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Stars auf und vor der Bühne

Verdi-Opern ziehen Starsänger wie Anna Netrebko und Jonas Kaufmann an. Aber mindestens so wichtig sind Verdi-Dirigenten, wie neue Aufnahmen mit Riccardo Chailly und Antonio Pappano zeigen.
Fritz Schaub
Geht trotz Glanzleistung als Otello stimmlich zu wenig an die Grenzen: Jonas Kaufmann. (Bild: Getty)

Geht trotz Glanzleistung als Otello stimmlich zu wenig an die Grenzen: Jonas Kaufmann. (Bild: Getty)

Zwar kauft man eine Opern-DVD vor allem wegen der Sänger. Aber auf der jetzt erschienenen DVD, die die Aufführung von Verdis «Giovanna d’Arco» unter der Leitung von Riccardo Chailly an der Mailänder Scala dokumentiert, spielt der Dirigent vor der Bühne eine herausragende Rolle. So wird die Kraft und Energie von Chaillys hochkonzentriertem Dirigat von Beginn an spürbar.

Und es bestätigt sich, was ein Kritiker damals schrieb: Dass es trotz der famosen Leistung von Anna Netrebko als Titelheldin Chailly war, der die «bisweilen sperrige Verdi-Oper mit all ihren Brüchen zu neuem Leben erweckte und sich nicht scheute, ihre rauen Seiten zu betonen».

Die Aufzeichnung von 2015 ist wegen Zwistigkeiten zwischen dem Dirigenten und dem Regisseur erst jetzt erschienen. Wenige Monate zuvor war Chailly zum neuen Chefdirigenten des Lucerne Festival Orchestra gewählt worden. Mit der Ansetzung des 1845 entstandenen Werks, das an der Scala uraufgeführt wurde, aber in 150 Jahren nicht mehr auf dem Spielplan stand, holte Chailly, eben zum neuen Musikdirektor der Scala gewählt, Verdi heim an die Mailänder Oper.

Anna Netrebko als dramatische Johanna

Anna Netrebko wird von Anfang an in den Mittelpunkt gerückt, indem die Regie die Oper weitgehend im Schlafzimmer der Jeanne d’Arc spielen lässt. Nicht ungeschickt vermittelt die Ausstattung zwischen dem mittelalterlichen Schauplatz und der Moderne des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als besonderer Gag erscheinen Johanna und König Carlo VII. (vornehm zurückhaltend: Francesco Meli), wenn sie Rüstungen anlegen, wie vergoldete lebende Statuen. Der Zwiespalt zwischen der Liebe zum König und der göttlichen Sendung spielt sich ganz in den Halluzinationen der Johanna ab. Als reale Personen treten einzig sie und ihr Vater Giacomo auf, wobei der spanische Bariton Carlos Alvarez ebenso grossen Anteil an der ergreifenden Wirkung hat wie die russische Primadonna. Diese bestätigt, wie tief sie mit ihrem kämpferischen Einsatz und ihrer abgedunkelten Sopranstimme schon damals ins dramatische Fach eingedrungen ist.

Jonas Kaufmanns Otello-Debüt

Eine wichtige Rolle spielte der Dirigent auch bei Verdis Spätwerk «Otello». Startenor Jonas Kaufmann (49) gab sein mit Spannung erwartetes Otello-Debüt («ein Mount Everest»). Bei aller Anerkennung der brillanten Leistung Kaufmanns: Auch hier ist es Antonio Pappano, der Musikdirektor des königlichen Opernhauses Covent Garden, der Verdis grosse Shakespeare-Oper zum Leben erweckt. Grossartig, wie er die Ensembleszenen aufbaut und dabei den Chor klangmächtig einbezieht. Aber er wagt auch, das Tempo zu verzögern, wenn am Ende des Monologs, in dem Jago sich zum Gott des Bösen bekennt, die Dämonie beklemmend aus den angehaltenen Noten quillt.

Überhaupt Jago! Teuflisch, wie Marco Vratogna mit schwarz gefärbtem und prägnantem Bariton das Intrigennetz spannt, wie er säuselnd Gift ins Ohr des eifersüchtigen Mohren träufelt. Als dieser tritt Kaufmann ohne Maske auf – sie wird ihm erst nach dem Zusammenbruch am Ende des dritten Aktes vom triumphierenden Jago aufs Gesicht gedrückt.

Mit einem bronzen strahlenden «Esultate» behauptet sich Kaufmann auf Anhieb und führt im Liebesduett mit Desdemona (Maria Agresta mit unschuldig reinem Sopran) seinen dunkel gefärbten Tenor kultiviert bis in die Pianissimo-Verklärung des «Venere splende» – stimmungsvoll hervortretend aus dem dunklen Grund eines meist hohen schwarzen Raums (Regie: Keith Warner). Aber in den grossen Gefühlsausbrüchen geht er stimmlich zu wenig an die Grenzen. Von der Stimmfarbe her vermag Kaufmann durchaus Erinnerungen an grosse Vorbilder zu wecken. Aber ob der 47-Jährige ebenfalls eine solche Otello-Dominanz wie etwa Mario del Monaco oder Placido Domingo erreichen wird, darf bezweifelt werden.

Joseph Calleja – ein kommender Otello?

Auch beim Aufstieg des Malteser Tenors Joseph Calleja spielte Riccardo Chailly eine Rolle. So war er als Dirigent bei dessen erstem Rezital, aufgenommen 2003, sofort vom lyrischen italienischen Klang seiner Stimme überrascht gewesen. Schon damals sang der junge Tenor Arien aus drei Verdi-Opern. Jetzt, 15 Jahre später, widmet er eine neue CD ganz Giuseppe Verdi.

Calleja suchte nicht wie andere Stars das Scheinwerferlicht und baute sein Repertoire vorsichtig aus. Das hat sich ausgezahlt. Er zeigt sich jetzt bereit für dramatischere Verdi-Partien. Ohne seine Stimme strapazieren zu müssen, singt er Arien und Duette aus «Aida», «Il Trovatore», «La Forza del Destino», «Don Carlo» und sogar aus «Otello». Er porträtiert dabei sowohl die lichten wie die dunklen Seiten des Titelhelden – nicht mit Kraft, sondern mit den variablen Farben seiner nobel timbrierten Stimme und einer haargenauen Projektion des Tons an den entscheidenden Stellen. Wächst im 40-jährigen Tenor eine Alternative zu Kaufmanns Otello heran, die tiefer in die Seele des tragisch scheiternden Helden blicken lässt? Es wäre zu wünschen.

Giuseppe Verdi: Giovanna d’Arco, Decca; Otello, Sony, beide DVD/Blu-ray. Joseph Calleja: Verdi, Decca, 1 CD.

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