Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STANS: «Das Ausprobieren ist Programm»

Das Literaturhaus ist sozusagen auf dem Selbst­findungstrip. Intendantin Sabine Graf sagt, wohin die Reise geht.
Sabine Graf, Intendantin des Literaturhauses Zentralschweiz, an ihrem Arbeitsort in der «Rosenburg» in Stans. (Bild: Corinne Glanzmann)

Sabine Graf, Intendantin des Literaturhauses Zentralschweiz, an ihrem Arbeitsort in der «Rosenburg» in Stans. (Bild: Corinne Glanzmann)

Julia Stephan

«Ich bin in meinem Leben oft gesprungen geografisch wie mental», sagt Sabine Graf. Von der Provinz ins Urbane und wieder zurück, vom Französischen ins Deutsche. Grafs Dopingmittel: zwei Gedichtzeilen der Lyrikerin Rose Ausländer. Sie mahnen ans Ende und machen das Grübeln vergessen: «Noch bist du da/wirf deine Angst in die Luft.»

Seit Oktober 2014 ist die 46-Jährige in Stans, wo sie für das neu gegründete Literaturhaus Zentralschweiz (Lit.z) ein Gesicht sucht, das ihm steht. Mit einem Budget von rund 250 000 Franken für Infrastruktur und Betrieb. Ein beträchtlicher Teil kommt vom Kanton Nidwalden. Den Rest schultern die übrigen Zentralschweizer Kantone, die Gemeinde Stans, Gönner, Vereinsmitglieder und Stiftungen.

Weniger Hektik, mehr Musse

Viel Geld ist das nicht. Aber Sabine Graf hat mal wieder mutig zum Sprung angesetzt und ihren soliden Job bei der Stiftung Pro Helvetia aufgegeben. Sechs Jahre hatte die doktorierte Germanistin dort in der Übersetzungsförderung gearbeitet. Das hat sie weit blicken lassen, über Schweizer Grenzen hinaus.

In die grosse weite Welt zog es sie früh. Nach einer Buchhändlerlehre in Bern arbeitete Graf in einer deutschen Buchhandlung in Paris. Das Romanistik-Studium in Fribourg brach sie ab. Dort war es der Wahlpariserin zu bieder. Erst Zürich, wo sie später Germanistik studierte, brachte etwas Frischluft.

Nun ist sie den gegenläufigen Weg gegangen und ist in Stans gelandet, wo die Luft besser, der Rhythmus gemächlicher und die Mittagspausen länger sind als in Zürich. «Ich fange das an zu ... apprécier ... wertschätzen» sagt die bilingue aufgewachsene Intendantin.

Niederschwellige Vermittlung von guter Literatur soll in den Festsälen der «Rosenburg» stattfinden, in dem das Lit.z untergebracht ist auch wenn die Türschwellen des alten Patrizierhauses mit mittelalterlicher Bausubstanz aus dem 13./14. Jahrhundert tückische Stolperfallen sind. Das geschmackvolle Mobiliar stammt von einer Architekturausstellung, den Rest stöberten Graf und ihre Assistentin Daniela Krienbühl in Zürcher Brockenhäusern auf. Bis Ende 2012 gehörten die Räume zum Nidwaldner Museum. Im «Höfli», wie die Einheimischen das von einer Stiftung verwaltete Haus liebevoll nennen, wird nicht nur gelesen, sondern auch geheiratet. Und die Wirtschaft zur Rosenburg im Erdgeschoss verköstigt Künstler und Besucher des Lit.z gleichermassen.

Der rote Faden fehlt noch

Wer die erste Saison Revue passieren lässt, sucht den roten Faden vergeblich. Sabine Graf gibt zu: «Das Ausprobieren ist im ersten Jahr Programm.» Noch kennt sie ihr Publikum nicht. Sie muss es finden. Das ist in der zerklüfteten Zentralschweiz gar nicht so einfach.

Vieles, was auf dem Veranstaltungskalender stand, hat man in der Schweiz nicht zum ersten Mal gesehen. Etwa die Autorin Daniela Schwegler mit ihren Älplerinnen-Porträts. Graf hatte aber auch Mut zur eigenen Handschrift, etwa wenn sie mit der arrangierten Begegnung den arrivierten Literaturvermittler Werner Morlang und das umstrittene Energiebündel Dieter Zwicky aufeinanderprallen liess. Zur zweitägigen Moby-Dick-Lesung mit Schauspieler Walter Sigi Arnold kamen wegen einer unglücklichen Terminierung zwar nur zehn Besucher aber die waren begeistert. Und beim Besuch des tschechischen Autors Pavel Kohout passierten gar 94 Besucher die Schwellen des Lit.z.

Dessen Besonderheit ist es, als «mobiles Literaturhaus» nicht an Stans gebunden zu sein. Damit hält das Haus die Trumpfkarte in der Hand, wenn es darum geht, sich von anderen Deutschschweizer Literaturhäusern in Basel, Zürich und Lenzburg abzugrenzen. Als literarische Kuratorin für die Zentralschweiz ist Graf viel unterwegs, beteiligt sich auch am literarischen Leben anderer Zentralschweizer Kantone, etwa mit einer Lesung in der Krienser Gemeindebibliothek. Mit dem Konzept der «ausgeweiteten Wasserglaslesung», die Literatur nicht nur zeigt, sondern auch vermittelt, will sie weiterarbeiten.

Was noch fehlt, sind Buchvernissagen regionaler Literaten oder die angekündigten Literaturwerkstätten. «Kommt alles», verspricht Graf. Der so genannte «Regio-Reigen» soll ab 2016 regionale Autoren ins Haus einladen, ein Zirkel für Zentralschweizer Autoren ist bereits angedacht. Im Herbst startet eine Literaturwerkstatt für Gymnasiasten. Die im Herbst nach Stans geladenen ukrainischen Intellektuellen Jurij Andruchowytsch und Serhij Zhadan bringen so etwas wie Weltläufigkeit nach Stans, ebenso das Fachsymposium für Übersetzerinnen und Übersetzer mit dem charismatischen David-Foster-Wallace-Übersetzer Ulrich Blumenbach. Geistige Enge dürfte Graf bei diesen Gästen nicht verspüren und wir auch nicht.

Hinweis

Saisoneröffnung Lit.z in Stans: 22. August, 19.45 Uhr. Mit Nora Gomringer, Philipp Scholz, Michael Fehr und Manuel Troller. www.lit-z.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.