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Fünf neue Schweizer Jugendbücher

Michèle Minelli rollt eine Familientragödie auf, und in der Edition 3 des Schweizer Verlags da bux geht es viermal um Grenzerfahrungen – straff und taff erzählt.
Bettina Kugler
Michèle Minelli: Die Autorin legt bewegende Lektüre auch für Jugendliche vor. (Bild: PD)

Michèle Minelli: Die Autorin legt bewegende Lektüre auch für Jugendliche vor. (Bild: PD)

Zwanzig Seiten Klassenlektüre an einem eintönigen Schulnachmittag – für Elea dehnt sich dabei die Zeit ins Endlose. «Das Buch war schlecht und interessierte sie keinen Deut. Es war so herablassend. Als wüchse ein ausgestreckter Zeigefinger aus den Seiten heraus, der mit unartigen Jugendlichen schimpfte.» Bla, bla, bla ... Elea meint, die Stimme ihrer Mutter zu hören, und die hängt ihr zum Hals heraus. «Eine Diskussion entwickelte sich nicht. Wahrscheinlich hatte niemand das Buch gelesen, geschweige denn gut gefunden.»

Knapp sechzig luftig bedruckte Seiten

Der Thurgauer Krimiautor und Journalist Severin Schwendener gönnt sich in seiner ansonsten straff erzählten Story «Biohacker» diesen kleinen Umweg ins Schulhaus – um sich von solcherart Büchern mit einem Anflug von Sarkasmus abzusetzen. Herablassend, mit einem Zeigefinger auf jeder Seite: So wollen die Her­ausgeber und Mitstreiter des jungen, 2016 gegründeten Verlages da bux bei ihrem jugendlichen Zielpublikum nicht wahrgenommen werden. Schwendeners «Biohacker» ist einer von vier Titeln, die diesen Herbst als Edition 3 bei da bux erschienen sind.

Alle vier Bücher widmen sich brisanten Themen, sie meiden komplizierte Satzkonstruktionen und hochtrabende Wörter, und sie fahren die Hemmschwelle für schwache Leser augenfällig herunter: Keines hat mehr als sechzig Seiten Umfang, und die wenigen Seiten sind luftig bedruckt.

Michèle Minelli: Passiert es heute? Passiert es jetzt?, Jungbrunnen-Verlag, 160 S., Fr. 27.–

Michèle Minelli: Passiert es heute? Passiert es jetzt?, Jungbrunnen-Verlag, 160 S., Fr. 27.–

Es geht also flott zur Sache, in knappen Dialogen und konzen­trierten Innensichten der Hauptfiguren. Da ist etwa Bobo, der «Biohacker», ein Doktor Frankenstein der Oberstufe: Nichts kann ihn von seinem Plan abbringen, die Algen seines Aquariums mit einem Baukasten zur Genmanipulation ein wenig aufzupimpen – weder seine Sandkastenfreundin Elea noch Luca, der ihm vorwirft, in die Schöpfung einzugreifen. Ansichten wie im Mittelalter, findet Bobo. Da ist er, der Zeigefinger: Doch in den Geschichten von Severin Schwendener und Stephan Sigg, Katja Alves und Karin Bachmann verhandeln die jugendlichen Protagonisten Werte und moralische Fragen untereinander.

Rückblenden auf ein Leben im Korsett

Vergleichsweise harmlos ist, wie Esmeralda in Katja Alves’ «Erwischt!» um Aufmerksamkeit in der Klasse kämpft. Sie sammelt «Trophäen», im Klartext: sie lässt hier und da in der Schule etwas mitgehen. Stephan Sigg zeichnet in «21 Tage» das Porträt einer finanziell klammen Rest­familie ohne Vater – als Wettlauf gegen die Zeit. Es droht der Rauswurf aus der ohnehin zu kleinen Wohnung, weil Leons alleinerziehende Mutter die Miete nicht bezahlen kann.

Der Text erzählt von Scham und Heimlichkeit, lässt ahnen, wie peinigend es für Jugendliche in der Schweiz ist, von Armut betroffen zu sein. Karin Bachmann schliesslich hat mit «Monster im Dunkeln» einen äusserst verknappten Thriller geschrieben: spannend vor allem deshalb, weil die Hauptfigur Arjen blind ist.

Gerade erst hat Michèle Minelli den Roman «Der Garten der anderen» bei Salis herausgebracht; zeitgleich erscheint ihr Jugendroman «Passiert es heute? Passiert es jetzt?» über einen tyrannischen Vater und den katastrophalen Befreiungsschlag seiner Familie. Erzählt wird nicht linear, sondern in Bruchstücken aus der Jugendpsychiatrie und in verstörenden Rückblenden auf ein Leben im Korsett. Minelli rollt den auf Tatsachen beruhenden Fall sprachlich hochsensibel auf: Das ist bewegende Lektüre, wie sie auf rund fünfzig Seiten wohl nicht möglich wäre.

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