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STIMMEN-FESTIVAL ETTISWIL: Nah an den Stimmen – mitten im Wohnzimmer

Mit 19 Konzerten ist das diesjährige Stimmen-Festival Ettiswil so dicht befrachtet wie noch nie. Denn: Zum Auftakt finden acht Konzerte gleichzeitig in verschiedenen Wohnzimmern in Ettiswil und Umgebung statt.
Spielen im Wohnzimmer: Frank. (Bild: PD)

Spielen im Wohnzimmer: Frank. (Bild: PD)

Sabrina Rohner-Troxler trug die Idee schon länger mit sich herum: Warum die Musik nicht noch näher zu den Menschen bringen und einzelne Festival-Konzerte im privaten Rahmen bei Leuten zu Hause veranstalten? Letztes Jahr wurde das Publikum am Stimmen-Festival auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Das Interesse war gross. «Es haben sich erstaunlich viele Leute gemeldet, die es sich vorstellen konnten, bei sich zu Hause im Wohnzimmer ein kleines Konzert durchführen zu lassen.»

Die Idee kam nicht von ungefähr: Sabrina und Adi Rohner-Troxler, die zum vierten Mal gemeinsam das Stimmen-Festival programmieren, sind selber Musiker und kennen Wohnzimmer-Konzerte aus eigener Erfahrung. «Ob in Wien, St. Gallen oder Bern: Mit unserer Band Franky Silence and Ghost Orchestra haben wir das immer sehr positiv erlebt», sagt Sabrina. Das Publikum ist extrem nah und aufmerksam, «das schafft eine intensive Präsenz». Dazu kommen der persönliche Kontakt zu den Gastgebern und ­deren Herzlichkeit.

Intimität

«Das Schöne bei den Wohnzimmer-Konzerten ist auch, dass die herkömmlichen Schranken oder Abstufungen zwischen Künstlern und Publikum aufgehoben sind», sagt Adi Rohner-Troxler. Für ihn sind solche Konzerte «back to the roots». Das geht bis in jene frühen Zeiten zurück, als man im kleinen Kreis um einen Lautenspieler oder ein Ensemble sass und zuhörte. «An solch intimen Konzerten sind gute Begegnungen möglich, man kann etwas trinken und miteinander plaudern, es ist alles unkompliziert.»

Adi erinnert sich an einen speziellen Abend in Wien: «Nach dem Konzert sind alle noch zusammengesessen und haben Mani-Matter-Lieder gesungen. Es war grossartig.» Wohnzimmer-Konzerte sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Es gibt verschiedene Plattformen (z. B. sofaconcerts.org), wo sich Band und private Veranstalter anmelden können. Die Nische ist bei Musikern beliebt, da sie es oft schwer haben, im normalen Veranstaltungsbetrieb unterzukommen. Stattdessen unternehmen viele von ihnen eigentliche «Wohnzimmer-Tourneen».

Für das Stimmen-Festival haben Sabrina und Adi Rohner-Troxler acht Gastgeber ausgewählt und ihnen je eine kleine Formation zugeteilt. Es sind alles Bands, die akustisch spielen und damit zu keinen nachbarschaftlichen Reklamationen führen dürften. Auch der technische Aufwand hält sich in Grenzen. Zu den Wohnzimmer-Bands gehören etwa Trummer & Nadja Stoller (ausverkauft), das Trio Frank mit Stefan Christen, Peter Estermann und Gregor Heini, ­Lärchenharz mit der Sängerin Despina Corazza oder der Singer-Songwriter Tobias Carshey. Eine Kostbarkeit ist das Duo mit der Sopranistin Evelyn Tubb und dem Lautenspieler Michael Fields, die alte Musik interpretieren.

Auftaktsakzent

«Am Eröffnungsabend des Festivals haben wir mit ausgewählten Themen oder Konzepten schon immer etwas Besonderes gemacht», sagt Sabrina. Nun sind es die Wohnzimmer-Konzerte, die den Auftaktsakzent setzen. Je zwei finden in Ettiswil, Grosswangen und Willisau statt, je eines in Nebikon und in Wauwil. Überall haben rund 40 Personen Platz. Die übliche Konzertbestuhlung fehlt, es ist alles ein bisschen improvisierter und gemütlicher.

Auch die Gastgeber haben ein kleines Pflichtenheft. Sie bereiten für die Band ein Essen zu und achten darauf, dass sie nicht zu viele Bekannte und Freunde einladen, sondern eine bestimmte Anzahl von Plätzen frei halten, damit auch «normale» Festivalbesucher noch ein Ticket kaufen können.

Pirmin Bossart

Die Stimmenvielfalt von Ettiswil

Das 14. Stimmen-Festival Ettiswil hält Highlights bereit, die nicht an «big names» gebunden sind, sondern entdeckt werden können. «Wir haben nichts dagegen, wenn sich das Publikum überraschen lassen kann», lächelt Adi Rohner-Troxler. Im Zentrum steht weiterhin die Stimme mit all ihrer Vielfalt.

Da ist die britische Sängerin ALA.NI, mit einer Stimme «irgendwo zwischen Judy Garland und Julee Cruise» («The Guardian»). Sie eröffnet den Freitag im Gasthaus Ilge. Auf sie folgt Blue Moon Marquee, ein Gypsy-Swing-Duo aus Kanada. Sänger A. W. Cardinal hat eine raue Stimme und spielt Gitarre. Auch Kontrabassistin Jasmine Colette singt und bedient mit Pedalen noch ein Schlagzeug.

Gesangliche Höhepunkte setzen am Samstag gleich drei Hauptkonzerte: Das Pop-Folk-Duo Lola Marsh kommt aus Tel Aviv. «Die Sängerin hat eine Stimme wie Lana del Rey», sagt Sabrina Rohner-Troxler. Dann folgt mit Ben Caplan ein charismatischer Sänger aus Kanada, der gleich zu fünft und mit einem bunten Instrumentarium aus Banjo, Keyboards, Akkordeon, Klarinette, Flöte und Schlagzeug anreist. Den Abend beschliesst Gaby Moreno aus Gua­temala. Sie ist von Blues, Soul und Jazz beeinflusst und tourte schon mit Tracy Chapman, Ani DiFranco und Calexico. Im Jahr 2013 erhielt sie den Latin Grammy Award als beste Nachwuchs­künstlerin.

«Bündner Tag»

Ein eigentlicher «Bündner Tag» findet am Sonntag im Schloss Wyher statt. Zunächst tritt der Schriftsteller Arno Camenisch mit dem Gitarristen Roman Nowka auf, dann folgt ein folkig-sphärisches Pop-Konzert mit Ursina und ihrer gut besetzten Band.

Zu den Eckpunkten gehören auch dieses Jahr das Stimmfenster, das Familienkonzert sowie das Abschlusskonzert in der Kirche. Letzteres wird vom international bekannten Calmus Ensemble aus Leipzig bestritten. Die Gratiskonzerte vom Stimmfenster sind eine Plattform für Künstler und Künstlerinnen, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Dieses Jahr dabei sind das Trio Siselabonga mit seinem jazzig angehauchten World-Singer-Songwriter-Pop sowie das Duo ­Nobody Reads mit der grandios intonierenden kanadischen Sängerin Sarah Reid.

Familientag

Im Mittelpunkt des Familienkonzerts am Samstagnachmittag steht die Formation Nepomuk, ein musikalisch-theatralisches Trio um den Theatersport-Schauspieler Reto Bernhard. Die drei Künstler entwickeln zusammen mit dem Publikum (Kinder und Erwachsene) eine Geschichte mit Liedern. Das Publikum kann die Elemente und die Richtung der Geschichte bestimmen. Alles andere wird der Improvisation der drei Profis überlassen und dem Gaudi der Zuschauer. Am Vormittag können die Kinder einen Workshop besuchen, wo sie spielerisch mit dem Improvisieren in Berührung kommen.pb

Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. Mai: Stimmen-Festival Ettiswil. Vorverkauf und weitere Informationen finden Sie aufwww.stimmen-festival.ch<span style="font-size: 1em;">.</span>

Lärchenharz (Bild: PD)

Lärchenharz (Bild: PD)

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