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SÜDPOL KRIENS: Zurück zu Adam und Eva

Mit der Tötung eines Goldfischs spaltete das Theaterkollektiv Institutet 2013 im Südpol das Publikum. Das AKS-Projekt «The One And The Many» provoziert hingegen mit Sanftheit.
Das schwedische Kollektiv performt auf der Bühne des Theaterhauses Südpol. (Bild: Nadia Schärli)

Das schwedische Kollektiv performt auf der Bühne des Theaterhauses Südpol. (Bild: Nadia Schärli)

Julia Stephan

Die in Berlin und Malmö beheimatete Gruppe Institutet parkiert gern in den Tabuzonen unserer Gesellschaft: Den uns in die Knochen fahrenden Gedanken an den Tod haben sie in ihrem Vanitas-Projekt «Bones» (2013) verarbeitet, in «Woman» thematisierten die Schweden unser heteronormatives Geschlechtsverhältnis mit nackten Performerinnen, die sich dem Publikum auf den Schoss setzten.

Der europäischen Kleinfamilie und ihren Abgründen haben Institutet gleich drei Abende gewidmet. Für das 2012 ans Berliner Theatertreffen geladene Stück «Conte d’Amour», eine Zusammenarbeit mit der finnischen Gruppe Nya Rampen, kreuzte man den Egoismus und die Objektbesessenheit romantischer Liebe mit der inzestuösen Wohn-Zwangsgemeinschaft eines Josef Fritzl. Und auch spätere Projekte wie «We love Africa and Africa loves us» und «Bis zum Tod» zielten auf die Kleinfamilie ab, deren Inseldasein auch deshalb so idyllisch bleibt, weil man andere dafür ausgrenzt.

Ein kleiner Theaterskandal

Zuletzt haben Institutet 2013 am Südpol mit der finnischen Gruppe Nya Rampen und Markus Öhrn das Stück «Sigurd, der Kreuzritter» uraufgeführt. Man beschäftigte sich mit den kranken Gedanken des norwegischen Amokläufers Anders Breivik und suchte nach den Gründen für die schwelende Unzufriedenheit in Zivilgesellschaften. Dass die Schweden während der Inszenierung auch einen Goldfisch töteten, hat in der Theater-Community nicht allen gefallen. Der damals gerade neu angetretene Südpol-Leiter Patrick Müller erhielt sogar eine Strafanzeige wegen Tierquälerei.

Eine solche Liste von Tabubrüchen suggeriert, bei Institutet seien Theaterskandale institutionalisiert. Dabei arbeitet die Gruppe eher verhüllend und poetisch als nackt und Thesen schleudernd. Dies gilt insbesondere für «The One And The Many», die Arbeit für das Sehnsuchtsprojekt der Albert Koechlin Stiftung (AKS), die am Freitag am Südpol uraufgeführt wird. Ursprünglich wollten Institutet mit Randständigen ergründen, wie das Auftauchen von Armut das bürgerliche Selbstverständnis herausfordert. Die Schweden knüpften damit an ihre Performance in der Kunsthalle in Malmö an. Angehörige der Roma sassen dort mehrere Tage im Museum statt auf der Strasse und lösten bei den Besuchern Mitleid, Echauffage bis grosse Betroffenheit aus.

Keine Beteiligung von Obdachlosen

Weil in Luzern die Roma-Thematik nicht so präsent ist wie in Malmö, wollten man stattdessen hier lebende Randständige ins Projekt einbinden. Doch die waren nicht dafür zu begeistern, und so sind nur noch die Recherchen von der Gassechuchi oder der Notunterkunft in Meggen ins Theaterprojekt eingeflossen. Der Abend, der gemäss Dramaturgin Johanna-Yasirra Kluhs «unverschämt schön» geworden ist, verhandelt in grösstmöglicher Reduktion – ein Mann und eine Frau begegnen sich im Dunkeln – sanft die Frage, warum überhaupt wir das andere oder den anderen fürs eigene Überleben brauchen. Die Performer entführen uns als eine Art Adam und Eva ganz an die Ursprünge menschlicher Begegnung.

Hinweis

«The One And The Many» von Institutet. Uraufführung: Fr, 22. 4., sowie Sa, 23. 4., jeweils 20 Uhr. Info: www.sudpol.ch

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