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SURSEE/ARTH: Operetten verbinden Tradition mit Aktualität

Operettenbühnen gehen neue Wege. Arth dieses Jahr mit dem Kálmán-Klassiker «Die Csárdásfürstin», Sursee mit der vom Geist der Roaring Twenties inspirierten «Blauen Maske».
Theater Arth: «Die Csárdásfürstin». (Bild: Gregor Stäuble/PD)

Theater Arth: «Die Csárdásfürstin». (Bild: Gregor Stäuble/PD)

Im Januar beginnt in unserer Region die Operettensaison, wenn die Operetten im Stadttheater Sursee und im Theater Arth parallel während dreier Monate gespielt werden. Neu ist dieses Jahr, dass die Premieren nicht gestaffelt im Abstand von einer Woche erfolgen, sondern am selben Tag, am Samstag, den 9. Januar.

Schulterschluss, Kampfansage?

Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Kampfansage oder ein Schulterschluss. Und provoziert zum Vergleich zwischen den beiden Traditionsoperettentheatern. Dabei ist die Terminkollision selber blosser Zufall. Weil in Arth der letzte Vorhang jeweils vor Ostern fällt und Ostern dieses Jahr früh gelegen ist, musste die Premiere der «Csárdásfürstin» vorverschoben werden – auf den gleichen Tag wie jene der «Maske in Blau» in Sursee (vgl. Kasten).

Wenn schon, steht die Koinzidenz also für einen Schulterschluss, weil sich beide Operettenhäuser in einer vergleichbaren Lage befinden. Denn der Laienoperette hängt das Klischee einer verstaubten Plüsch­ästhetik an, die insbesondere für ein jüngeres Publikum nicht attraktiv ist. Zudem steht sie in Konkurrenz zu einem immer grösseren und professionellen Unterhaltungsangebot auf Bühnen und in den Medien.

Das bestätigen die Zahlen in Sursee wie in Arth – freilich auf einem hohen Niveau, von dem die meisten Veranstalter nur träumen können. So zählen beide Häuser noch immer rund 13 000 Besucher in knapp 30 Vorstellungen und erreichen damit eine Auslastung von gegen 90 Prozent. Doch die Zahlen sind seit Jahren leicht, aber kontinuierlich, rückläufig. Das bestätigen sowohl der Präsident der Theatergesellschaft Arth, Sandro Forni, wie auch Isa­belle Ruf, die als Leiterin des Stadttheaters Sursee auch für die Operette verantwortlich ist.

Professionalisierung

Auch die Strategien, mit denen beide Häuser den Trend umzukehren versuchen, sind sich ähnlich. Eine ist die inzwischen weit fortgeschrittene Professionalisierung. «Nicht nur die grossen solistischen Rollen sind mit professionellen Sängern besetzt», bestätigt Forni: «Dasselbe gilt natürlich für das Regieteam, aber auch die Choreografin oder der Lichtdesigner sind Profis.»

Ein wesentlicher Kostenfaktor bei dieser Professionalisierung sind die Orchester, die bei der Operette eine entscheidende Rolle spielen: «Wir haben früh ins Orchester investiert», sagt dazu Isabelle Ruf, die auch als Blasmusikdirigentin bekannt ist: «Wenn das Orchester den Abend durchzieht, profitieren davon alle auf der Bühne.»

Entstaubung

Die zweite Reform, in der beideähn­liche Wege gehen, betrifft die Entstaubung der Operette. Arth holte dafür vor vier Jahren mit Jean Grädel einen profilierten Theatermann, der in der freien Szene modernes Theater machte. Das schien insofern riskant, als sich das ältere Stammpublikum nach wie vor seine Operetten «ganz klassisch» wünscht, wie Forni sagt: «Aber Jean Grädel ist ein Regisseur, der das berücksichtigt und unter anderem mit aktuellen Textanpassungen eben unverstaubte Elemente miteinbezieht.» Das gilt jetzt auch für Emmerich Kálmáns «Csárdásfürstin», deren Handlung kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs spielt und die damit 1915 die Aktualität der Operette bewies.

Musical-Tempo

Einen ähnlichen, aber doch etwas anderen Weg ging Sursee in der Regie. Mit Björn B. Bugiel wurde vor zwei Jahren ein Regisseur verpflichtet, der vom Musical kommt und sich auch in der Region in diesem Bereich einen Namen gemacht hat.

Als solcher bringt er jetzt auch in der «Blauen Maske» ein Tempo ein, das insbesondere auch ein jüngeres Publikum ansprechen soll – Komponist Fred Raymond bezog in den 1930ern Unterhaltungstänze wie Foxtrott mit ein. Emotionen statt Plüsch: Das gilt hier wie dort auch für Kostüme und Bühnenbilder. In Sursee zum Beispiel setzt man weniger auf gemalte Prospekte, stattdessen auf spektakuläre Bühnenbauten.

Anything goes in der Operette

Ein Musical- als Operettenregisseur: Das verweist auf Reformmöglichkeiten im Repertoirebereich. Das gilt vor allem für den Einbezug von Musicals in Sursee. Dass das funktioniert, bewies vor zwei Jahren das Swing-Musical «Anything goes» zur jazzig-coolen Musik von Cole Porter: Es bescherte dem Theater eine höhere Auslastung und viel junges Publikum. Aber ganz auf die Musicalkarte setzt Sursee nicht: «Die Tantiemen für Musicals belaufen sich auf über 80 000 Franken, das können wir uns nur alle paar Jahre leisten.» Auch in Sursee setzt man deshalb, wie jetzt in Arth, weiterhin auch auf Operettenklassiker wie nächstes Jahr mit der «Fledermaus».

Weiterhin Lokalkolorit

Das Ziel beider Häuser ist, durch Entstaubung und Professionalisierung Negativklischees so weit zu korrigieren, dass das Publikum kommt, egal, welches Stück gespielt wird. Eine entsprechende Image-Korrektur will die Theatergesellschaft Arth unterstützen, indem sie das Theater – ähnlich wie bereits jenes in Sursee – als Kulturhaus mit einem ganzjährigen Programm profiliert. Als Pilot gab es bereits eine Filmvorführung. Zudem wird das Haus für Privatanlässe vermietet, bei denen die Gäste in Backstage-Führungen Theaterluft schnuppern können.

Das könnte auch die lokale Bindung verstärken, die durch die Professionalisierung ein Stück weit verloren geht. Die Zeiten, als Laien in bis zu 30 Aufführungen in grossen Solorollen brillierten, dürften vorbei sein. Die Identifikation, die das stiftete, ist beiden Bühnen aber auch heute noch wichtig. So treten in Nebenrollen und im Chor noch immer Laien aus der Region auf und sorgen für das Lokalkolorit, das traditionell zum Reiz solcher Operetten beiträgt.

Urs Mattenberger

Sursee und Arth verführen zur Operette

Der Maler Armando Cellini ist durch sein Bild «Maske in Blau»über Nacht berühmt geworden. Doch was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Maske? Die Operetten-Revue erzählt eine bittersüsse Liebesgeschichte, umrahmt mit eingängigen Melodien und Tänzen aus den 1920er-Jahren wie Foxtrott oder Charleston. Die von Fred Raymond vor fast 80 Jahren komponierte Operette «Maske in Blau» wurde mehrfach verfilmt, die Titel daraus wurden zu richtigen Schlagern.


Samstag, 9. Januar, 17.00, Premiere
Stadttheater Sursee, Aufführungen bis 19. März; VV: www.stadttheater-sursee.ch oder Stadttheater Sursee, Theaterstr. 5, Sursee, oder Tel. 041 920 40 20 (nachmittags).


Im Zentrum der Geschichte steht die Liebe zwischen der erfolgreichen Varieté-Sängerin Sylva Varescu und dem Fürstensohn Edwin Lippert-Weylersheim. Die beiden möchten gerne heiraten, doch seine Eltern versuchen dies aus Gründen der Etikette mit aller Macht zu verhindern. «Die Csárdásfürstin» ist Emmerich Kálmáns erfolgreichstes Werk. Die Operette von 1915 ist ein musikalisches Feuerwerk zwischen Wiener Walzer und ungarischen Csárdásklängen, Lieder daraus sind legendär geworden.

Samstag, 9. Januar, 17.00, Premiere
Theater Arth, Aufführungen bis 19. März; VV: www.theaterarth.ch oder Tel. 041 855 34 20 (Mo/Mi/Fr, 9.00–11.00).

red

Sara Hugelshofer und Simon Witzig. (Bild: PD)

Sara Hugelshofer und Simon Witzig. (Bild: PD)

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