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TANZ: «Ein Roboter beschwert sich nie»

Das Festival Steps zeigt Tanz in all seinen Facetten. In Luzern kommt es zum Duett zwischen Mensch und Maschine.
Interview Edith Arnold
Huang Yi und seine Industrieroboterin Kuka sind ein ungewöhnliches Tanzpaar. (Bild: PD/Jacob Blickenstaff)

Huang Yi und seine Industrieroboterin Kuka sind ein ungewöhnliches Tanzpaar. (Bild: PD/Jacob Blickenstaff)

Interview Edith Arnold

Zählen wir Kuka ebenfalls zu den 160 Tänzerinnen und Tänzern von Steps (s. Box). Die Roboterin reist aus Taiwan an. Sie ist eine Meisterin der Drehung, überhaupt der Präzision. Vor allem aber ist Kuka das erweiterte Ich von Huang Yi, 32, ihrem Duettpartner, Choreograf und Programmierer. Die Story: Mit zehn Jahren gehen Huang Yis Eltern bankrott. Ein Umzug vom grossen Haus in eine kleine Wohnung erfolgt. In der Enge wird dem Jungen bewusst, dass er ein perfekter Erwachsener werden muss, der funktioniert wie geschmiert, eine Arbeitsmaschine. Als scheu­er, Technologie-affiner Tänzer hat er später die Idee, mit einem Industrieroboter aufzutreten. Wir haben Huang Yi ein paar Fragen ins Flugzeug geschickt.

Huang Yi, Sie sind viel unterwegs. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Huang Yi: Auf der Bühne.

Welche Bühne?

Yi: Das spielt keine Rolle. Für mich sind Bühnen reale Orte. Sie sind wirklicher als das Leben ausserhalb. Dieses erscheint mir manchmal künstlich. Ich arbeite viel, um auf der Bühne Momente der Wirklichkeit zu erfahren.

Ihr Lieblingskünstler ist der Schweizer Bildhauer Alberto Giacometti. Weshalb?

Yi: Mich fasziniert, wie seine körperhaften Figuren im Raum wirken. Sie sind real und imaginär zugleich. Zudem haben ihre Positionen etwas Tänzerisches und Mechanisches.

Von wann datiert eigentlich Kuka?

Yi: Bezüglich Körper oder Programmierung? Vor sechs Jahren rief ich die Kuka Company an. Das Unternehmen ist weltweit für Robotik und Automationstechnologie bekannt. Man sagte mir, Menschen dürften sich nicht in der Nähe sich bewegender Industrieroboter aufhalten. Wenn ich aber eine Lösung fände, würden sie mir einen leihen. Wenig später war es so weit.

Wie kommuniziert ihr?

Yi: Kuka hat eine eigene Programmiersprache. Ich brauche mindestens zehn Stunden, um eine Minute für die Bühne zu programmieren – meine Tanzschritte sind dabei nicht einberechnet.

Die Tänzerin aus Metall und Strom ist vom Typ KR16-3, was für Kuka Roboter, 16 Kilo Traglast, 3. Generation, steht. Kuka hat sechs Achsen respektive Gelenke. Besonders in kleinräumigen Zonen reagiert die Industrieroboterart flexibel und hochdynamisch. KR16-3 können im Halbkreis zirkulieren. Sie bewegen sich auch linear oder von Punkt zu Punkt. Dabei erreichen sie bis 2 Meter pro Sekunde. Huang Yis Kuka führt die meisten Bewegungen von einer fixen Position aus.

Wie entwickelt sich Ihre Roboterin?

Yi: 2013 in Linz hatten wir Uraufführung. Das Stück entwickelt sich weiter. Kuka fordert mich ständig auf, über Bewegungen nachzudenken.

Was kann Kuka besser als Tänzer aus Fleisch und Blut?

Yi: Sie wird nie müde, beschwert sich nie.

Womit tut sie sich schwer?

Yi: Mit Sprüngen – ganz besonders mit Sprüngen in Bewegungsabfolgen!

Haben Sie Kuka schon mal als Metallhaufen beschimpft?

Yi: Ich bin ihr Programmierer.

Sie müssen Nerven wie Drahtseile haben.

Yi: Ich muss kaum etwas erklären. Nach der Aktivierung des Startknopfes wissen wir, was wir zu tun haben.

Beeinflusst Kuka Ihre Bewegungen?

Yi: Auf der Bühne ist höchste Aufmerksamkeit angesagt. Die kleinste Geste muss hochpräzis sein. Mit Hu Chien und Lin Jou-Wen gesellt sich im aktuellen Stück ein Tänzerpaar dazu. Die Bewegungs­maschine Kuka fordert uns alle heraus.

Denken Sie, dass sich die Menschen zunehmend mechanisch bewegen?

Yi: Gerade durch die Technologie zeigen Körper mehr Potenzial als je zuvor. Leute bewegen sich schneller und vielseitiger. Sie betreiben Extremsportarten, stärken sich durch Superfood, messen ihre Leistungen. Zudem fördern Highspeed-Kameras den Sinn für Details und Schönheit.

Wie gehen Sie durch die Strassen?

Yi: Ich mag Skateboard. Doch als Tänzer darf ich nicht zu schwierige Sprünge machen. Ich will mich ja nicht verletzen.

Für Sie ist Huang Yi & Kuka ein Prozess zur Verschönerung von Kummer und Sorgen aus Ihrer Kindheit. Wie weit sind Sie?

Yi: Ich versuche, Emotionen als Formen und Strukturen zu zeigen. Meine Gefühle dazu rücke ich in den Hintergrund.

Sie sagen, wir seien alle grösser werdende Kinder, aber immer Kinder. Was bleibt gleich?

Yi: Wenn ich etwas Schönes sehe, möchte ich es mit anderen teilen.

Eine Vorschau auf das Stück finden Sie hier.

Von Ballett bis Party

Festivalea. Alle zwei Jahre wird die Schweiz durch das Migros-Kulturprozent Tanzfestival Steps zur Tanzzone. Bis zum 1. Mai werden alle möglichen Stilrichtungen gezeigt. Aus Südkorea und Taiwan kommen zwei Compagnien, die verschiedener nicht sein können: Hier Huang Yi & Kuka (Interview) mit einem Duett zwischen Mensch und Maschine. Dort Eun-Me Ahn, die alte Landsfrauen auf die Bühne holt, die sich neben jungen Profitänzern zu Party-Girls entwickeln. Tanz mit Wissenschaft verbinden derweil die Company Wayne McGregor und die Cie Gilles Jobin. Mit Ballet Junior de Genève, Eastman/Sidi Larbi Cherkaoui, Candoco Dance Company oder São Paulo Dance Company werden weitere Tanzvorstellungen befriedigt.

In der Zentralschweiz treten auf:

  • Huang Yi & Kuka: 12. April, Südpol, Luzern.
  • Aakash Odedra: 13. April, Theater Casino, Zug, und 30. April, Luzerner Theater, Luzern.
  • Sydney Dance Company: 17. April, Theater Casino, Zug.

www.steps.ch

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