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Operette Sirnach:
Statt Champagner gibt’s jetzt Cocktails

Bei der Operette Sirnach hat morgen Paul Abrahams «Ball im Savoy» Premiere. Der Thurgauer Regisseur Leopold Huber bringt ein Stück auf die Bühne, das ihm gerade wegen der schlichten Handlung umso mehr Freiraum für vielfältige Inszenierungsideen erlaubt.
Martin Preisser
Leopold Huber inszeniert bereits zum vierten Mal bei der Operette Sirnach. (Bild: Urs Bucher)

Leopold Huber inszeniert bereits zum vierten Mal bei der Operette Sirnach. (Bild: Urs Bucher)

Das Stück spielt in einem Grandhotel, eine Verwechslungskomödie mit den üblichen Ingredienzien. «Die Handlung ist nicht die heilige Kuh des Theaters», sagt Regisseur Leopold Huber. Im Gegenteil: Ein einfacher gestrickter Plot erlaube es ihm, hinter der glänzenden Oberfläche zu kratzen. «Wenn ich mich nicht in erster Linie auf die Handlung verlassen kann, habe ich in der Inszenierung viel mehr Freiheiten, hinter die Fassade zu schauen.

Statt Walzer wird Charleston getanzt

Zum vierten Mal hat die Operette Sirnach den Thurgauer Regisseur engagiert. Erneut für eine Operette, die das Genre von altem Staub befreit, die viel mehr Richtung Revue geht und schon fast das Genre des Musicals vorausnimmt. Es gibt in Paul Abrahams 1932 uraufgeführtem «Ball im Savoy» natürlich noch wienerischen Charme. Aber der amerikanische Einfluss ist viel stärker.

Es wird Charleston statt Walzer getanzt. Spritzige Jazz­elemente und Blues-Seligkeit sind musikalische Elemente, welche die Operette aus der Tradition in die Moderne führen. Leopold Huber pointiert es nochmals anders: «War bei der alten Operette Champagner der Treibstoff, sind es bei Paul Abraham die Cocktails, die auf der Bühne für den Fluss sorgen.»

Begeistert ist der Regisseur, der 2012 in Sirnach sehr erfolgreich und schmissig Paul Abrahams «Victoria und ihr Husar» auf die Bühne brachte, erneut von Abrahams Musik und ihren teils sehr modernen, oft schrägen Harmonien. «Was Abraham da schreibt, ist nichts weniger als Goldstaub. Mit den ungewohnten Harmonien mochte er aber auch andeuten, dass die Welt nicht mehr in Ordnung war.» Sie war es nicht mehr: Jazzelemente, moderne Klänge, weltläufige Atmosphäre, Frauen auf der Bühne, die mit ihren eigenen Waffen kämpfen und sich ihre Freiräume schaffen: Das musste den Nazis missfallen. Drei Monate wurde Abrahams «Ball im Savoy» umjubelt in Berlin gespielt, dann verboten die Nazis nach ihrer Machtübernahme 1933 das Stück.

Tragisches Ende in geistiger Umnachtung

Wie viele andere Operettenkomponisten ging der Jude Abraham ins Exil nach Amerika, wo er nie wieder Fuss fasste. Man merkt, wie es Leopold Huber sichtlich berührt, wenn er von der geistigen Umnachtung des Komponisten erzählt, der in New York, als Musiker bekleidet, auf einer Verkehrsinsel den Verkehr «dirigierte», worauf er in die Psychiatrie eingeliefert wurde.

Hinter dem Vordergründigen suchen, die Brüchigkeit einer Epoche zeigen, Sicherheiten hinterfragen, dank der sehr emotionalen Musik versuchen, farbiges, anspielungsreiches Theater zu kreieren, das treibt Huber auch bei der aktuellen Produktion um.

Neue Choreografin, neuer Dirigent

Hinter der einfachen Handlung Neues ausloten, eigene Räume öffnen vielleicht auch für den einen oder anderen subversiven Einfall, auf jeden Fall auch für viel Tanz, Bewegung und Kabarett: Wie spritzig er das kann, hat Huber bei all seinen Sirnacher Produktionen gezeigt.

Viele bekannte Gesichter sind auf der Operettenbühne wieder zu sehen. Die St. Gallerin Jasmin Hauck ist erstmals für die Choreografie und den Tanz verantwortlich. Und Dirigent Andreas Signer hat neu die musikalische Gesamtleitung übernommen und weiss dabei, dass er in die grossen Fussstapfen von ­Martin Baur tritt, der die Operette Sirnach als Kapellmeister lange Jahre erfolgreich geprägt hat.

Hinweis

Premiere: Sa, 12.1., 18 Uhr, Dreitannensaal, Sirnach; bis 6.4.

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