Das neue Programm: Der Südpol thematisiert Übergänge und Grenzen der Wahrnehmung

Am Freitag Abend gab das Kulturzentrum sein Programm für die Saison 2020/2021 bekannt.

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Das Theater Aeternam wird mit dem Stück «They Shoot Horses, Don't They» im Südpol auftreten.

Das Theater Aeternam wird mit dem Stück «They Shoot Horses, Don't They» im Südpol auftreten.

Marco Sieber [fotografie]

are. Natürlich auch geprägt von Schutzmassnahmen gegen Corona stieg gestern Abend im Südpol dessen jährliches Sommerfest. Zwischen einer Vielfalt von künstlerischen Act wurde auch das Programm für die kommende Saison vorgestellt.

Passend zur aktuellen gesellschaftlichen Situation steht dieses Programm unter dem Titel «Transitions». Die Übergänge und Veränderungen sollen sich im zwischenmenschlichen Umgang oder auch in Form von Protesten etwa gegen Rassismus oder zu Gunsten des Klimas zeigen. Das Kulturzentrum Südpol will, so heisst es in einer Mitteilung, die Grenzen unserer Wahrnehmung herausfordern und diese Übergänge künstlerisch lebendig werden lassen.

Maya Rochat zeigt ab September im Südpol ihre Installation.

Maya Rochat zeigt ab September im Südpol ihre Installation.

Bild: PD

Ein Highlight sei das neu ins Leben gerufene Festival «Eyes On», das vom 15. bis 24. September ein breites Spektrum an interdisziplinären Projekten aus Tanz, Theater, Performance, Musik und bildender Kunst präsentieren wird. Ab September wird man zudem in der Shedhalle in die Installation von Maya Rochat eintauchen können, deren Bildsprache die Demokratisierung von Kunst befrage.

In den Sparten Tanz/Theater/Performance sollen Projekte von lokalen und nationalen Künstlern wie Theater Aeternam, Simon Senn, Irina Lorez, Nicole Seiler, Kompanie Affenherz, Ultra, Cosima Grand oder Kollektiv leerraum.offen das Publikum neugierig machen.

Festival der Sprache – Festival des Wissens

Frische Klänge und auffallende Konstellationen will man im Musikbereich bieten: Bands wie Schnellertollermeier oder Nouvelle Vague werden neue Songs bieten, derweil die tuwinische Band Huun-Huur-Tu mit geheimnisvollen Kehlkopf- und Obertongesang zu Gehör bringt. Und im Club des Südpols soll ein junges Publikum Sounds aus Techno/House sowie Urban/Hip-Hop geniessen können.

Den steten Wandel von Sprache und Wissen thematisieren auch nächste Saison das «woerdz – spoken word Festival» (21.–24. Oktober 2020) sowie das «aha – ein Festival für Wissen» (29/30. Januar 2021).

Als Haus der Freien Szene will der Südpol auch Projekte zu unterstützen, die sich an neue Arbeitsweisen, Umsetzungen, Thematiken und Formate wagen. Man zeige auch performative, offene und prozesshafte Projekte, die konzeptuell stark sind und den Südpol mit seinen Räumen und Umgebungen mitdenken. Daher seien auch raumspezifische Arbeiten, Installationen, Interventionen, Laboratorien, Residenzen gleichwertige Teil des Programms. Die Projekte sollen auch eine Arbeitskultur nach aussen tragen, die den respektvollen Umgang pflege und sich gegen hierarchische Strukturen, autoritären Systemen und Angstregimen wende.

Das gesamte Programm ab 27. Juni zu sehen auf: www.sudpol.ch

Einen ersten Einblick in das Programm gibt der Trailer: https://youtu.be/xrcbkoJsbLU

Im Folgenden das Programm aus der Pressemitteilung des Südpols:

Festivals

Eyes On
Festival
Augen auf für ein neues Festival, welches die Zentralschweiz strahlen lässt.
Vom 15. bis 24. September 2020 findet zum ersten Mal das interdisziplinäre Festival «Eyes On» statt, welches vom Künstlerischen Gremium des Südpols kuratiert und organisiert wird. Eyes on steht für ein dichtes Programm und eine vielfältige Palette zeitgenössischer performativer und darstellender Kunst und Musik. Experimentelle und mutige Arbeiten der lokalen und nationalen Tanz-, Theater-, Performance- und Musikszene stehen im Zentrum des Festivals, die Lust machen, sich spontan in aktuelle Themen verwickeln zu lassen. Intensive zehn Tage zeigen dem Publikum spannende lokale, nationale und internationale Arbeiten, bei denen man sich von der Euphorie eines Festivals anstecken lassen kann. Das Festival bietet einen Rahmen, auf Neues und Ungewohntes zu stossen, auf etwas, das einen inspiriert und den Alltag in den Hintergrund rückt. Der einzigartige Moment, das Geschehen im Jetzt, die Liveerfahrung machen das Festival besonders – sei es während einer Performance vom Theater Aeternam oder Ernestyna Orlowska, in einem ruhigen Moment an der Bar beim Betrachten der Installation von Maya Rochat, im Gespräch mit anderen Besucher*innen oder während des Tanzens zum Konzert von Erika de Casier. Das Publikum erwartet eine Vielfalt an performativen Projekten aus den Sparten Musik, Theater, Tanz, Performance, Bildende Kunst und Clubkultur. Gerahmt wird das Festival mit Workshops, Gesprächen, Essen und Trinken und einem Angebot für Professionals.
Tickets für die einzelnen Veranstaltungen können hier erworben werden. Zudem gibt es einen Festivalpass für CHF 60 für alle Veranstaltungen.
15. bis 24. September 2020


woerdz
Spoken Word Festival

woerdz ist ein Stelldichein der bekanntesten Köpfe der Spoken Word Szene und setzt dank Werkaufträgen, Workshops, Premieren von neuen Bühnenprogrammen und Angeboten in der Vernetzung und Vermittlung Impulse für die Weiterentwicklung dieser Kunstform. woerdz bietet eine stilistische Vielfalt innerhalb des Spoken Word auf mehreren Bühnen mit regionalen, nationalen und internationalen Künstler*innen.
22.-24. Oktober 2020


aha
Ein Festival für Wissen

aha ist ein Happening für Wissenschaft in Luzern. Ein Festival, das Forschung und Wissen vermittelt. aha ist kein Kongress. Das Festival richtet sich an neugierige Köpfe, die nach kompetenten Antworten auf aktuelle und brennende Fragen aus Gesellschaft und Politik suchen. Die Fragen wurden von einem Kuratorium formuliert und für Programm des Festivals zusammengestellt. Forscherinnen und Experten aus dem In- und Ausland beantworten sie auf den Bühnen des Kulturzentrums Südpol in Luzern.
29/30. Januar 2021

Tanz/Theater/Performance

Maya Rochat: Matter Matters
Nationale Koproduktion, Bildende Kunst & Performance
Maya Rochat verbindet Fotografie, Malerei und Projektionen zu ortsspezifischen Installationen, die durch ihre mehrschichtige und farbintensive Bildsprache zur Kontemplation einladen. Die Künstlerin aus Lausanne lässt sich von architektonischen Möglichkeiten und der Energie, die Räume besitzen, inspirieren und erschafft grossflächige Drucke, Banner und Projektionen. Im Rahmen eines Live-Auftritts – begleitet von der Musikerin Julie Semoroz – verwandelt Rochat am 24. September die Räume des Südpols und lässt die Besucher*innen eintauchen in ein farbenfrohes, sich ständig veränderndes Seh- und Hörerlebnis. Rochats Arbeiten spielen dabei mit dem Begriff der Umwelt, da die Künstlerin für ihre Installationen mit Recyclingmaterial arbeitet. Wiederverwendung, Aufrüstung, Kontamination und Mutation sind nur einige der Themen, die ihre visuelle Sprache aufwirft, die mit ihrer Vielschichtigkeit zur Sensibilisierung aktueller ökologischer, sozialer und ethischer Fragen beiträgt.
Maya Rochat ist mit ihrer Kunst mittlerweile international bekannt. So konnte sie ihre Werke unter anderem im Tate Modern in London, im Cité Internationale des Arts in Paris, im Palais in Tokyo, im Kunsthaus Langenthal, im Centre d'art Contemporain in Genf und im Fotomuseum Winterthur ausstellen. Zudem wurde Rochat mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Prix Mobilière 2019 und der Pro Helvetia Prix de la révèle photographique.

Performance 24. September 2020

Installation September 2020 – Juni 2021

Theater Aeternam: They Shoot Horses, Don’t They?

Lokale Koproduktion, Theater

Willkommen beim Tanzmarathon. Hier wird getanzt um Geld und etwas Selbstwert. Hier wird so lange getanzt, bis sich nur noch ein einziges, letztes Tanzpaar auf den Beinen halten kann. Seien Sie live dabei beim atemlosen Reality-Spektakel, wie es Horace McCoy in seinem Roman «They Shoot Horses, Don't They?» entworfen und wie es das Theater Aeternam nun auf die Bühne gebracht hat. Schauen Sie rein in diesen höllischen und höllisch gut klingenden Trip an die Ränder der Leistungsgesellschaft, dahin, wo prekäre Existenzen noch einmal alles geben, bevor sie dem Arbeitsmarkt für immer vom Karren fallen. Amüsieren auch Sie sich in diesem grossen Gaudi der Grausamkeit. Fiebern Sie mit bei diesem Schaukampf der Human Resources, in den sich die Menschen des 21. Jahrhunderts mit all ihren Träumen stürzen, mit ihren Hoffnungen und mit ihrem beeindruckenden Leistungswillen.

Das Theater Aeternam ist seit 25 Jahren eine freie Theatergruppe in Luzern. Sie hat seit der Gründung in jedem Jahr eine Produktion auf die Bühne gebracht, in der Regel auf der Basis von Texten zeitgenössischer Autorinnen und Autoren. 2009 wurde das Theater Aeternam mit dem Anerkennungspreis der Stadt Luzern ausgezeichnet.

15.-22. September 2020

Fréquence Moteur: Frau Troffea

Gastspiel
1518 fand in Straßburg eine Tanzepidemie von außerordentlichem Ausmass statt. Es wird angenommen, dass eine Frau, Frau Troffea, die Quelle dieser besorgniserregenden Ansteckung ist. Schuldig für die einen, Opfer für die anderen, steht Frau Troffea am Scheideweg von Moral und Wissenschaft, von Mittelalter und Renaissance, von Unterdrückung und Ungehorsam.

Valentine Paley und Matthew Franklin befreien sie von den Vorwürfen des Wahnsinns oder der Hexerei, für die sie ihr die Schuld geben wollten, und machen Frau Troffea zum Schoß einer Allegorie: die der sich bewegenden Körper, die sich auf der Straße oder in ihren Zimmern von den Mächten, die sie einschränken, losreißen. Durch Tanz, Musik und Szenografie wird die Geschichte der positiven Kontamination neu geschrieben. Die Karten der Choremanie werden neu verteilt: Die "tanzende Pest" ist kein Fluch mehr, sondern wird zur Gelegenheit, andere Stimmen, andere Körper und andere Bilder entstehen zu lassen.

21./22. September 2020

Simon Senn: Be Arielle F.
Nationale Koproduktion, Theater
Der in Genf lebende Bildende Künstler und Videokünstler Simon Senn kauft online eine digitale Replik eines weiblichen Körpers und schlüpft dank Virtual Reality in diesen hinein. Neugierig darauf, wer die reale Frau hinter dem virtuellen Körper ist, macht er sich auf die Suche nach ihr. Auf der Bühne stellt er diese beunruhigende Erfahrung nach. Nach dem Herunterladen der Replik, einer detaillierten und sichtbar originalgetreuen Wiedergabe, animiert Senn den virtuellen Körper mit Sensoren. Plötzlich ist der Videokünstler «im» Körper einer Frau – zumindest durch seine 3D-Brille. Die Erfahrung ist erdrückend. Wer ist diese Frau? Kann er dieses digitale Gebilde dazu bringen, das zu tun, was er will? Und eröffnet diese virtuelle Form nicht eine neue und angenehme Sinnlichkeit? Es gelingt ihm, die junge Frau zu finden, und er beginnt einen Dialog mit ihr, der bis heute andauert, indem sie gemeinsam diesen dritten digitalen Körper befragen, der zwischen den beiden existiert. Nur das Original zu befragen, reicht dem Performer nicht. Er sucht den Kontakt zu einer Psychologin, um diesem Fehler im System auf den Grund zu gehen – Und sieht sich plötzlich mit der Wahrnehmungsstörung «Snapchat Dysmorphie» konfrontiert, bei welcher Patient*innen ihrem Online-Image nacheifern. Doch was, wenn das Online-Image nicht ein optimiertes Selbstbild, sondern eine komplett andere Person ist? Simon Senn wendet sich an einen Anwalt, um herauszufinden, was er seinem virtuellen Körper auf legale Weise zumuten kann. Eine abschliessende Antwort erhält er vom Spezialisten nicht, da die Realität den Gesetzen vorauseilt. In einem theatralischen Vortrag, der zugleich Demonstration und Bekenntnis ist, zeigt Simon Senn auf, wie virtuell und real keine Gegensätze sind und enthüllt das unerwartete Zusammenspiel von Psychologie, Gender, Image, Sinnlichkeit, Technik und Recht.
Simon Senn wurde 1986 geboren und lebt in Genf. Er erwarb den Bachelor of Fine Arts an der Genfer Universität für Kunst und Design und den Masterabschluss am Goldsmiths College in London. Seine Videos und Installationen basieren oft auf der Realität, die aber mit Fiktion vermischt wird. Mit seiner ersten Bühnenperformance «Be Arielle F.» erhielt er 2019 den zweiten Performing Arts Incentive Premio. Die Virtual-Reality-Version des Stücks ist in der Ausstellung «ReGeneration 4» im Lausanner Musée de l'Élysée präsentiert.
18./19. September

Irina Lorez: Being Animal

Lokale Koproduktion, Tanz
Die Tanzproduktion Being Animal von Irina Lorez & Co setzt das Verhältnis von Mensch und Tier in neue Bezüge. Am Beispiel von Katzen erkundigt sie in einem lang angelegten Kreationsprozess die Vielfalt der Beziehung, die wir Menschen zu Tieren aufbauen können, wenn wir versuchen, unsere anthropozentrische Weltsicht zu erweitern. Was für Kommunikations- und Interaktionsformen sind möglich? Welche Beeinflussung, Berührung und Mobilisierung des eigenen Körpers, Denkens und Handelns finden bei interspezifischen Begegnungen und im Zusammenleben mit Katzen statt? Um sich diesen Fragen zu nähern, verbringt Irina Lorez viel Zeit mit halbwilden und domestizierten Katzen, tastet sich an ihre Seins- und Wahrnehmungsweisen heran, begibt sich mit ihnen auf Augenhöhe. Zudem befragt sie mehrere Menschen zu ihren engen oder aussergewöhnlichen Beziehungen zu Katzen und begleitet diese auch in ihrem Alltag. Auf dieser Grundlage entsteht eine choreografische Arbeit, die die Schnittstelle zwischen Mensch und Tier performativ-ästhetisch und tänzerisch-physisch auslotet. Die Produktion lädt dazu ein, über das Tierische im Menschen und das Menschliche im Tier nachzudenken und schafft die Vision einer Welt, die einen vereinten und durch gegenseitige Zugehörigkeit gewachsenen Lebensraum von Mensch und Tier im Blick hat.
3.-5. Dezember 2020

Kompanie Affenherz: Pavor
Lokale Koproduktion, Theater

Was die Angst angeht, unterscheiden wir Menschen uns nicht wesentlich von Tieren: Steht sie plötzlich vor uns, erstarren wir, rennen davon oder gehen zum Angriff über. Keine dieser Methoden ist in irgendeiner Art und Weise erfolgsversprechend. Die dümmste aller Methoden ist ausschliesslich dem Menschen vorbehalten: Nur wir Menschen kommen in Versuchung, die Angst zu ignorieren. In «PAVOR» nimmt das Wesen der Angst plötzlich Gestalt an und tritt in Kontakt mit dem Menschen, zu dem es gehört. Zusammen begeben sie sich auf eine Reise, dessen Ziel ein Ort ist, von dem beide nicht wissen, ob es ihn überhaupt gibt. Was sich anfänglich anhört wie ein harmloses Kindermärchen, mutiert plötzlich zu einem düsteren Roadtrip durch die entstellte Welt jener Menschen, die vor nichts mehr Angst haben. Und so ist «PAVOR» im besten Fall ein Märchen für Erwachsene, das kein gutes Ende nimmt. «PAVOR» ist auch ein Versuch, die drei Bühnenformate Theater, Konzert und Hörspiel zu einem hybriden Format zu verbinden und zwar so, dass keines der beteiligten Formate das Einsehen hat. Somit ist «PAVOR» ein Vorhaben, das von einem gewissen Risiko des Scheiterns begleitet wird, ein Risiko, das jedoch zu jeder Arbeit von Kompanie Affenherz gehört.
Unter dem Freie Szene Label Kompanie Affenherz entstehen seit 2016 Projekte und Produktionen, die sich der künstlerischen Mittel und kreativen Ausdrucksformen aus den Bereichen Theater, Literatur, Musik, Tanz und Performance bedienen. Im Zentrum der Arbeiten von Kompanie Affenherz steht immer ein dem Lauf der Welt geschuldeter Konflikt, den es gilt aus dem Korsett seiner vermeintlichen Bedingtheiten zu befreien und ihn auf sein wahres Wesen hin zu untersuchen. 12.-16. Januar 2021

Tobias Koch, Thibault Lac, Tore Wallert: PLAY (AT)
Nationale Koproduktion, Tanz
Der Musiker Tobias Koch (CH), der Tänzer Thibault Lac (F) und der Künstler Tore Wallert (SWE) arbeiten zusammen an Live-Performances an der Schnittstelle von Tanz, Konzert und Skulptur. Ihre Arbeiten entstehen in skulpturalen Landschaften, in denen Figuren als Fragmente verzerrter, filmischer und kultureller Archetypen auftauchen und wieder verschwinden. Soundtracks mit verzerrten Popmusikreferenzen werden live und in Surround-Sound interpretiert und machen ihre Arbeiten zu einem immersiven Hörerlebnis. Die Beziehung zwischen Choreographie, Skulptur und Klang stellt eine symbiotische Verbindung her, in der Figuren und Objekte aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst, und zwischen der Metaphysik von Präsenz und Imagination schweben gelassen werden. Ihre vergangene Arbeit SUCH SWEET THUNDER (2019) wurde mit dem ImPulsTanz - Young Choreographer's Award 2019 ausgezeichnet und war im Juni 2019 im Südpol zu Gast.
21./22. Januar 2021


Philippe Heule / Michela Flück: Die Schokoladen-Waffen-Fabrik
Koproduktion National, Theater
Die Schokoladen-Waffen-Fabrik öffnet ihre Tore und lädt ein zu einer unvergesslichen Besichtigung ihrer Verschmelzungsprozesse von Süssigkeit und Kriegswerkzeug. Die Überlagerung zweier aufgeladener Industriezweige erzeugt eine Anlage, die sinnbildlich für die gewaltvollen Zusammenhänge steht, die „die Schweiz“ herstellen. Der Theaterraum wird zur performativen Produktionsstätte, zum Showroom ambivalenter Bildwelten, zum Ort der Reflexion unterschiedlicher Konsistenzen von Gewalt. Mechanismen von Unterdrückung und Verdrängung materialisieren sich in einer bitter-bösen Choreografie zwischen Disneyland und Horrortrip, zwischen Kinderspiel und Kriegsschauplatz.
Die Schokoladen-Waffen-Fabrik ist die erste Zusammenarbeit von Philippe Heule und Michela Flück. Der Autor/Regisseur und die Bühnen- und Kostümbildnerin wünschen sich ein sinnlich-visuelles Theater, das imaginierte Bilder und Vorgänge als Ausgangspunkt betrachtet und damit eine gleichberechtigte Begegnung von Raum, Körper, Text und Material anstrebt.
26./27. März

Musik/Konzerte

Huun-Huur-Tu
Konzert International präs. mit Boa im Exil
Huun-Huur-Tu – die Band aus der autonomen Republik Tuwa – widmen sich mit ihren traditionellen Instrumenten und ihren rituellen und eindrucksvollen Kehlkopfgesängen alten, in Vergessenheit geratenen Liedern. Als wären die Kehlkopfgesänge der vier Multiinstrumentalisten Kaigal-ool Khovalyg, Alexander Bapa, dessen Bruder Sayan Bapa und Albert Kuwesin nicht schon imposant genug, setzen die tuvanischen Sänger ihre Stimmen so gekonnt ein, dass sie bis zu drei Töne gleichzeitig zu erzeugen vermögen. Ihre Bassstimme lassen sie dabei von mitschwingenden Obertönen begleiten und erzeugen damit mehrstimmige, eindringliche und sphärische Melodien. Ein weiteres wesentliches Ausdrucksmittel von Huun-Huur-Tu und ihrer tuvanischen Musik ist die Nachahmung von Geräuschen und Klängen der Natur, wie das Geräusch von galoppierenden Pferden oder Vogelgesängen. Die vier Musiker aus den Hochweiden des Altai-Gebirges haben Jahrzehnte damit verbracht, den Obertongesang, die instrumentalen Ansätze und die vibrierenden Lieder ihrer Heimat zu verfeinern. Mit ihren Tourneen rund um den Globus führen Huun-Huur-Tu die Außenwelt fast im Alleingang in den Reichtum und die Tiefe der tuvanischen Musiktradition ein.
14. Oktober 2020

Pronto
Konzert national

Prontos YouTube-Hit «Clean» ging 2017 in kürzester Zeit von null auf 100. Der 26- jährige Rapper und Produzent aus der Schweizer Peripherie wurde quasi über Nacht zu einer Sensation. Der Clip zum Song wurde in Folge über 2,4 Millionen Mal angeschaut. Pronto erhielt Kollegenliebe von Haftbefehl über Nimo bis Trettmann und Stereo Luchs. Es folgten ein Videodreh in Ghana, ein Major-Deal, eine EP, ein Album bei Universal, internationale Features mit Afrikan Boy aus London und dem italienischen Rap-Don Gue Pequeno.
Pronto vereint Einflüsse seiner Kindheit und Jugend in seiner Musik, mischt verschiedene Strassenslangs und vermengt sie mit Trap, Dancehall oder Afrobeats – Pronto ist neuer, paneuropäischer Pop. Davon zeugt auch sein letztes Album «Europe», auf dessen zehn Tracks der Künstler das gesamte Spektrum zeitgenössischer Rapmusik ausrollt und von brettharten Trap-Bangern zu hyper-melodiösen Space-Jams schlittert. Mit seinen neusten Singles «Sorry» und «Baga» bringt er seine afrikanischen Wurzeln zum Schwingen und revolutioniert Afrobeats in der Schweiz. Der junge Produzent ist nicht aufzuhalten, sprintet von einer ausverkauften Show im Ausland zu nächsten, sammelt eine goldene Schallplatte nach der anderen und spielte ein Feature auf Trettmanns «Du Weisst Remix» ein.
17. Oktober 2020

M!R!M
Konzert International präs. mit Radio 3Fach
M!R!M ist das Soloprojekt des italienischen Multiinstrumentalisten Jack Milwaukee, der seit 2011 in London lebt. Inspiriert durch Synthie-Pop sowie Cold und Dark Wave der frühen 80er, hat M!R!M auf Labels wie Fabrika und Manic Depression veröffentlicht. Seit seinem Debütalbum tourt er durch ganz Europa und hat den Kreis seiner Anhängerschaft stetig erweitert. Am 31. Januar 2020 veröffentlichte er sein drittes Album «The Visionary» auf Avant! Records. Auf seinem neusten Album zeigt der Künstler, wie sich seine Musik verändert und sich seine musikalische Vision weiterentwickelt hat. Er hält an den Schwingungen fest, die den süssesten 80er-Jahre-Träumen entsprungen sind, mischt diesen aber tiefere Klänge bei und schlägt so einen klaren, reiferen Weg ein. Gefangen zwischen Hoffnung und Melancholie entwickelt sich jedes Stück auf der Platte sanft in ein anderes, bis ein mystisches Ende keine Rückkehr mehr erlaubt. Von druckvollen Basslinien, die von treibenden Trommelschlägen erzeugt werden, bis hin zu eleganten Violin-Quartetten, die von fast religiösen Chören begleitet werden – «The Visionary» ist eine Ode an die tiefsten Gefühle, schimmernd im Gewand von Synthie-Pop-Melodien.
30. Oktober 2020

ÄTNA
Konzert International
Mit markantem Gesang und opulenten Songs hat sich das Dresdner Duo ÄTNA einen festen Platz unter den vielversprechendsten deutschen Newcomern gesichert. Auf einer 90er-Jahre-Euro-Trash-Party im Dresdner Club Mensa lernen sich Inéz Schaefer und Demian Kappenstein 2012 kennen. Beide sind zum Studieren nach Dresden gekommen. Sie Gesang, er Schlagzeug. Sie ist Schweizerin mit spanisch-jüdischen Wurzeln, er kommt aus der westdeutschen Provinz. Man sollte mal was zusammen machen, beschließen sie und gründen das Electronic-Pop-Duo ÄTNA. Es folgen Auftritte auf den wichtigen Tastemaker Festivals im In- und Ausland, eine Russland-Tour, Gigs in Istanbul, London, in Slowenien, Tschechien, Estland und in diesem Jahr beim Montreux Jazz Festival. ÄTNA klingen ungefähr so: Fever Ray trifft Grimes in der Semperoper. Auf der Bühne steht ein Klavier. Die Analogeffekte sind direkt eingemischt. Hallschleifen, Effekte und Delays werden live gefahren, nichts ist automatisiert. Ihre Stimmverfremdungen wirken wie das Gegenteil von Autotune, weil sie eben nichts gerade zerren, sondern der beeindruckenden Stimme von Sängerin Inéz noch mehr Tiefe hinzufügen. Aus Versatzstücken ganz unterschiedlicher Strömungen und Genres erschaffen sie eine im besten Sinne avantgardistische künstlerische Position. Sie sind ein kreatives Duo auf Augenhöhe. ÄTNA Verbinden Fashion, Bühnenbilder und Design mit ihrer Musik, tragen monochrome Bühnenkostüme, liefern visuell beeindruckende Videos zu ihrer Musik. Ein weiter Raum, voll mit weissen Würfeln. Funktionale Farben und Formen. Ihr Logo sieht aus, als wäre es von Wassily Kandinsky in Dessau gestaltet worden. 19. November 2020

Šuma Čovjek
Konzert national

Balkan-Pop fern von Klischees. Die Schweizer mit Wurzeln in Bosnien und Algerien singen auf Kroatisch, Arabisch, Französisch und Spanisch. Die Sprachen fliessen so harmonisch ineinander, dass man sich leicht der Illusion hingeben kann, alle zu verstehen. Ihre liebevoll inszenierten Songs überwinden Grenzen zwischen Musikstilen, Sprachen und Volksgruppen. Ihre Singe «Bouge Ton Coeur» vom letztjährigen Album «No Man's Land» gehörte 2018 zu den meistgespielten Songs auf Srf3. Im 2019 legten sie mit dem politischen Song «Mira» nach, der gespickt von Lebensfreude und tanzbaren Rhythmen ist und auf eine Achterbahn der Sprachenwelten entführen. Der Song steht für Offenheit und Respekt – Zentrale Werte der schweizerisch-bosnisch-algerischen Combo.
3. Dezember 2020

Bit-Tuner
Residenzkonzert national präs. mit OUS
Marcel Gschwend aka Bit-Tuner produziert seit 1999 elektronische Musik mit Computer, MPC, Synthesizern, Bassgitarre und analogen Effektgeräten. Die Vorliebe für Samples von alten Schallplatten, Filmen und das Field Recording, führen zu schweren Beats und Bässen, düsteren Athmosphären, acidgeschwängerten Melodien und lärmenden Soundlandschaften.
Bit-Tuner's jüngstes Album “EXO” erschien im Februar 2020 auf -OUS. Weitgehend während seines zweijährigen Aufenthaltes in Athen entstanden, waren die sozialen und strukturellen Umbrüche prägende Einflüsse in der Entstehung des Albums «EXO», das Bit-Tuner’s Schaffen entscheidend weiterentwickelt. Das nahezu beat-lose Album erzählt eine Geschichte von Umbruch und Neubeginn. Der Filmemacher Joerg Hurschler erschafft vom Album inspiriert in monatelanger Arbeit eine sonderbare visuelle 3D-Welt, die er mit ätherischen Wesen bevölkert. Im Geiste eines Dokumentarfilmers erkundet er diese Welt über die Länge des Konzertes immer weiter. Es entsteht eine neue Form des cineastischen Storytellings, live vertont von Bit-Tuner. 10. Dezember 2020

Yet No Yokai
Residenzkonzert lokal präs. mit Orange Peel
Die Luzerner Band Yet No Yokai (als Yokai wird im japanischen Volksglauben ein Monster oder Dämon bezeichnet) sind zwar noch knapp keine Dämonen, trotzdem hört sich ihre Musik schon schaurig düster an. Ihre EP «Post-Apocalyptic Promenade Part Two» und ihre Single «Fahrenheit» klingen mal rhythmisch monoton wie eine Horde wandelnder Untoter in der Einöde und mal rollend laut wie ein überlebender Samurai, der auf seinem Motorrad durch die Dämmerung rast, seine Hand stets nervös ans kampfbereite Schwert geklammert. Die dreiköpfige Luzerner Psych-Rock Band Yet No Yokai verewigt ihre apokalyptischen Szenerien in einem in Eigenregie produzierten, fünfteiligen Songbuch – und weitere Kapitel sind längst gesponnen.
17. Dezember 2020

Musik/Club

TECHNO / HOUSE

Für die Spielzeit 2020/21 sind im Bereich Techno/House/Electronica bislang folgende Events in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Partnern bestätigt:

Nachtsicht

Seit 2 Jahren ist die Technoreihe ein sicherer Wert für den Südpol und die hiesige Technoszene. Mit dem Veranstaltungspartner Kopflos Agency und dem Ziel aufgebaut, die unter 18-Jährigen ans Haus zu binden, sind die Besucher*innen der Reihe treu geblieben. Die Veranstaltung ist mittlerweile ab 18 Jahren und erfreut sich jeden Monat grosser Beliebtheit.

Pitanga

Diese Reihe kümmert sich mit dem Veranstaltungspartner Pitanga ausschliesslich darum weiblichen DJs im Bereich Techno/House eine Plattform zu bieten. Sie findet 3 Mal pro Jahr statt und garantiert jeweils einen vollen Club und gute Stimmung.

Underground District

Diese Reihe ist in Luzern seit Jahren ein fester Wert in der Clubszene im Bereich Techno und findet seit 2019 ausschliesslich im Südpol statt. In Zusammenarbeit mit Partner UGD findet die Reihe mehrmals pro Jahr statt und lockt alle Technointeressierten ab 25 Jahren in den Club.

Siel

Von den Machern der Reihe Underground District kümmert sich «Siel» um Melodic Techno und Afrohouse. Sie wurde im 2019 ins Programm aufgenommen und freut sich einer wachsenden Community.

Endless
Eine neue Reihe für den Club. In Zusammenarbeit mit 2Klang findet diese Reihe ab Herbst 2020 neu im Club statt. Sie ist ebenfalls im Bereich Techno/House sowie EDM tätig und soll zum Ziel haben, ähnlich wie bei Nachtsicht, junges Publikum ins Haus zu locken.

Rave
Nachdem überwältigenden Erfolg der ersten Ausgabe des RAVE im Oktober 2019 und einer Besucher*innenzahl von über 1'600 findet die zweite Ausgabe des RAVE im November 2020 statt. Organisiert wird der Anlass wieder vom Südpol in Zusammenarbeit mit dem OK der Kulturkonsumenten und Paul aus dem Uferlos-Umfeld. Aufgrund der Pandemie wird das Ausmass dieses RAVE allerdings kleiner ausfallen, es soll ein relatives gemütliches Dankeschön an die lebendige Clubszene werden. Im Jahr 2021 wird, sofern möglich, der RAVE dann wieder im gewohnten Ausmass stattfinden.

Impulsiv Kollektiv

Ein ebenfalls junges Kollektiv, welches in diesem Jahr gegründet worden ist und nach ersten Erfolgen in der Gewerbehalle nun im Club stattfinden wird. Die «Puls-Nacht» soll in Zusammenarbeit mit diesen Partnern ebenfalls jüngeres Publikum anlocken.

Winterdaydance

In Zusammenarbeit mit dem Verein Winterdaydance, der jedes Jahr im Obernau Kriens im Januar den Winterdaydance veranstaltet, findet traditionell im November das offizielle Warm-Up statt. Dieses Warm-up ist auch im Herbst 2020 ein fester Bestandteil des Programms.

Moove Events

Dieses in Luzern ansässige Label hat mit der ersten Ausgabe von «Gravity» bewiesen, dass sich Daydances & Clubnächte optimal kombinieren lassen. Ein ausverkaufter Club war das Resultat davon. Die zweite Ausgabe wird im September stattfinden. Neu wird zudem der Silvester Rave, welchen die Veranstalter letztes Jahr noch im Sedel durchgeführt haben, bei uns im Haus stattfinden. Ein Abend verteilt auf drei Floors im ganzen Haus und eine gute Stimmung sollen daraus resultieren.

Meva

Diese Veranstalter*innen sind ab der Saison 20/21 neu im Programm und ergänzen das Techno-Programm mit ihren eher härteren musikalischen Bookings wunderbar. Ihre Veranstaltungsreihe «Criminal Bassline» musste wegen Corona im Frühjahr verschoben werden und wird ab November 2020 stattfinden.

Bass Culture / 33Hz
Aus dem Umfeld des Festivals «Am Bach» entsprungen, konzentriert sich diese Reihe vornehmlich auf Deep Dubstep und wummernde Bässe. Auch wenn die klare Positionierung des Clubs eher auf Techno, House, respektive Urban, Hip-Hop fokussiert ist, so haben eher Nischenveranstaltung immer einen Platz im Club gefunden und sollen diesen auch weiter haben.

URBAN / HIP-HOP

Für die Spielzeit 2020/21 sind im Bereich Urban/Hip Hop bislang folgende Events in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Partner*innen bestätigt:

The Culture

Mit ROK-Clubchef und Labelchef von PLSRMG, Phillip Kathriner, findet seit der Spielzeit 2020/21 diese Reihe neu im Club statt. Sie hat zum Ziel, Hip-Hop/Urban-Begeisterte in den Club zu ziehen und hat mit Phillip Kathriner dafür den richtigen Partner gefunden. In Zusammenarbeit mit PLSRMG finden innerhalb dieser Reihe von Zeit zu Zeit auch grosse Hip-Hop-Konzerte mit anschliessender Afterparty statt. Als erstes bestätigtes Konzert findet am Sa, 17.10.2020 in der grossen Halle das Konzert vom Schweizer Shootingstar Pronto statt. Nach dem Konzert findet wie gewohnt The Culture im Club statt und fungiert zugleich als Afterparty des Konzerts. Wir erwarten eine ausverkaufte Show.

Kollektiv V

Die Zusammenarbeit mit diesem Kollektiv läuft seit der Spielzeit 2019/20 und kümmert sich um den Bereich Urban/Hip Hop mit speziellem Fokus auf Künstlerinnen in den spezifischen Genres Hip-Hop/NuSoul/RnB. Auch diese Partnerschaft soll in der kommenden Spielzeit gefestigt und weiter ausgebaut werden. Der Fokus liegt auf der Kombination von Konzertabenden mit anschliessenden Clubnächten. Als erste Zusammenarbeit ist das Konzert der Schweizer Rapperin Steff La Cheffe erwähnenswert, welche am Fr, 11.12.2020 im Club spielen wird. Das Rahmenprogramm kommt wie gewohnt vom Kollektiv V.

LCone

Der Luzerner Rapper und SRF Virus Bounce-Moderator ist nicht erst seit seinem letzten Song «Saurus» ein Begriff. Sein Tourabschluss im Club letzten Herbst bleibt in würdiger Erinnerung, nun kehrt er für ein Surprise-Konzert zurück in den Südpol. Man darf gespannt sein, was uns erwartet.

20 YEARS – WE LOVE YOUR EARS

Knapp 20 Jahre nachdem das DJ-Duo Optimo der BOA einen unvergesslichen Abend beschert hat, soll dies im Südpol wiederholt werden. Das Kernteam von damals wird in Zusammenarbeit mit dem Südpol den Abend organisieren, selbst das Barpersonal von damals wird sich hinter der Südpol-Bar die Ehre geben. Sa, 10.10.2020