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STATTKINO LUZERN: Peter Leimgruber – ein Kämpfer für anspruchsvolle Filme

Peter Leimgruber (69) prägt seit bald 20 Jahren das Stattkino. Der leidenschaftliche Kulturvermittler wurde von der Stadt Luzern ausgezeichnet.
Peter Leimgruber an der Kasse des Stattkinos. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 9. Januar 2017))

Peter Leimgruber an der Kasse des Stattkinos. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 9. Januar 2017))

Vor 17 Jahren hängte Peter Leimgruber den Beruf des Schauspielers an den Nagel und übernahm als Geschäftsleiter die Verantwortung für das Stattkino. Seitdem ist der nicht-kommerzielle Film in der Stadt Luzern in guten Händen. Leimgruber macht ein Programm, wie es kein einziges Kino weit und breit sonst macht: «Mich interessieren die nicht-kommerziellen Filme. Das Mainstream-Kino ist nie meine Heimat gewesen.»

Peter Leimgruber kam früh in Kontakt mit der Film- und Theaterwelt. Schon als Jugendlicher sass er Anfang der 1960er-Jahre in den Kinosälen und liess sich von den bewegten Bildern grosser Regisseure wie Tarkowski, Bergmann, Antonioni oder Buñuel in eine Welt ziehen, mit der er sich identifizieren konnte. Die Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen Charakteren, existenziellen Themen und gesellschaftlichen Gegenentwürfen, wie sie in diesen Werken aufschienen, hat ihn geprägt. «Weil meine Eltern aufgrund ihrer Tätigkeit als Hoteliers viel zu wenig präsent waren, suchte ich vermutlich Reibungsflächen und fand in den Milieus, Figuren und Geschichten Hinweise und Antworten auf die Dinge, die mich beschäftigten und auch meine Haltung formten», so Leimgruber. Dass er als 14-Jähriger die Hauptrolle in «Peterchens Mondfahrt» am Luzerner Stadttheater unter der Regie von Horst Gnekow spielen konnte, war eine weitere Erfahrung, die seinen weiteren Lebensweg bestimmte.

Leimgruber, der Schauspieler

Nach einer Schauspielausbildung an der Folkwangschule Essen arbeitete Leimgruber während 25 Jahren an verschiedenen deutschen Bühnen (Trier, Aachen, Saarbrücken) und später auch in der Schweiz. Ab und zu spielte er kleinere Rollen in deutschen Fernsehproduktionen. Sein schauspielerisches Rüstzeug bemerkt man spätestens, wenn Leimgruber mit seinem perfekten Bühnendeutsch Filme präsentiert oder Gespräche moderiert. Aber auch daran: «Ich weiss aus meiner Erfahrung, wie und was man Regisseure oder Schauspieler fragen muss.» Als Schauspieler hätten ihn die problematischen und schwierigen Charaktere stets am meisten interessiert, sagt Leimgruber. So hat er wiederholt einen Geistlichen oder auch einen Mörder gespielt. «Es sind immer Rollen, die weit weg von dir selber sind. Das ist schwieriger, beschäftigt dich innerlich mehr und macht dich dadurch auch präziser.» Sympathien hat er zum Berliner Regisseur Benjamin Heisenberg, der die Laudatio auf den Anerkennungspreis der Stadt Luzern gehalten hat. Leimgruber schmunzelt: «Heisenberg meinte, dass er mich auf der Bühne durchaus als Martin Luther vorstellen könnte.»

In seiner Rolle als Geschäftsleiter des Stattkinos kann sich Leimgruber dank eines gut eingespielten Teams voll auf die künstlerische Ausrichtung konzentrieren und wie ein Kurator die Programmlinie gestalten. «Ich zeige nur Filme, die mir selber gefallen. Ich schaue mir jeden Film an und habe auch eine Haltung dazu.» So hat er den kleinen Kinobetrieb zu einer inzwischen etablierten Nische im Luzerner Kulturleben entwickelt. Zu seinen wichtigsten Auswahlkriterien gehört das Formale. «Ein Film muss eine Form haben und eine Geschichte auf eine bestimmte Weise erzählen. Wie sind die Kameraführung, der Schnitt, die Musik, wie werden die Figuren eingesetzt – solche Sachen sind entscheidend und immer wieder spannend.» Regelmässig programmiert er auch Filme aus Weltgegenden, die hierzulande nicht so vertraut sind und uns andere zeitgenössische Wirklichkeiten mit dortigen Augen erfahrbar machen.

Leimgruber, der Kulturliebhaber

Die Kunstpreis-Jury der Stadt Luzern unterstrich in ihrer Würdigung Peter Leimgrubers insbesondere dessen Vermittlungs- und Netzwerkarbeit. Bei den Stattkino-Filmen müsse man mehr machen, damit die Leute kämen, sagt Leimgruber. «Ich überlege mir immer, welche Gruppierungen angesprochen werden könnten.» Er schreibt sie gezielt an und heckt ein bestimmtes Rahmenprogramm dazu aus. So hat er sich ein treues Stammpublikum aufgebaut und ein breites Netzwerk an Interessenten.

Auch wenn er mal nicht filmisch unterwegs ist, schlägt Peter Leimgrubers Herz für Kultur. Mit seinem Partner besucht er Kunstausstellungen, Theater, Konzerte, Museen oder geht auch gerne wandern in den Bergen. «Das gehört alles zusammen. Ich habe keine Hobbys. Mein Leben ist mein Inhalt.» Im kommenden September wird Leimgruber 70 Jahre alt. Abnützungserscheinungen zeigt er keine. Die Motivation und Leidenschaft für seine Arbeit sind ungebrochen. «Ich habe zwar einen Nachfolger vorgemerkt, aber es ist noch zu früh, um aufzuhören.» Und ja: «Es wäre mir auch zu langweilig.»

Pirmin Bossart
stadt@luzernerzeitung.ch

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