STANS: Der Zuschauer geht auf eine Reise

Mit der Premiere von «Molière» hat das Theater Stans seine Zuschauer kurzweilig unterhalten. Ueli Blum zeigt Aufstieg und Niedergang eines Theatergenies.

Marion Wannemacher
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«Molière» auf der Stanser Theaterbühne: Michèle Durrer als Genéviève Béjart, Franziska Stutz als Madeleine Béjart und Roland Simitz in der Titelrolle (von links). (Bild Corinne Glanzmann)

«Molière» auf der Stanser Theaterbühne: Michèle Durrer als Genéviève Béjart, Franziska Stutz als Madeleine Béjart und Roland Simitz in der Titelrolle (von links). (Bild Corinne Glanzmann)

«Wenn Sie etwas vom Theater wollen, müssen Sie es richtig wollen, sonst bekommen Sie es nicht», rät Schauspielerin Madeleine Béjart (Franziska Stutz) dem jungen Jean Baptiste Poquelin (Roland Simitz). Und Poquelin will! Er verliebt sich nicht nur in die Béjart, sondern auch ins Theater. Gegen den Willen des Vaters lässt er sich sein Erbe auszahlen, gründet eine Theatergruppe und – nennt sich Molière.

Schneller Szenenwechsel

Das Stück «Molière» hat einen temporeichen Beginn. In atemberaubender Geschwindigkeit wechselt es von Szene zu Szene. Molière nimmt den Zuschauer mit auf die Reise. War er nicht eben noch in der Garderobe der Madeleine Béjart? Schon ist er mit Molière in dessen marodem Theateretablissement. Im nächsten Augenblick sitzt Molière im Knast in Schuldhaft. Und im übernächsten auf dem Karren mit der Wandertruppe von Charles Dufresne (Thomas Ittmann).

Regisseur Ueli Blum peitscht das Geschehen voran. Er vergleicht den Ablauf treffend mit einem Roadmovie. Das ist unterhaltsam, Langeweile kommt nicht auf. Allerdings bleibt die Handlung dadurch bis zur Pause zumeist an der Oberfläche. Selbst die immer wieder thematisierte Eifersucht vermag nicht tiefer zu gehen. Das Spiel im Spiel der Wandertruppe hat etwas vom Genre Stummfilm. Christov Rolla intoniert dazu auf der Bühne die passende Klaviermusik.

Barocker Prunk

Mit Pomp geht es im zweiten Teil weiter. Glanzvoll der Auftritt von Louis XIV. (Urban Riechsteiner). Geradezu übertroffen haben sich Maskenbildner Roger Niederberger und Janina Ammon, erstmals als Kostümbildnerin in Stans. Die Kostüme mit den aufwendig gefertigten barocken Halskrausen und hoch aufgetürmten kunstvollen Perücken spiegeln den Prunk des legendären Sonnenkönigs wider. Die Dreiviertellänge verleiht vielen Kleidern einen modernen Pfiff.

Die Theatertruppe hat die Gunst des absolutistischen Herrschers erworben. Diesem kommt Molière gerade recht. Louis XIV. ist dabei, sich der bigotten Heuchelei und der Machtansprüche seiner Mutter Anna von Österreich (Pia Schmid) zu entledigen. «Wir müssen die Leute unterhalten, sie überraschen, bezaubern und berühren», ist sein Anspruch. Molière wird ihm dabei helfen.

Madeleine Béjart, die ihn schon längst an die eigene Tochter Armande (Melanie Ittmann) verloren hat, warnt ihn. «Was, wenn er dich nicht mehr braucht, dann merkst du, dass Politik und Theater das Gleiche sind.» Ein Albtraum von Molière erzeugt Spannung und dunkle Vorahnung. Der geniale Künstler wird beim Sonnenkönig in Ungnade fallen.

Aufwendige Inszenierung

Ueli Blum hat das Textbuch eigens für Stans geschrieben und in einer aufwendigen Inszenierung uraufgeführt. Das Stück zeigt dem Publikum einen grossen Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker. Mit dem Wortspiel «Kunst – Macht – Politik» bringt Christoph Alfons Herber, Präsident der Theatergesellschaft Stans, das Thema auf den Punkt.

«Es ist jeder in seiner Figur aufgegangen», freut sich Regisseur Blum nach dem Premierenerfolg. Zum vierten Mal hat er im Theater Stans inszeniert, und er kommt gern hierher: «Stans hat eine professionelle Infrastruktur mit dem Herzblut von Laienspielern.»

Jeder gibt sein Bestes. Ob Roland Simitz als getriebener Molière oder Franziska Stutz als leidenschaftliche Madeleine Béjart, Freddy Businger als verknöcherter heuchlerischer Conti oder Urban Riechsteiner als sich selbst inszenierender Sonnenkönig, der über die eigene Eitelkeit strauchelt. Die 20 Schauspieler liefern eine stimmige Teamleistung ab. Das Bühnenbild von Heini Gut hält sich bewusst in diskretem Grau zurück und lässt dem Spiel, der Beleuchtung und den Kostümen den nötigen Freiraum. Es ist eine Leistung von Bühnentechnik, Requisite und Licht, mit wenig Mitteln in den Köpfen der Zuschauer neue Spielorte entstehen zu lassen.

Tragödie oder Komödie?

Molière ist ein Theatervollblut, er will richtiges Theater machen: eine Tragödie. Das Publikum indes verlangt nach Komödien. Am Schluss zeigt sich: Das Leben ist beides.

Hinweis

Weitere Aufführungen bis am 12. April. Informationen unter www.theaterstans.ch. Telefonischer Vorverkauf 041 610 19 36 Donnerstag/Freitag16.30 bis 18.30 Uhr und Samstag 10 bis 12 Uhr.