Swingende Song-Fuhr mit den vier Stars

The Manhattan Transfer haben ein bisschen Show-Feeling ins KKL Luzern gebracht. Man muss es nicht lieben, aber kann es mögen.

Pirmin Bossart
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The Manhattan Transfer mit Pepe Lienhard (rechts).

The Manhattan Transfer mit Pepe Lienhard (rechts).

Bild: Manuela Jans Koch (Luzern, 16. Januar 2020)

Keck und gut gelaunt beginnt die Show mit dem Stück «Swing Balboa (Down on Riverside)» aus ihrem aktuellen Album «The Junction». Sängerin Janis Siegel trägt ein Glitzershirt und imitiert mit der Stimme eine Art Trompete, die anderen tänzeln und singen den Background. Da sind sie, die weltberühmten The Manhattan Transfers: Die Sängerinnen Janis Siegel und Cheryl Bentyne sowie die Sänger Trist Curless und Alan Paul, der das Gesangsquartett in den frühen 1970er- Jahren mitbegründet hat.

Die legendäre Gesangsformation ist bekannt für ihr breites Repertoire, das bis in die Swingära zurückgeht, Doo-Wop, Jive und frühen Rock’n’ Roll nicht auslässt und auch mit einigen Popwelthits bestückt ist. Auf der KKL-Bühne werden die vier munteren Legenden, die Luzern natürlich grandios finden – «it’s a thrill to be here» – von einem soften Jazz-Quartett begleitet. Und von der Pepe Lienhard Big Band. «Pepi» wird freundlich begrüsst von Alan Paul, die beiden haben sich schon in den 1980er-Jahren in Frankfurt auf der Bühne getroffen.

Die Manhattan Transfers sind nicht mehr die Jüngsten, der Gründer Tim Hauser ist 2014 gestorben, aber ihr musikalisches Rezept und ihre vokale Beweglichkeit halten sie weiterhin jung und sorgen für sehr gute Unterhaltung. Nicht alles funktioniert für unsere Ohren gleich gut. Eine schlechtere Version von «Route 66» haben wir beispielsweise noch nie gehört. Der Song wird vom dekorativen Stimmengetänzel förmlich erledigt.

Süffiger Verschnitt aus Swing und Jive

Der grösste Teil ihrer gegen 20 Songs, die sie inklusive Zugaben über die Bühne bringen, ist ein süffiger Verschnitt aus Swing und Jive. Das Tempo ist eher schnell, sentimentale Balladen werden auf ein Minimum beschränkt. Dazu wird getanzt und gelächelt, gescattet und geschnalzt, sogar eine Spur Beatboxing ist auszumachen. In wechselnden Konstellationen lassen The Manhattan Transfers ihre Stimmen erklingen und zirkulieren. Mehrstimmig, zwei gegen zwei, einer gegen Background, A Capella und in Vollmontur mit der Big Band.

Nach den ersten Songs, die das Quartett mit seiner Band allein bestreitet und zu denen auch eine gute Version von «The Duke of Dubuque» gehört, kommt die Pepe Lienhard Big Band auf die Bühne. Lienhard ist ein sympathischer Mensch, dem das schweizerische Jazz- und Popwesen viel verdankt. Der Bandleader hat mit Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und Quincy Jones gespielt und mit seinem Orchester jahrelang Udo Jürgens begleitet.

Solistisch passiert nur wenig

Die erste gemeinsame Nummer mit der Big Band ist «Tuxedo Junction», die Glenn Miller 1940 zum Hit gemacht hat. Es folgen mehrere Stücke von Count Basie, zu denen John Hendricks Lyrics geschrieben hat. Aufhorchen lässt der Song «Jeannine» von Duke Pearson, der sich mit seinem eher dunklen Timbre nicht nur wohltuend vom grell gesägten Rest des Materials abhebt, sondern auch ein kurzes wildes Tenorsaxofonsolo aus der Lienhard Band abpfeffert.

Solistisch passiert wenig an diesem Abend. Das Gewicht liegt auf den Stimmen, die sich beturteln und verschränken. Oder auch mal im vierstimmigen Rap glänzen: So bei der Nummer «Cantaloop (Flip out!)». Sie basiert auf der Interpretation der englischen Jazz-Rap Band Us3’s, die dafür ihrerseits ein Sample aus Herbie Hancocks «Cantaloupe Island» adaptiert hatte. Gut ins Ohr geht auch «Birdland», ein Stück von Weather Report (Joe Zawinul), das die Manhattans mit einem Text von Jon Hendricks «vokalisieren».

In der ersten Zugabe «Cho Cho Ch’Boogie» darf der gleiche Tenorsaxofonist der Lienhard Band nochmals zweimal kurz aufkreischen, dann folgt die Latin-Stimmungsbombe «Tequila/The Way of the Booze» und dann ist Schluss. Aber Nein! Noch fehlt ein Stück, und es wird selbstverständlich kredenzt. Der Schummerklassiker und Seelentröster. «Chanson d’Amour». Rä dä dä dä dä.