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STANS: Ein Stanser im weltweiten Rockhimmel

In Amerika ist Ajay Mathur mit seinen Songs oft am Radio zu hören. In seiner Wahlheimat Stans ist er aber nicht sehr bekannt.
Der Rockmusiker Ajay Mathur, der in Stans lebt, ist trotz seiner Erfolge vielen Einheimischen nahezu unbekannt. (Bild: PD)

Der Rockmusiker Ajay Mathur, der in Stans lebt, ist trotz seiner Erfolge vielen Einheimischen nahezu unbekannt. (Bild: PD)

Otto Odermatt

Die grosse Liebe brachte 1974 Ajay Mathur in die Schweiz, genau gesagt nach Ennetmoos. Der Sprung aus der 18-Millionen-Grossstadt Neu-Delhi ins 1300-Seelen-Dorf in der Innerschweiz war für Mathur anfänglich schwer zu verdauen. Vor allem war es kalt. Er fror. Mit klammen Fingern schrieb er Songs. Kontakte fand er im Musikladen von Phil Carmen in Stans. Schnell hat Ajay mit einigen Musikern eine eigene Band gegründet, und schon ging es mit kleineren Konzerten in der Schweiz los. In den 80er- und 90er-Jahren feierte Ajay Erfolge mit seiner Rock-Band Mainstreet.

2011 brachte er sein erstes Album «A Matter of Time» als Solokünstler heraus, welches ausgezeichnete Kritiken und Auszeichnungen in den internationalen Medien bekam sowie Top-Rankings auf Internet-Radio-Playlists und Rankings in Americana (AMA) Radio Charts ergatterte. Sein aktuelles Album heisst «9 to 3».

Wir haben Ajay in seinem Studio in Stans getroffen und ihm einige Fragen gestellt. Seine Muttersprache Hindi hat er schon fast vergessen. So konnten wir uns auf Schweizerdeutsch unterhalten.

International sind Sie als Rockmusiker bekannt. Woran liegt das?

Mathur: Meine Musik wurde glücklicherweise auf vielen Radio-Playlists aufgenommen. Dadurch ist meine Musik über das Internet und über das Radio Airplay in Nordamerika, Europa und Ozeanien besonders in den englischsprachigen Ländern bekannt geworden. Die Zahl der Fans ist über die letzten dreieinhalb Jahre, seit der Veröffentlichung meines ersten Albums «A Matter Of Time», erfreulicherweise weltweit stetig gewachsen. Darunter sind auch viele Schweizer.

Sie sind in den Charts in Amerika an 14. Stelle. Dann sind Sie ausserhalb der Schweiz bekannter?

Mathur: Ja, seit der Veröffentlichung meines neusten Albums «9 to 3» sprang die erste Single «Walking On The Water» bereits in den ersten Wochen in die amerikanischen Radio-Airplay-Hitparaden. Meine zweite Single «My World (SOS To The Universe)» hat es inzwischen ebenfalls in diese Radio-Airplay-Hitparaden geschafft. Das ist sehr, sehr erfreulich, dass so viele internationale und amerikanische Radio-Stationen meine Songs regelmässig spielen.

In Stans kennt Sie kaum jemand als Rockmusiker?

Mathur: Dass mich kaum jemand in Stans als Rockmusiker kennt, ist gut so. Ich wohne und arbeite schliesslich dort und geniesse meine Ruhe (lacht). Jetzt im Ernst; ich denke, dass viele Stanser meine Musik gehört haben und den einen oder anderen meiner Songs durchaus kennen, jedoch nicht mich als Person. Woran es liegt, kann ich vielleicht damit erklären, dass ich viel aktiver meine Musik als meine Person in der Öffentlichkeit präsentiere.

Musiker haben den Wunsch, gehört zu werden. Bedrückt Sie das nicht, dass in der Schweiz die Resonanz so klein ist?

Mathur: Bedrückt? Ja und nein klar will ich, dass meine Musik in möglichst vielen Schweizer Radios gespielt wird und möglichst viele Schweizer Medien darüber berichten. Die Schweiz ist schliesslich meine Heimat. Ich beliefere die Schweizer Radios und Medien, genau wie in den anderen Ländern, regelmässig mit meiner Musik und Information. Dass meine Musik tatsächlich gespielt wird oder darüber geschrieben wird, kann ich als Musiker kaum beeinflussen.

Ist es heute einfacher, übers Internet bekannt zu werden als mit Livekonzerten?

Mathur: Die Musik lässt sich heute klar einfacher über das Internet verbreiten und verkaufen. Die Radios spielen natürlich nach wie vor eine wichtige Rolle. Obwohl ich grossen Spass und Erfahrung beim Live-Spielen habe und auch über eine fantastische Band verfüge, spielten Livekonzerte in meiner jüngsten Musikerkarriere bisher eher eine untergeordnete Rolle.

Sie sind Inder und leben seit vier Jahrzehnten in der Schweiz. Indien ist nicht das Land der Rockmusiker. Wie kamen Sie zu dieser Musik?

Mathur: Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Väterlicherseits gab es einige erfolgreiche Musiker, die sich einen Namen in Bollywood und in der indischen klassischen Musikszene gemacht haben. Meine Vorliebe für Rockmusik kam in meiner frühen Jugend, vermutlich aus einer Mischung von Rebellion und Faszination für die neue westliche Musik. Mit den ersten drei Akkorden auf der rosaroten Westerngitarre meiner Cousine habe ich den ersten Song spielen und singen gelernt. Da hat mich der Rockmusikvirus dann endgültig gepackt, und die indische Musik war kein Thema mehr. Dann ging es nicht lange, und ich spielte bereits mit meiner Band und rockte durch die Musikklubs von Neu-Delhi und Mumbai.

Rockmusiker erzählen mit ihren Liedern Geschichten. Sie setzen sich für etwas ein. Und Sie?

Mathur: Songtexte und Geschichten sind Kronjuwelen meiner Lieder und spielen eine zentrale Rolle in meiner Musik. Ich habe mich vor «heiklen» Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Migration, politische Machenschaften, Armut und Sucht nie gescheut.

Sie leben in Stans. Hat diese Umgebung einen Einfluss auf Ihre Musik? Oder sind es eher Ihre Seelenzustände, die Sie in Ihrer Musik ausdrücken?

Mathur: Ich denke, dass Stans sicher einen unbewussten Einfluss auf mein Musikschaffen hat. Ich liebe die Ruhe, die Zuverlässigkeit und die Geborgenheit, welche die Schweiz und die Schweizer Gesellschaft bieten. Stans ist ein typisches Schweizer Städtchen. Es ist ein guter Boden für Kreativität. Die Themen kommen natürlich aus meinem Seelenzustand; was ich erlebe, was ich empfinde und aus meinem neugierigen Blickfeld, das weit über die Grenzen der Schweiz geht.

Haben Sie Vorbilder, die Ihre Musik prägen?

Mathur: Ja, klar. Es sind die hervorragenden Songwriter, die mich am deutlichsten beeinflusst haben. Leute wie Don Henley, Jackson Browne, John Lennon, Bob Dylan, Tom Petty, Jonathan Wilson, Jack White, John Mayer, Neil Young, Ed Sheeran und viele mehr. Das Musikerhandwerk von The Beatles, The Doors, Steely Dan, Derek Trucks, Grateful Dead, Hall & Oates, Led Zeppelin, Gary Clark Jr. und Jimi Hendrix hat mich ebenfalls deutlich geprägt.

Musiker haben es nicht einfach, von ihrer Musik zu leben. Sehen Sie es auch so?

Mathur: Die Schweiz ist ein hartes Pflaster für Musiker. Mit weltweit einem der tiefsten prozentualen Anteile heimischen Musikschaffens in den Medien (Radio/TV) ist es für Schweizer Musiker sehr, sehr schwer, ein breites Publikum zu finden. Es sind auch nur sehr wenige, die es schaffen, in der Schweiz davon leben zu können.

Woran könnte das Ihrer Meinung nach liegen?

Mathur: Sicherlich nicht daran, dass es in der Schweiz keine guten Musiker und Songwriter gibt im Gegenteil –, ich kenne persönlich wirklich aussergewöhnliche Schweizer Musiktalente, die weitgehend unbekannt sind. Ich denke im Vergleich zu Ländern wie Grossbritannien, Deutschland oder den USA haben es die Schweizer Medien und die Musiker nicht geschafft, eine Art «Zweckallianz» zu bilden und dadurch eine ökonomische Nutzgemeinschaft aufzubauen.

Sie geben wenig Konzerte in der Schweiz. Wie sind da Ihre Eindrücke?

Mathur: Auch wenn ich wenig Konzerte gebe, ich liebe es, live zu spielen. An diesen Konzerten öffne ich meine Songs für Improvisation und Experimente. Ich habe grossen Spass daran, auch Gastmusiker auf die Bühne einzuladen. Meine Liveauftritte sind dynamisch, und ich fühle mich frei, meine Songs neu zu interpretieren. Sie können bei jeder Aufführung anders klingen. Das ist mitunter ein Grund, weshalb meine treuen Fans keinen meiner Auftritte verpassen wollen.

Hinweis

www.ajaymathur.com

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