STANSSTAD: Auch ein Nidwaldner liebäugelt mit dem Oscar

Wenn diese Nacht in Los Angeles die Oscars vergeben werden, darf auch ein Nidwaldner auf die begehrte Statue hoffen. Andrew R. Jones ist mit seiner Arbeit für «The Jungle Book» in der Kategorie «Visuelle Effekte» nominiert.

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Für den in Fürigen wohnhaften Andrew R. Jones könnte dies nach dem Erfolg mit «Avatar» das zweite der begehrten goldenen Männchen bedeuten. (Bild: Disney Enterprises/PD)

Für den in Fürigen wohnhaften Andrew R. Jones könnte dies nach dem Erfolg mit «Avatar» das zweite der begehrten goldenen Männchen bedeuten. (Bild: Disney Enterprises/PD)

Wie es an einer Oscar-Verleihung zu- und hergeht, kennt der Nidwaldner Andrew R. Jones bereits. 2010 gewann er zum ersten Mal einen Oscar für den Film «Avatar», und auch die erstmalige Nomination für die visuellen Effekte im Film «I, Robot» 2005 war ein spezielles Erlebnis. Auch gehörte er bereits im Kassenschlager «Titanic» zur Filmcrew.

Und nun darf der US-schweizerische Doppelbürger mit Heimatberechtigung in Hergiswil für die von ihm geleisteten Arbeiten für die Neuauflage des Disney-Klassikers «Dschungelbuch» auf einen weiteren Oscar hoffen. «Jede Nomination ist immer wieder ein ganz spezielles Erlebnis. Kommt hinzu, dass die Konkurrenz auch in diesem Jahr sehr hart ist», erzählt der 44-jährige Spezialist für visuelle Effekte.

Auch wenn er zu Hause in Fürigen bei Stansstad bereits einen Oscar stehen hat, bleibt Andrew R. Jones auf dem Boden. Und sollte er dennoch einmal die Bodenhaftung für kurze Zeit verlieren, sorgt seine Familie mit Ehefrau Maya Jones-Zibung sowie seinen Kindern Lani und Kai zusammen mit Schwiegervater Walti Zibung dafür, dass er sehr schnell wieder den Boden unter den Füssen spürt.

Als Schweizer auf der Dufourspitze

Wie bodenständig der für den Oscar Nominierte ist, zeigt die Tatsache, dass er nur ein Jahr nach Erlangen des Bürgerrechts von Hergiswil zusammen mit seinem Schwiegervater auf der Dufourspitze stand. «Das müsse so sein, liess mich Walti wissen. Alle mit neuem Schweizer Pass müssen innerhalb von drei Jahren auf dem höchsten Schweizer Gipfel gewesen sein», erzählt Andrew R. Jones und erinnert sich gerne an dieses aussergewöhnliche Erlebnis im August 2013.

Der Ausflug auf die Dufourspitze zeigt, dass Andrew R. Jones hart im Nehmen ist. Härte und Ausdauer braucht er auch bei seiner täglichen Arbeit. Von 2014 bis Frühjahr 2016 drehte sich bei ihm alles um die Realisierung der Neuverfilmung der legendären «Dschungelbuch»-Geschichte.

Beim Film «Avatar» wurde hauptsächlich noch mit der so­genannten «Motion Capture»-Technik gearbeitet. Dabei simulierten Schauspieler die Bewegungsabläufe, ehe diese per Computer auf die Avatars übertragen wurden. Diese Technik kam beim «Dschungelbuch» praktisch nicht mehr zum Einsatz. Sämtliche 72 im Film vorkommenden Tiere wurden mit einer neuartigen Technik umgesetzt. Jedes Tier wurde vom Knochenbau her über die Muskeln bis hin zu Haut und Fell am Computer aufgebaut.

Das Team steht über allem

«Am Ende bestand das Team aus 850 Personen», erzählt Jones. Bis auf Mogli und seinen Vater ist bei «The Jungle Book» bis auf den kleinsten Grashalm alles am Bildschirm in spezialisierten Studios in Wellington, London und Los Angeles entstanden.

Andrew R. Jones und sein Team setzten mit ihrer Arbeit für «The Jungle Book» im visuellen Bereich neue Massstäbe. Dass dies nun mit der Nomination für die diesjährige Oscar-Verleihung heute Nacht in Los Angeles honoriert wird, freut den Nidwaldner. «Ich wurde zwar nominiert. Doch sollte ich den Oscar für diese Arbeit in Empfang nehmen, gehört dieser dem ganzen Team. Es verhält sich bei dieser Arbeit wie mit dem Bergsteigen: Ein gut funktionierendes Team steht über allem.» Wohin es ihn und seine Familie als Nächstes verschlägt, weiss Andrew R. Jones noch nicht. Worauf er sich aber freut, schon: «Auf eine Bergtour in meiner zweiten Heimat.»

Beat Christen

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Der Film «The Jungle Book» ist in der Kategorie «Visuelle Effekte» für einen Oscar nominiert. (Bild: Disney Enterprises/PD)

Der Film «The Jungle Book» ist in der Kategorie «Visuelle Effekte» für einen Oscar nominiert. (Bild: Disney Enterprises/PD)