunsthalle an der Davidstrasse projiziert ist. Diese ist quasi der innenstädtische Satellit der Openair-Kunstausstellung in der Lachen.

Veranstaltungshinweis

Sa/So ab 20 Uhr bis Mitternacht. Geführter Rundgang So, 20 Uhr. Treffpunkt ist Erikastrasse 2. Weitere Infos unter stadtprojektionen.ch.

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