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SURSEE: Ausstellung: Spaziergang mit Überraschungen

Im Sankturbanhof ist die Ausstellung «Aktuelle Kunst 2018: Luzerner Landschaft» eröffnet worden. Sie präsentiert neue Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit einem Bezug zur Region.
Andrea Portmann
Die Performance «Herkunft» (mit Erde, Laub und Regenwasser) von Claudia Bucher an der Vernissage im Sankturbanhof Sursee. (Bild: Rob Nienburg)

Die Performance «Herkunft» (mit Erde, Laub und Regenwasser) von Claudia Bucher an der Vernissage im Sankturbanhof Sursee. (Bild: Rob Nienburg)

Andrea Portmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Die erste Partie der auf die drei Standorte Sursee, Willisau und Schüpfheim verteilten jurierten Ausstellung «Aktuelle Kunst: Luzerner Landschaft» überzeugt und überrascht in ihrer Vielfalt und der Bandbreite der vertretenen Generationen. Im Sankturbanhof Sursee hielten die Co-Leiterin Bettina Staub und die Juryvorsitzende Eva Maria Knüsel bei der Eröffnung eine inspirierende Rede, die für den Rundgang viele Anknüpfungspunkte bot.

Durch eine stimmige Präsentation in den Räumlichkeiten des Sankturbanhofs treten alle 15 künstlerischen Positionen in ihren je spezifischen Eigenheiten und Themen klar hervor. Gleichzeitig entstehen bei einem ausgedehnten Spaziergang durch diese abwechslungsreiche Luzerner Landschaft Verknüpfungen zwischen bestimmten Positionen, die sich zu anregenden Gedanken verdichten.

Nah und doch wie aus weiter Ferne

Wörter aus filigranem neonorangefarbenem Faden leuchten uns entgegen. «nowhere», «attend nuit» oder «un air subtile» schweben, sich sanft bewegend, in der Luft. Eindringlich nah und doch wie aus weiter Ferne hallen diese Wortfragmente. Carmela Gander (*1972) stickt diese Fragmente, die bei ihr mit Erinnerungen verbunden sind, auf historische Landkarten. So nähert sie sich tastend und fühlend dem flüchtigen und gleichzeitig prä­zisen Wesen der Erinnerung selbst – in einer poetischen Wirkkraft, die sich beim Gehen um die Werke entfaltet.

Stefan Rösli (*1957) übermalt die Rückseite von Wandtafeln mit Acryl, macht so deren Materialstrukturen sichtbar. Die Acrylschicht selbst wird zum dunklen Hintergrund. Auf zwei solchen grossformatigen Tafeln erscheint, in feinen weissen Tuschestrichen herausgearbeitet, ein übergrosser Kapuzenpulli. Die Kleidungsstücke sind einander zugewandt, als würden sie sich betrachten. Doch Augen sind da keine, die Kleidungsstücke sind leere Hüllen, erscheinen geisterhaft. Auf das bei Jugend­lichen beliebte Kleidungsstück aufmerksam wurde der Künstler in seinem Alltag als Gestaltungslehrer am Gymnasium. Es ist ein stark aufgeladenes Kleidungsstück: 2012 wurde es in New York nach dem Tod eines schwarzen Jugendlichen, der einen Kapuzenpulli trug, zum Protestsymbol gegen Rassismus.

Marlies Pekarek (*1957) überschreibt, überklebt, übermalt und collagiert seit 2013 australische Frauenagenden. Diese Agenden sind voll mit Tipps rund um den (Frauen-) Alltag. Pekarek tritt in einen bunten, hintersinnigen und lustvollen Dialog mit diesen Vorlagen. Sie macht Rollenbilder, Machtverhältnisse und Traditionen sichtbar, kommentiert sie, deutet sie und dreht sie um. Von den acht Agenden, die in der Mitte auf einem Schautisch ausgelegt sind, werden 12 Seiten als Wandbild gezeigt. Hier nimmt sie insbesondere ein in Sursee beheimatetes Brauchtum unter die Lupe und aufs Korn: die traditionelle Gansabhauete.

Unvorhergesehenes entlocken

Die erwähnten Kunstschaffenden eröffnen durch ein kreatives Sichaneignen und Verwandeln von historischen oder für bestimmte Verwendungszwecke vorgesehenen Materialien neue Erfahrungsmöglichkeiten und Denkräume. Diese künstlerische Vorgehensweise ist äusserst kraftvoll und poetisch.

Weitere inspirierende Impulse entstehen im Kontakt mit Arbeiten wie denjenigen von Karin Kurzmeyer (*1987), Dora Wespi (1946) oder Claudia Bucher (*1971). Bewusst, verspielt und offen erproben die Künstlerinnen, welche Überraschungen und Herausforderungen, welche Eigensinnigkeiten in Keramik, Tusche, Erde, Laub oder Regenwasser stecken. Das Material ist nicht etwas zu Beherrschendes, sondern ein Gegenüber auf Augenhöhe.

Karin Kurzmeyers an Bienenstöcke oder Körbe erinnernde Keramikobjekte verbergen nicht die Spuren ihrer Entstehung. Auch Dora Wespi vertraut auf das, was sich im Prozess zufällig aus der Eigendynamik ihres Materials ergibt. In ihrer zehnteiligen grossformatigen Serie «Winterreise» porträtiert sie mit Tusche verkohlte Holzstücke. Gerade der fliessende, nicht kontrollierbare Charakter der Tusche rückt die Struktur des Holzes in unmittelbare Nähe. Bei Claudia Buchers erster Performance – zwei weitere in Willisau und Schüpfheim stehen noch aus – sind auch leibhaftig die Widerstände und Widersprüche spürbar, die aus einer so intensiven Begegnung mit einem eigenwilligen Gegenüber erwachsen. Als sie zum Beispiel Blatt für Blatt aus einem gefüllten Schubkarren aufhebt und versucht, jedes einzelne mit einem Atemhauch weit wegzuwehen, die Blätter aber unmittelbar am selben Ort zu liegen kommen, überkommt einen ein Gefühl von Sinnlosigkeit. Kraft und Verletzlichkeit sind gleichzeitig spürbar. Das berührt.

Hinweis

Aktuelle Kunst: Luzerner Landschaft, Sankturbanhof, Sursee. Bis 8. April www.sankturbanhof.ch

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