Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SÜDPOL: Rampensau Hösli - charismatisch und liebenswürdig

Unter den vielen Luzerner Musikern, die seit 1980 Songs und Krach machten, stach Hösli heraus: Ein Tribute-Abend im Südpol erinnert an den vor zehn Jahren verstorbenen Musiker, Sänger und Entertainer.
Thomas Hösli in jungen Jahren (rechts) sowie Cover und Sleeve des Steven’s-Nude-Club-Albums «Trust No Magazine» (1988) mit dem Song «H.-Rap» auf der B-Side. (Bilder: PD)

Thomas Hösli in jungen Jahren (rechts) sowie Cover und Sleeve des Steven’s-Nude-Club-Albums «Trust No Magazine» (1988) mit dem Song «H.-Rap» auf der B-Side. (Bilder: PD)

Fucking 42 Jahre alt wurde Hösli. Viel zu jung, um zu sterben, aber der durch Asbeststaub ausgelöste Krebs in seiner Lunge war unerbittlich. «Höslis Tod ist ein Verlust für die Kulturstadt Luzern. Ich sehe ihn als Persönlichkeit, der die Gesellschaft bereichert hat, nicht nur kulturell, auch ganz allgemein, als

Person», würdigte ihn der damalige Stadtpräsident Urs W. Studer einen Tag nach dessen Tod.

Thomas Hösli, 1965 im Luzerner Maihofquartier geboren und aufgewachsen, hat seine Heimatstadt nie gross verlassen. Hier wirkte er, machte mit seiner Band Steven’s Nude Club (SNC) die Szene fiebrig und gründete weitere Bandprojekte. Er gab Impulse, nahm auch mal mit dem Zivilschutz-Orchester eine CD auf und wurde mit dem Duo Hösli & Ricardo zum begnadeten Songschreiber, Chansonnier und Entertainer. Er schrieb Kolumnen für «Luzern heute», war Platz­speaker beim Fussballturnier Kick ’n’ Rush oder gründete und moderierte das bis heute existie­rende Interpretenfestival.

Extrem geile Liveband

Sein Sound- und oft auch Lebensdomizil war der Sedel, wo er in den frühen 1980er-Jahren mit der Punkband Naturakt erstmals von sich hören liess. Dann kam 1984 Steven’s Nude Club, mit dem er schlagartig bekannt und beliebt wurde. Davix, erster SNC-Schlagzeuger, erinnert sich: «Eines Tages schaute ich in Höslis Proberaum vorbei, wo er mit Bassist Ibrahim ein paar Sachen ausprobierte. Bald sass ich am Schlagzeug, und irgendwann meinten sie: ‹Mach doch mit!›» Ein Konzert war geplant, ein typisches Projekt halt. Aber dann kam das Trio so gut an, dass nach weiteren Gigs schon bald ein Kassettli mit vier Songs folgte. Nach diesem Tonträger hagelte es Anfragen. Die Band spielte im Fri-Son und in anderen bekannten Klubs, wurde an die DRS 3 Session eingeladen und tourte später auch im Ausland.

«Der Nude Club war einfach eine extrem geile Liveband», sagt Gössi (Moped Lads), der die Sedel-Punk-Szene umfassend mitgeprägt hat. SNC, die sich schon bald mit einer Bläser-Section erweiterten, spielten eine tobende Mischung aus Punk und 2-tone-Ska (The Selecters, The Specials), welche «die Wände zum Schwitzen brachte und die Leute zum wilden Herumhüpfen». Als reines Trio hätten sie härter gespielt, erinnert sich Bassist Ibrahim, «mit den Bläsern sind wir zur Hitband geworden». Der Crossover-Sound mit Bläsern sei in der hiesigen Szene ­etwas Neues gewesen, sagt Davix, und habe immer viel Publikum angezogen. «Mit dem Trio sind wir quasi zur eigenen Vorband geworden.»

Ein grosszügiger Mensch

Nach ein paar Jahren, als Davix von einem USA-Aufenthalt zurückkehrte, war es für ihn vorbei mit dem Nude Club. «Hösli hat mich sozusagen aus der eigenen Band geworfen», grinst der Künstler. Denn der Steven im Bandnamen, das war er selber. «Dass Hösli die Band nach dem Schlagzeuger benannte, spricht für seine selbstlose Art», sagt Davix alias Stefan Davi.

Überhaupt sei Hösli einer der grosszügigsten Menschen gewesen. «Er übernahm meist die Drinks, kochte vor der Probe für die ganze Band seinen umwerfenden Hörnliauflauf und hatte immer wieder schräge Typen als Mitbewohner, um die er sich gekümmert hat.» Gössi hat es ähnlich erfahren. «Hösli hat seine guten Beziehungen nie für sich behalten, sondern sie geteilt. Er hat Tipps gegeben, Leute gepusht oder ein gutes Wort eingelegt, wo es nötig war.»

Über Höslis musikalische Qualitäten sind sich alle einig, die ihn kannten und erlebten: diese Stimme! «Ich fand immer, er müsse sie gar nicht so drücken und würgen, sie klang so stark und umfassend», sagt Ibrahim. «Auch die Studio-Leute haben oft gestaunt über die Bandbreite und das Volumen seiner Stimme.» Zum Zweiten war Hösli ein heisser Performer, der auch Mimik und Gestik einzusetzen wusste – und Witz. Gössi: «Hösli war auf der Bühne schlagfertig und konnte auf eine spontane Begebenheit subito mit einem Witz oder Spruch reagieren, und der sass.»

Popmusiker und Chansonnier

Davix staunt, wie gut sich die Qualität seiner Texte gehalten hat. «Diese waren am Anfang ja recht kurz. Er hat seine Beobachtungen und Gefühle in geile Bilder verpacken können. Und oft schlagende Sätze formuliert, die heute noch etwas auslösen.» Schon als Soloprojekt (The Great) Gilbert Dessert hatte Hösli Mitte der 1980er mit hochdeutschen Songs ein «umwerfendes Popformat» (Gössi) entworfen. «Aber er hat das nie offiziell veröffentlicht. Er wusste, was er auch gekonnt hätte, aber er hat das dann trotzdem nicht grösser angepackt.»

Der Tribute-Abend im Südpol (siehe Kasten) fokussiert sich auf diese Steven’s-Nude-Club-Phase und die gelegentlichen Projekte, mit denen Hösli in speziellen Programmen seine (Glam-)Rock-Heroen wie Alex Harvey, The Sweet oder auch The Kinks gewürdigt hat. In den letzten Jahren seines Schaffens verwandelte sich Hösli im Duo mit dem jazzigen Pianisten Ricardo Regidor in einen eleganten Chansonnier. Sieben Alben (inklusive Compilations) haben die beiden veröffentlicht. Zu erleben ist das sich neckende Duo auch im Film «Blau» von Stefan Kälin und Norbert Wiedmer (2005).

Er hat Wärme ausgestrahlt

Neben der Bühnenpräsenz und dem Charisma, das Hösli ausgezeichnet habe, streicht Regidor vor allem seine Texte hervor. «Es sind die besten, die ich kenne. Wie er die Welt rund um sich wahrnahm und mit wenigen Sätzen pointiert verdichten konnte, war auch sehr poetisch.»

Regidor hat zehn Jahre lang mit Hösli Musik gemacht, zwei Jahre hat er mit ihm zusammengewohnt. Privat sei er im Vergleich zur Bühne eher introvertiert und scheu gewesen. «Aber er hat immer eine Wärme ausgestrahlt.» Für Ricardo war Hösli der engste Freund. «Sein Tod hat mir sehr zugesetzt. Ich bin danach auch musikalisch längere Zeit in ein Loch gefallen.»

Heutzutage, sagt Davix, vermisse er einen Typen wie Hösli schon sehr. «Ich war nach Steven’s Nude Club zehn Jahre weg von Luzern. Aber immer, wenn ich mal wieder einen Besuch machte und Hösli irgendwo in einer Beiz auftauchte, war alles gut. Ein alter Freund eben, mit ­dem man sofort wieder auf gleicher ­Wellenlänge war.»Pirmin Bossart

Der Luzerner Sänger Hösli bei einem Auftritt im Jahr 2005 in der Zwischenbühne Horw. (Archivbild: Luzerner Zeitung)

Der Luzerner Sänger Hösli bei einem Auftritt im Jahr 2005 in der Zwischenbühne Horw. (Archivbild: Luzerner Zeitung)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.