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STANSER MUSIKTAGE: Nur musikalisch auf der sonnigen Seite

Musikalisch stark, wettermässig alles andere als ideal: Die diesjährigen Stanser Musiktage haben sich trotz Besucherrückgang tapfer geschlagen. Auch zuletzt gab es starke Auftritte – etwa aus Mittelamerika.
Pirmin Bossart
Eine der intimeren Darbietungen der diesjährigen Stanser Musiktage: Klarinettist Rolf Kühn (87) und sein Trio. (Bild: André Niederberger (29. April 2017))

Eine der intimeren Darbietungen der diesjährigen Stanser Musiktage: Klarinettist Rolf Kühn (87) und sein Trio. (Bild: André Niederberger (29. April 2017))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Musikalisch bunt und gehaltvoll angerichtet starteten die Stanser Musiktage ihr diesjähriges Abenteuer. Aber das Festival rammte in eine brutale Wetterwoche. Es regnete, und es war kalt.

Nur gerade am Samstag und gestern Sonntag leuchtete die Sonne und veränderte sofort die Stimmung auf dem Dorfplatz und bei den Besuchern. «Ein solcher Tag mehr hätte uns gutgetan», sagte gestern Co-Leiter Marc Rambold. Dass die finanzielle Rechnung nicht ganz aufgehen wird, liegt auf der Hand.

Konsequenzen erst, wenn Schlussrechnung steht

Ein paar hundert Zuschauer weniger als letztes Jahr besuchten die Hauptkonzerte. Einnahmeeinbussen müssen auch im Rahmenprogramm hingenommen werden. Allein mit Essen und Trinken werden ein Viertel der Einnahmen erzielt. Noch kann das finanzielle Ergebnis laut den Organisatoren nicht beziffert werden, aber die Tendenz ist klar: Sie folgt der unschönen Wetterkurve. Was das allenfalls für Konsequenzen hat, wollen die Verantwortlichen eruieren, wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen.

Musikalisch hingegen blieb das Festival durchwegs auf der sonnigen Seite, auch für die Organisatoren. «Wir haben zahlreiche Highlights erlebt», sagt Co-Leiterin Esther Unternäher. «Es gab kein einziges Konzert, das gefloppt hat.» Persönlich zählen die beiden Festivalverantwortlichen den Auftritt der Schwedin Anna von Hausswolff (vergleiche Ausgabe vom Samstag) zu ihren Favoriten. «Wir hatten eine sehr gute Woche. Organisatorisch hat alles bestens geklappt», sagt Unternährer. Und ja: «Abgesehen von den Zahlen sind wir sehr glücklich, wie das Festival abgelaufen ist.»

Vorgefertigte Soundspuren im Einklang mit Livemusik

Einen starken Auftritt hatte am Samstagabend die kubanisch-puertoricanische Sängerin Xenia Rubinos. Sie brachte den zeitgemäss-urbanen Punch ins Vielfalt-Programm der Musiktage ein. Die in Brooklyn lebende Sängerin und ihr Trio generierten mit Elementen aus R ’n’ B, Hip-Hop, Soul und Jazz einen modernen, stark mit Elektronik gepeppten Sound. Das Set wirkte extrem einstudiert, vorgefertigte Soundspuren waren omnipräsent, doch mindestens gleichberechtigt agierten die Instrumentalisten. Die Musik erschien wie ein Konglomerat aus Phrasen, Formeln und Vokalsätzen, die komprimiert und schön wuchtig über die Bühne kamen.

Der zeitgenössische Pop von Xenia Rubinos war mit seiner jazzigen Schraffur im Chäslager gut aufgehoben. Überhaupt waren im Dachraum einige der interessantesten Acts der diesjährigen Musiktage zu erleben. Einen stimmungsvollen Auftakt hatte das Duo Kamilya Jubran und Werner Hasler mit seinem arabisch-elektronischen Songprogramm gesetzt. Achim Kaufmann (p) und Michael Moore (Saxofon) glänzten mit einem schon fast telepathischen Zusammenspiel. Das war so gekonnt und geschliffen, dass man darob fast vergass, dass der Jazz auch eine Seele braucht.

Technische Meisterleistung

Mehr Technik als Emotion strahlte der Auftritt des Kanadiers Colin Stetson aus, der auf Altsaxofon, Tenorsaxofon und dem «Ungetüm» Basssaxofon wahre Klang- und Rhythmusorgien exerzierte. Stetson produzierte gleichzeitig technoid vertrackte Beats, Melodien, harmonische Überlagerungen, Noise und Geheul. Technisch war das eine Meisterleistung, aber musikalisch hatte dieser instrumentale Hochleistungssport seine Grenzen. Virtuosität kann erschöpfend sein.

Mehr Seele und Durchlässigkeit hatte das «Zulu Requiem» im lit.z Literaturhaus Zentralschweiz. Das Quartett um die südafrikanische Sängerin Ntando Cele gestaltete sein Programm um Texte aus dem Requiem, die in Zulu übersetzt und gesungen wurden, aber dazwischen auch auf Lateinisch, Hochdeutsch und in Mundart vorgetragen wurden. Kammermusikalisch-intim war auch das Konzert des 87-jährigen deutschen Klarinettisten Rolf Kühn mit seinem feinen Trio.

Beats für Junge im Underground

Im Kollegisaal wurden die schmissigen und tanzbaren Acts zelebriert, allen voran die texanisch-mexikanische Mambo-Rock-Fuhr des Orkesta Mendoza. Am Freitag heizte Gypsy Islam mit ägyptologischer Keyboard-Elektronik und zwei Schlagzeugern ein, am Samstag massierte der milde Afro-Funk von Dele Sosimi das Publikum.

Eine ganz andere Szene florierte in den «Underground»-Lokalitäten der Zivilschutzanlage und des Klosterkellers, wo die technoiden Beats und Sounds das junge Volk abholten. Alles gut und spannend, aber eben: Der Wettergott war fies dieses Jahr.

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