SWISS MUSIC AWARDS: DJ Bobo und Mundart siegen

An den Swiss Music Awards feierte sich gestern eine Branche, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Auch im Hallenstadion zeigte sich: Swissness ist gerade mächtig Trumpf.

Michael Graber/Zürich
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Jubel bei DJ Bobo: Er erhielt einen Award für sein Lebenswerk. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 10. Februar 2017))

Jubel bei DJ Bobo: Er erhielt einen Award für sein Lebenswerk. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 10. Februar 2017))

Michael Graber/Zürich

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Der Patient ist angeschlagen, aber feiern kann er noch. Die Schweizer Musikindustrie hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen. Zum Vergleich: Der Umsatz aus Musikverkäufen in der Schweiz hat sich seit den fetten 90er-Jahren mehr als halbiert. Zwar hören immer mehr Leute immer mehr Musik, Streaming und Youtube sei Dank, aber sie bezahlen dafür auch immer weniger. Gerade einmal ein Dutzend Musiker können in der Schweiz nur von der Musik leben, rechnet etwa die «Bilanz».

All diese Zahlen waren aber gestern im Hallenstadion kein Thema. Die Swiss Music Awards sind das grosse Fest der Branche. Da wird über den roten Teppich stolziert und sich mit Sekt zugeprostet, als gäbe es keine Krise. Insofern wirken die Swiss Music Awards etwas anachronistisch. Während sich die Industrie im Sinkflug befindet, wurden sie seit ihrer ersten Ausgabe vor zehn Jahren grösser und glamouröser.

Seven holt den «Artist Award» ab

Das ist vielleicht auch der Grund, warum manche Musiker etwas fremdeln mit dem Preis. Hinter vorgehaltener Hand kritisieren sie die Dimension des Preises und zweifeln seine Strahlkraft an – erschienen sind dann gestern trotzdem wieder fast alle. Selbst mit einem serbelnden Riesen will man es sich schliesslich nicht verscherzen.

«Mein Dank geht an alle, die Musik kaufen», sagte dann auch Trauffer, als er seinen Preis für das «Best Album» abholte. Er ist einer der erfolgreichsten Vertreter der Schweizer Musik. Er konnte heuer unter anderem Doppelplatin entgegennehmen. Das meint 40000 verkaufte Platten. Das ist umso erstaunlicher angesichts der Tatsache, dass längst nicht alle Platten in den Top 30 des vergangenen Jahres eine Goldene Schallplatte erhalten haben – das wären 10000 verkaufte Einheiten.

«Musik ist nicht Mittel zum Zweck, Musik ist der Zweck», freute sich der Luzern-Aargauer Seven, als er den «Artist Award» erhielt. Das war eine schöne Dosis Idealismus. Sonst hatte davon in der schnellgetakteten Show nur wenig Platz. Eigentlich sind da Verkaufszahlen normalerweise deutlich wichtiger.

Da war es fast schon rührend, als Emil Steinberger (84) eine etwas längliche Rede auf Mani Matter hielt, der posthum einen Preis für sein Lebenswerk erhielt. Solche entschleunigten Momente würden dem Award ganz generell gut tun. Das ist schweizerischer als jeder Song von DJ Antoine.

Ansonsten ist auch an den Swiss Music Awards zu beobachten, was in der Musikbranche gerade zieht: Swissness. Schluneggers Heimweh werden da ernsthaft als «Best Breaking Act» (später noch als «Best Group») ausgezeichnet. Mundart trumpft gerade gross auf. Trauffer (doppelt), Nemo, Hecht und das Hitprojekt Schluneggers gehen allesamt mit einem Betonklotz nach Hause. Ihr Erfolgsgeheimnis ist die Nähe, die sie zum Publikum herstellen – mal etwas gar einfach volkstümlich, mal moderner. Damit verkauft man heute CDs.

DJ Bobo wird Elton John überholen

Einer, der nichts mehr beweisen (und auch nicht wirklich verkaufen) muss, ist DJ Bobo. Er wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet und punktet zwar nicht mit Mundart, sondern mit seiner ganz eigenen Demut. Er wirkte aber unter all den Trauffers auch ein bisschen wie ein Exot. Einen Grossteil seines Erfolgs hatte er ausserhalb der Schweizer Grenzen. Für all die Mundartsänger ist halt automatisch spätestens an den Alpen Schluss. Dieses Jahr spielt Bobo zum 18. Mal im Hallenstadion, «nur Elton John war mehr hier», sagte er. Auch diesen Rekord wird er mit ziemlichen Sicherheit noch knacken.

Gerade solange sich die Schweizer Musikindustrie in der Krise befindet, wird man sich vor allem auf bewährte Werte verlassen. Das sorgt leider nicht für sonderlich spannende Preisverleihungen, aber vielleicht ist auch das gerade typisch schweizerisch.

Hecht gewinnen Live Award

Preise An der Award-Show wurden zahlreiche Preise verliehen. Relevant sind vor allem die Sieger in den nationalen Kategorien:

Best Female Solo Act: Beatrice Egli

Best Male Solo Act: Trauffer

Best Group: Schluneggers Heimweh

Best Breaking Act: Schluneggers Heimweh

Best Talent: Nemo

Best Act Romandie: Mark Kelly

Best Live Act: Hecht

Best Album: Trauffer «Heiterefahne»

Best Hit: Dabu Fantastic «Angelina»

Artist Award: Seven

Outstanding Achievement Award: DJ Bobo

Tribute Award: Mani Matter (mg)