STILPROGNOSEN: Lifestyle: Was 2014 zum Tragen kommt

Neues Jahr, neue Sitten. Wir werfen einen Blick in die Zukunft und wagen steile Prognosen, was 2014 Trend wird – von der Küche bis zum Kleiderschrank, zum Wohle wie zum Wehe.

Caroline Fux
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Die Prognosen sind erstellt, wonach wir uns in naher Zukunft stilistisch - und also beim Shopping - orientieren. (Bild: Keystone)

Die Prognosen sind erstellt, wonach wir uns in naher Zukunft stilistisch - und also beim Shopping - orientieren. (Bild: Keystone)

Stilbewusste Menschen lieben Trendprognosen. Nicht nur weil die Vorhersagen für eine coole Lebensweise einen wohlig-schaurigen Flirt von Hoffen und Bangen beinhalten. («Ich soll jetzt Möbel selber polstern? Ernsthaft?») Trendbewusste Menschen haben gern die Nase vorn und murmeln dann beim Lesen überlegen Dinge wie «Das war bei meinen letzten Ferien in Berlin längst Alltag».

Aber auch wer kein Trend-Victim ist, schnuppert gern auf diesem Weg etwas Zukunftsluft. Auch weil man ab einem gewissen Alter weiss, dass der ganze Trendplunder völlig fakultativ ist. Man schaut, schüttelt den Kopf und schwört sich, dieses oder jenes nie, aber auch wirklich nie mitzumachen. Bis man dann doch von der Trendwelle umspült wird und schwach zu werden droht.

Lehnen Sie sich jetzt aber erst mal zurück, und werfen Sie einen entspannten Blick auf die Vorhersagen der grössten Trends. Tatsächliches Eintreten und 100-prozentige Ernsthaftigkeit nicht garantiert.

Das grosse Ganze

Bewusst, aber unbeschwert leben – das ist 2014 das grosse Thema in allen Lifestyle-Bereichen. Möbel, Kleider, Essen – ganz einfach alle Konsumgüter – werden mit Bedacht gewählt und genossen. Verzicht ist ein Fremdwort. Grosse Marken und Namen reichen als Statussymbole auch in diesem Jahr nicht mehr. Die wahre Währung auf der Jagd nach der ersehnten Individualität sind Kreativität und Zeit. Will heissen: Das liebevoll aufgearbeitete Möbel vom Flohmarkt gewinnt gegen das Designsofa, der Nischendesigner gegen das grosse Modehaus, das Hausbrot der Biobäckerei aus der Nachbarschaft gegen den vom Grossverteiler befeuerten Food-Trend.

Wer 2014 in sein will, muss investieren, und zwar vor allem das kostbarste aller Güter: Zeit. Entweder, weil man selber Hand anlegt und kocht, zimmert oder schneidert, oder dann, weil man endlos das Internet durchforstet. Denn Blogger sind mehr denn je die Könige und Propheten coolen Stils – da darf man keine Post verschlafen.

Mode (Sie)

Die Damenmode 2014 wird auf erfrischende Weise «laut» und selbstbewusst. Metalleffekte, leuchtende Farben, grosse Muster, aufwendige Applikationen. Die Devise dabei lautet: viel – und zwar gern von allem. Die Designer scheinen es heuer mit dem oft zitierten «anything goes – alles ist möglich» tatsächlich ernst zu meinen. Eine Einladung zum Spielen, die Trendbewusste mit Handkuss aufnehmen. Die Herausforderung wird weniger darin liegen, ein modisches Statement zu machen und trotzdem nicht auszusehen wie ein explodierter Pfau. Am besten fährt man, wenn man 2014 als modisches Narrenjahr betrachtet. Es kommen tolle Saisons, um mal wieder etwas Neues zu wagen und zu experimentieren. Stösst ein Look in Ihrem Umfeld nicht auf Gegenliebe, murmeln Sie etwas von einem belgischen Designer – Sie dürfen auch gern spontan einen sperrigen Namen erfinden –, der kurz vor dem Durchbruch steht und Ihren Look genau so auch schon gezeigt hat.

Mode (Er)

Wenn man die Herrenmoden 2014 in einem Satz beschreiben müsste, käme wohl so etwas wie «Ein Hippster fährt nach Hollywood» raus. Schmale Schnitte mit engen Jackets und Hosen bleiben in (zu den Bärten kommen wir noch). Überhaupt versucht der trendbewusste Herr, eine schon fast provokative modische Unbeteiligtheit an den Tag zu legen, die eben wahnsinnig angesagt ist. Wohl dem, dessen Barthaar rot spriesst, weil das so schön mit den angesagten Pastelltönen kontrastiert. Prints sind auch bei den Herren ein Thema. Karos bleiben ein Dauerbrenner, wer klotzen statt kleckern möchte, setzt auf Dschungeldrucke und Blumenmuster. Wem das zu viel modisches Risiko ist, der setzt mit liebevoll arrangierten Details Akzente, wie bunten Socken, einem Poschettli oder hochgekrempelten Hosen. Bei aller Abgedrehtheit soll der Look aufgeräumt bleiben. Eben die berühmte Hippster-Mischung von schräg und bieder.

Essen

Vegetarismus war gestern. Wer im neuen Jahr kulinarisch etwas auf sich hält, zelebriert und propagiert einen wohldosierten Fleischverzicht («Fleisch kommt mir höchstens einmal pro Woche auf den Tisch – dann aber was richtig Gutes»). Das kommt frischer und freigeistiger rüber als das Vegetariertum, an das sich langsam alle gewöhnt haben. Wer schon seit Jahren fleischlos lebt, flirtet dafür mit dem Veganismus: Tierische Produkte werden ganz aus der Küche verbannt – was dem Freundeskreis dann ungefragt mitgeteilt wird. Veganes Leben ist nicht nur chic, ethisch und ökologisch, es unterstreicht auch, dass man es sich leisten kann, endlos nach exotischen Produkten zu suchen. (Oder wissen Sie aus dem Stegreif, wo Sie Tempeh, Agar Agar und Kuzu herbekommen?) Es demonstriert auch finanzielle Unabhängigkeit («Beim Essen sparen wir einfach nicht!»), ohne zu protzen.

Beauty (Sie)

Kosmetik-Fans dürfen sich herzhaft auf 2014 freuen. Die Make-up-Artisten haben Looks kreiert, die neben der extravaganten Mode schmeicheln, aber nicht überborden. Metallisch glänzende Akzente auf Augen, Lippen, Wangen und sogar Augenbrauen, kunstvoll geschwungene Eyeliner und mutig eingesetzte Violett- und Orangetöne. Was paradiesisch und offensiv klingt, ist stets mit viel Raffinesse geschminkt. Das heisst auch, dass das Nachschminken in diesem Jahr eine gewisse Fertigkeit verlangt. Wer die innere Visagistin noch nicht entdeckt hat, hält sich an folgende Trends: frostigen, winterweissen Lidschatten, der durchscheinend übers ganze Lid aufgetragen wird, und orangen Lippenstift, der Trendfarbe für Lippen schlechthin. Am besten aber hängt man sich an die Lippen einer Youtube-Kosmetik-Bloggerin und schminkt nach, was dort Schritt für Schritt in körniger Auflösung gezeigt wird.

Beauty (Er)

Sie dürfen aufatmen, liebe Leser: Männer dürfen die Teilnahme am Schminkzirkus nach wie vor komplett verweigern. Brennender ist ohnehin die Frage, wer der würdige Nachfolger des Hippster-Bartes sein wird. Denn der ist mittlerweile derart salonfähig geworden, dass echte Trendsetter wohl schon bald wieder schweren Herzens zum Nassrasierer greifen. Wobei – die Damenwelt scheint dem neuen Bart ja durchaus zugetan zu sein. Die Chancen stehen also gut, dass er uns noch eine Weile erhalten bleibt. Furchtvoll erwarten darf man hingegen längeres Männerhaupthaar, das zu einem siffigen kleinen Dutt im Nacken zusammengeschwurbelt wird – die Hippster in Berlin und Skandinavien machen es bereits vor. Grässlich. Einfach grässlich. Allerdings – haben wir das damals bei den ersten Zeichen des Bartrevivals nicht auch schon gesagt? Man darf furchtvoll gespannt sein.

Wohnen

Regelmässig durch Flohmärkte und hochklassige Möbelläden zu flanieren, reicht nicht mehr. Denn Einrichten als ausgewachsenes, eigenständiges Hobby boomt. Dazu gehört stilsicheres Dekorieren, natürlich in saisonal angepassten Motiven. Die goldene Regel, dass zu Hause ein wohlbalancierter Mix aus Altem und Neuem stehen soll, ist nach wie vor Trumpf. Die durch die Hippster kultivierte Selbstversorgung zeigt jetzt auch im Wohnbereich Niederschlag. Besonders cool ist nämlich, wer beim Wohnungsrundgang auf selber gezimmerte oder mindestens selber aufgepeppte Möbel verweisen kann: Die Kommode mit in Heimarbeit lackierten Schubladen und individuellen Griffen, der selbst gepolsterte antike Sessel, der in Eigenregie gezimmerte Holztisch. So veränderte Möbel unterstreichen nicht nur die auch 2014 ach so wichtige Individualität. Sie zeigen auch, dass man offensichtlich à gogo vom Luxusgut hat, das sich alle wünschen: Zeit.