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St.Galler Festspiele: Der Funke springt
an der Opernpremiere nicht

Enorm präsente und stimmlich überzeugende Sängerinnen und Sänger liessen Giuseppe Verdis «Il trovatore» auf dem Klosterhof zum eindrucksvollen Erlebnis werden – wäre da nicht eine Regie, die einige Wünsche offen lässt.
Rolf App
Azucena (Okka von der Damerau) wird eingekreist; bald wird auch sie auf dem Scheiterhaufen enden. (Bild: Bilder: Urs Bucher)

Azucena (Okka von der Damerau) wird eingekreist; bald wird auch sie auf dem Scheiterhaufen enden. (Bild: Bilder: Urs Bucher)

Es ist ein Stück voller tiefer Gegensätze, das auf dem St. Galler Klosterhof die diesjährigen Festspiele eröffnet. Auf die Szene bei Hof folgt jene unter den Zigeunern, den Aussenseitern in Giuseppe Verdis Oper «Il trovatore». Das wird darin deutlich, wie sie behandelt werden. Und in dem, was vor allem eine unter ihnen erlebt hat, Azucena. Sie musste mit ansehen, wie ihre Mutter vom alten Grafen Luna als Hexe auf den Scheiterhaufen geschickt wurde. Jetzt erzählt sie ihrem Sohn Manrico den brutalen Rest der Geschichte. Wie sie ein Kind ins Feuer stösst, das Kind des Grafen, wie sie zuerst glaubt. Bis sie erkennt: Sie hat ihren eigenen Sohn umgebracht, das Kind des Grafen hat überlebt.

Manrico erfährt eine erschütternde Wahrheit

Manrico schreit auf. Ist er nun ihr Sohn, oder jener des alten Grafen? Und damit der Bruder seines Erzfeindes? Worauf Verdi in seiner siebzehnten Oper hinaus will, das wird in dieser Szene deutlich. Er will zeigen, wie Hass entsteht, und wie Feindschaft sich fortsetzt über Generationen. Und weil es um etwas Überzeitlich-Menschliches geht, hat er seine Librettisten gebeten, die historischen Bezüge des spanischen Dramas weitgehend zu tilgen, auf dem «Il trovatore» aufbaut. Etwas Mittelalterliches haftet ihm zwar immer noch an, doch taucht es mehr in den Erzählungen der Protagonisten auf als auf der Bühne selbst. Sie wird zum Schauplatz menschlicher Auseinandersetzung - wie jetzt, da Manrico verwirrt, wütend, zornig auf Frank Philipp Schlössmanns mit Kreuzen übersäter Bühne steht, und weit entfernt Azucena, seine Mutter. Warum so viel Raum sie trennt, das bleibt das Geheimnis des Regisseurs Aron Stiehl.

Graf Luna und seine dunkle Kraft: Aus Liebe wird Hass

Dass unter diesen Umständen das Drama nicht so recht zünden mag, ist nicht den Sängerinnen und Sängern anzulasten. Okka van der Damerau entwickelt als Azucena eine stimmlich überragende Präsenz. Timothy Richards wirkt zwar als Manrico weniger überzeugend, wo es um feindliche Gefühle geht. Dafür geht im weiteren Verlauf des Abends von Alfredo Daza als seinem Gegenspieler Graf Luna eine dunkle Kraft aus. Aus tiefstem Herzen liebt er, doch Leonora, die er begehrt, entzieht sich ihm. So schlägt auch bei ihm Liebe in Hass um.

Hulkar Sabirova aber wird in ihrem stimmlichen Facettenreichtum als diese Leonora zum Gravitationszentrum des Abends. Zu dessen Gelingen sowohl das von Michael Balke geleitete Sinfonieorchester St. Gallen als auch die von Michael Vogel einstudierten Chöre beitragen – beteiligt sind der Chor des Theaters St. Gallen, der Opernchor St. Gallen, der Theaterchor Winterthur und der Prager Philharmonische Chor.

Regisseur Aron Stiehl lässt sich einiges einfallen

Nicht, dass Aron Stiehl sich in seiner Regie nicht einiges einfallen liesse. Die Ensembleszenen wie etwa Azucenas Verhaftung und Verhör inszeniert er mit Geschick und Effekt, und den Kriegsknecht Ferrando (Tijl Faveyts) schickt er mit blutroter Narbe im weissen Gesicht als einen Boten des Todes über die Bühne und sogar auf die Empore der Kathedrale. Trotzdem wird nicht recht fühlbar, was Verdi in seine Musik gelegt hat. Ihre tiefe Leidenschaftlichkeit fliesst zu selten in die intimen Szenen ein. Einzig wenn Leonora vorne an die Bühne tritt, bleibt das Herz stehen.

St. Galler Festspiele, «Il Trovatore» bis 12.7., Klosterhof

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