STRINGS: «Ich vertraue ganz auf meine Geige»

Daniel Hope gibt den Festival Strings Lucerne spannende Zukunftsperspek­tiven. Der Geiger äussert sich dazu vor seinem ersten Auftritt als Principal Guest Artist.

Urs Mattenberger
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Daniel Hope (rechts) bei einem Konzert mit Daniel Dodds (links) und den Festival Strings vor einem Jahr im KKL. (Bild: Bildarchiv Neue LZ)

Daniel Hope (rechts) bei einem Konzert mit Daniel Dodds (links) und den Festival Strings vor einem Jahr im KKL. (Bild: Bildarchiv Neue LZ)

Der Engländer Daniel Hope (38) hat sich in einem breiten Stilspektrum vom Barock bis zu Moderne und Crossover (mit Sting) profiliert und gehört damit zu den wichtigsten Geigern seiner Generation. Er vermittelt Musik aber auch vielfältig durch sein Engagement für soziale Institutionen, Bücher, die humorvoll Einblicke in den Musikbetrieb geben, oder als TV-Moderator. Seit diesem Jahr ist Hope «Principal Guest Artist» der Festival Strings Lucerne.

Daniel Hope, Ihre vielfältigen Tätigkeiten weisen Sie als lockeren Kommunikator aus. Aber in Konzerten ist davon wenig zu sehen. Kann man diese Lockerheit nicht ins traditionelle Konzertritual hineinbringen?

Daniel Hope: Ich denke, wenn man als Musiker auf der Bühne spielt, kann man das schon auch vermitteln, aber am besten geht das über die Musik selber. Jeder Mensch hat ja seine bestimmte Art, zu kommunizieren. Das gilt auch für Musiker auf der Bühne. Und wenn man da mit tollen Kollegen zusammenspielt, wie ich das jetzt mit Daniel Dodds und den Festival Strings Lucerne tun darf, kann der berühmte Funke rüberspringen. Da ist eine Frische und Spontaneität drin, die auch das Publikum spüren kann.

Inszenieren kann man diese Frische nicht, etwa mit neuen Konzertformaten, nach denen Veranstalter suchen?

Hope: Nein. Freude oder gar Spontaneität kann man nicht inszenieren. Dann wirkt sie künstlich. Wir müssen uns umgekehrt der Musik unterordnen. In ihr selber ist ja all das, die Frische, die Gefühle, die Dramatik, drin.

Trotzdem bieten Sie Einstiegshilfen, wenn Sie als Autor Musikeranekdoten erzählen. Braucht die Klassik vermehrt Einstiegshilfen?

Hope:Ja, in diesem Punkt hat sich die Situation gewandelt. Zu sagen, die Klassik sei in einer Krise, finde ich zwar falsch. Aber weil vielerorts der Musikunterricht und die Vermittlung klassischer Musik zurückgefahren werden, wächst eine Generation heran, die zum Teil überhaupt nie mit klassischer Musik in Berührung kam.

Solche Erstbegegnungen müssen vermehrt die Musiker selber initiieren?

Hope: Ja, und dafür kann man doch auch in den Konzerten selbst Einstiegshilfen bieten. In meinen Konzerten komme ich immer wieder mit Leuten in Kontakt, die erstmals ausprobieren wollten, ob klassische Musik für sie interessant wäre. Neben den Klassikliebhabern ist das heute ein wichtiger Teil des Publikums. Das ist auch ein Grund, weshalb ich praktisch in allen Konzerten den Besuchern etwas erzähle – zu den Stücken oder über mich selbst. Das ist für mich ein selbstverständlicher Teil des Kontakts zum Publikum, der auch beim Spielen das Entscheidende ist.

Wenn Sie Barockmusik spielen, klingt Ihre Geige wie ein Originalklang-Instrument. Wie weit bringen Sie das – jetzt mit konzertanten Werken von Bach – bei den Strings mit ein?

Hope: Ich bin da ganz undogmatisch und experimentiere mit allen möglichen Dingen. Manchmal nehme ich umwickelte Darmsaiten oder verwende einen leichten Barockbogen. Oder ich baue den Klang auf einem reich besetzten Continuo mit vielen Gitarren und Lauten auf. Aber seit ich – seit einem Jahr – eine «Guarneri del Jesu» spiele, vertraue ich auch einfach auf den wunderbaren Klang dieses Instruments. Man kann eben einen barocken Klang auch mit modernen Instrumenten erreichen, so wie die Musik von Bach im Grunde modern geblieben ist. Die berühmte Cembalo-Kadenz im fünften Brandenburgischen Konzert etwa ist in ihrem virtuosen Anspruch bis heute nicht übertroffen. Das ist wie das Doppelkonzert für zwei Violinen oder das a-Moll-Violinkonzert ein zeitloses Meisterwerk.

Das sind auch Vivaldis «Jahreszeiten». Trotzdem haben Sie diese in einer adaptierten Version auf CD aufgenommen. Muss man selbst Meisterwerke einem jungen Publikum auf neue Weise näherbringen?

Hope: Nein. Klar ist Max Richter durch Filmmusiken bekannt geworden, etwa zu Scorseses «Shutter Island», und spricht sicher auch ein jüngeres Publikum an. Aber sein «Vivaldi recomposed» ist darüber hinaus künstlerisch interessant. Richter geht mit der Vorlage sehr respektvoll um, indem er Elemente daraus verwendet und neue hinzufügt. Das ist, wie wenn man ein altes Bild in einem neuen Rahmen und damit eben wie neu präsentiert. Das ist im Grunde genau das, was auch wir als Interpreten versuchen.

Hinweis
Konzert: Samstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, KKL Luzern (Bach, Suk, Dvorák). VV: Tel. 041 226 77 77 Max Richters «Vivaldi recomposed» spielen Hope und die Strings am Lucerne Festival (21. August).