STIMMEN-FESTIVAL ETTISWIL: Internationale Überraschungen am Stimmen-Festival

Das Stimmen-Festival Ettiswil lockt mit einem frischen und attraktiven Programm, für das erstmals Sabrina Troxler und Adi Rohner verantwortlich zeichnen. Wie haben das die beiden Musiker angepackt?

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Machen für Ettiswil extra einen Umweg: The Wood Brothers aus den USA. (Bild: PD)

Machen für Ettiswil extra einen Umweg: The Wood Brothers aus den USA. (Bild: PD)

Ihr seid das neue Programm-Duo. Was habt ihr euch für das erste Jahr vorgenommen?

Sabrina Troxler: Wir möchten Künstler präsentieren, die uns qualitativ überzeugen und die man sonst in der Schweiz nicht so hören kann. Der Exklusiv-Charakter soll stärker werden. Das gilt auch für den Pop-Abend, wo dieses Jahr The Wood Brothers aus den USA auftreten. Wir möchten, dass die Musik qualitativ hochwertig ist, aber dennoch eine Zugänglichkeit für das Publikum hat. Das ist uns wichtig.

Adi Rohner: Nach dem 10-Jahr-Jubiläum letztes Jahr, bei dem viele Schweizer Künstler mitgewirkt haben, wollten die Verantwortlichen den Fokus wieder etwas öffnen. So haben wir dieses Jahr vermehrt auch internationale Formationen eingeladen, die zum Stimmen-Festival passen. Aber wir haben auch tolle Überraschungen aus der Schweiz.

Wie seid ihr bei der Auswahl vorgegangen?

Troxler:Wir hören viel Musik, diskutieren, haben unsere Vorlieben. Zuvor gab es eine Programmgruppe mit drei Personen, die nach relativ genauen Vorgaben die Acts aussuchten. Zu zweit sind wir viel flexibler, zumal wir ja auch privat zusammenleben. So lässt sich viel schneller reagieren, wenn etwas ausfällt oder einzelne Programmpunkte verschoben werden ­müssen.

Wenn ihr auf die letzten Jahre von «Stimmen» zurückblickt: Wie hat sich das Festival entwickelt?

Troxler:Vor dem Stimmen-Festival gab es die Musikwochen Ettiswil, die 30 Jahre lang durchgeführt wurden und einen exzellenten Namen hatten. Dann wurde versucht, mit dem Stimmen-Festival etwas Neues aufzugleisen, das stilistisch etwas offener war.

Rohner:Seitdem hat es in einer stetigen Entwicklung an Bekanntheit gewonnen. Die Jubiläumsausgabe letztes Jahr war sehr erfolgreich. Das Festival wird geschätzt, es gibt ein Stammpublikum.

Ihr seid selber als Musiker tätig, etwa in der Band Franky Silence & Ghost Orchestra. Was hat diese Nähe zur aktiven Musik für einen Einfluss auf die Programmierung?

Rohner: (lacht) Als Bassist habe ich dafür gesorgt, dass wir interessante Bassisten im Programm haben. Im Ernst: Es freut mich natürlich, dass mit Larry Grenadier oder Chris Wood zwei wirklich hochkarätige Bassisten nach Ettiswil kommen. Im Zentrum stehen aber die Stimmen, das ist der Hauptgedanke. Da hat unser persönlicher Geschmack als Musiker sicher einen grossen Einfluss.

Troxler:Weit mehr als von einem bestimmten Stil lasse ich mich bei der Beurteilung von Musik, gerade als Sängerin, von der Stimme leiten. Wenn mich eine Stimme überzeugt und berührt, egal in welchem Stil, ist der Fall klar, dann kommt sie in Frage. Wir kennen natürlich viele Musiker, die selber ihre musikalischen Entdeckungen machen und uns Tipps geben oder spannende Ideen haben.

Ihr habt ein paar verblüffende Acts buchen können. Da ist der neuseeländische Sänger und Gitarrist Paul Ubana Jones. Wie habt ihr diesen Musiker entdeckt?

Rohner: Durch Zufall. Wir haben eine Kollegin bei einer Booking-Agentur. Wir beherbergten letzten Sommer eine ihrer Bands, die am Blue Balls gespielt hatten. Aufgrund dieses Kontaktes konsultierten wir ihre Homepage und stiessen dort auf Paul Ubana Jones, den wir vorher nicht gekannt hatten. Er überzeugte uns sofort.

Mit The Wood Brothers holt ihr eine der angesagtesten Americana-Formationen aus den USA nach Ettiswil. Wie kam das?

Rohner: Ich habe die Band seit ihren Anfängen mitverfolgt. Sie gehört zu meinen Favoriten. Ich habe einfach mal angefragt, und siehe da: Es klappte. Die Band hat sogar extra ihre Europa-Tour etwas angepasst, um nach Ettiswil zu kommen. Jetzt spielen sie bei uns exklusiv in der Schweiz.

Ein bekannter Name ist auch die Jazzsängerin Susanne Abbuehl. Warum passt sie nach Ettiswil?

Troxler: Sie hat eine berührende Stimme. Ihre Musik ist fein und sphärisch. Sie wird mit ihrer Band in der Kirche auftreten. Bisher waren dort eher Chöre und klassische Gesangsensembles zu hören. Aber wir finden, dass der kammermusikalische Charakter von Abbuehls Musik in diesem Raum sehr gut zur Geltung kommen wird.

Was gefällt euch an der Jodlerin Nadja Räss?

Rohner:Wir wollten zur Eröffnung mit einem Themenabend den schweizerischen Urgesang vorstellen. Nadja Räss hat sich stark damit auseinandergesetzt. Sie ist keine traditionelle Jodlerin, aber der Tradition sehr verbunden.

Troxler:Nadja Räss wird durch den Abend führen und mit ihren Gästen die verschiedensten Facetten des Schweizer Jodels näher vorstellen. Ich habe einmal einen Kurs bei ihr gemacht und hatte danach das Gefühl: Was sie so wunderbar erzählt, das müssten einfach alle wissen. Wir kennen unsere Traditionen in der Regel viel zu wenig. Das wird sicher ein spannender Abend.

Was macht die besondere Atmosphäre des Stimmen-Festivals Ettiswil aus?

Rohner: Die Nähe zu den Künstlern an den Konzerten und die verschiedenen Lokalitäten. Das Gasthaus Jlge, das noch eine richtige Dorfbeiz ist! Unten kann man währschaft und gut essen, mit riesigen Fleischportionen, oben im Saal wird musiziert. Dieser Kontrast ist einfach einzigartig und sorgt für eine besondere Stimmung. Andererseits gibt es auch Konzerte im Schloss Wyher, in der Kirche und im Egghuus, wo die Atmosphäre wieder ganz anders ist.

Ihr habt lange in Luzern gewohnt und seid vor zwei Jahren aufs Land gezogen, nach Wauwil. Hat es euch in der Stadt nicht mehr gefallen?

Troxler:Wir lebten gerne in der Stadt, aber es war immer klar, dass wir einmal ländlicher wohnen wollten. In unserer Familie ist unerwartet ein Haus frei geworden. Diese Chance haben wir gepackt. Wir haben jetzt einen grossen Garten. Den untersten Stock konnten wir zu unserem Probelokal umfunktionieren.

Ist euer neuer Wohnort auch für das Musikmachen inspirierend?

Troxler:Sehr! Wir können hier Musik machen, wann wir wollen. Auch die Umgebung ist inspirierend.

Rohner:Der Blick geht weiter als in der Stadt. Das Moos ist nah, wo man spazieren und gut denken kann. Die Stadt ist immer noch wichtig. Durch die gelegentlichen Besuche kann ich sie aber viel mehr geniessen als vorher.

Pirmin Bossart

Vier Tage lang nationale und internationale Stimmen aus Pop, Jazz und Klassik

Donnerstag
19.30 Gasthaus Jlge: Themenabend «Jodel» mit Nadja Räss und Gästen: Natur pur, Doppelquartett Pfiifestier, Arlette Wismer & Doris Erdin

Freitag
18.00 Stimmfenster – Egghuus: Goldbarne (Gratiseintritt)
19.00 Gasthaus Jlge: Rebecca Martin und Larry Grenadier – Vocal-Jazz-Duo aus New York
21.00 Gasthaus Jlge: WeBe3 – Vokaltrio

Samstag
14.00 Gasthaus Jlge: Pfote mampft Quark – Kinderkonzert
17.30 Stimmfenster – Egghuus: The Konincks (Gratiseintritt)
18.30 Gasthaus Jlge: Paul Ubana Jones (Titelbild: Reuben Stuart/PD) – Singer-Songwriter aus Neuseeland
21.00 Gasthaus Jlge: The Wood Brothers – Americana aus den USA

Sonntag
10.00 Schloss Wyher: Kilian Ziegler und Samuel Blatter (ausverkauft)
13.00 Schloss Wyher: Zarin Moll – vokalstarkes Frauentrio
17.00 Pfarrkirche: Susanne Abbuehl – Schweizer Jazzsängerin mit Band.

red

Donnerstag, 28., bis Sonntag, 31. Mai
Ettiswil, verschiedene Lokale;
VV: www.stimmen-festival.ch

Susanne Abbuehl. (Bild: PD)

Susanne Abbuehl. (Bild: PD)