Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Luzerner Theater im Südpol: Tanzkünstler müssen alles können

Zum Saisonfinale zeigt Tanz Luzerner Theater jeweils Choreografien aus dem Tanzensemble. Am Mittwoch feierte eine siebenteilige Show Premiere. Die Reise zum Südpol lohnt sich.
Edith Arnold
Auch theatralisch hat das Tanzensemble einiges zu bieten, wie in dieser Szene im Stile von Agatha Christie. (Bilder: Ingo Höhn /Luzerner Theater)

Auch theatralisch hat das Tanzensemble einiges zu bieten, wie in dieser Szene im Stile von Agatha Christie. (Bilder: Ingo Höhn /Luzerner Theater)

Es spielt sich im Keller des «Südpols» ab. Der Salon ist mit einem Kleiderständer, einem Polstersessel und weissen Lilien vor blutrotem Hintergrund bestückt. Ein anonymer Gastgeber hat fremde Leute zu einer Cocktailparty eingeladen. Bald erscheint ein erster Mann, hängt seinen Mantel an den Kleiderständer, der sogleich auf mysteriöse Weise umfällt. Eine Dame im Blumenkleid betritt die Szenerie, gefolgt von einem Herrn in Schale. Drei Männer und drei Frauen sind es schliesslich. Man gibt sich vornehm, versucht sich in Behauptungen, offenbart dabei auch simple Gelüste. Etwa nach einem der Äpfel auf dem Boden.

«Be prepared for 15 Minutes of Madness inspired by the mystery Writings of Agatha Christie», warnt das Programmheft. Tatsächlich: Nach einem Biss in den Apfel fällt der Mann im grauen Anzug zu Boden. «Oh my god!», meint die Dame in Schwarz. Man kann sich dann doch noch dazu bewegen, die Haltung abzulegen, um den Mann wiederbeleben.

Gleiche Szene wiederholt sich – immer schneller

In der Folge zeigt sich, dass es hier auch um Tanz geht. Die gleiche Szene wiederholt sich, wird aber immer komplexer und schneller, die Bewegungen hätten wohl noch mehr aufgedreht werden können. Höhepunkt der Bewegungskunst: der Halbtote, vielleicht Tote, der auf den Sessel geworfen wurde. Dort klebt er dann, in regungsloser Eleganz, umringt von hysterischem Getue. Zum klangvollen «O Fortuna» von Carmina Burana endet das 15minütige Kriminalstück von Zach Enquist. Der Tänzer beweist auch als junger Choreograf sein Talent für Komik.

Die Dame im blumigen Cocktailkleid wischt mit einem Besen den Fünfzigerjahre-Groove von der Bühne weg. Spannungsvolle Heiterkeit bleibt nach dem ersten Stück zurück. Sieben «Choreographien und Konzepte» stehen bei «Dancemakers #9» auf dem Programm. Die Voraussetzungen sind auch dieses Jahr gleich: auf der 12 mal 7 Meter grossen Bühne kann das Tanzensemble eigene Ideen inszenieren. Nur dem Budget sind Grenzen gesetzt. Alle Requisiten und Kostüme müssen die Tänzerinnen und Tänzer selber organisieren. In kürzester Zeit sind so unterschiedlichste Stücke entstanden.

Tänzerisches ist ebenfalls zu sehen.

Tänzerisches ist ebenfalls zu sehen.

Improvisation oder durchdachte Planung? Nebenan, auf der Tribüne, erhebt sich eine Frau. Mit schöner Körperspannung schreitet sie auf die Bühne zu. Es ist Olivia Lecomte, die zum Solo «LIVing» ansetzt. Die britische Tänzerin wie auch der israelische Tänzer-Choreograf Dor Mamalia verlassen das Ensemble auf Ende der Spielzeit. Die leere Bühne scheint Lecomte mit Erinnerungen zu füllen. Zwischendurch hält sie inne, um sich dann wieder in den schönen Flow von insektischen Bewegungen zu begeben. Für den Applaus rennt der Choreograf kurz von der Videokamera weg auf die Bühne. Alle nehmen mehrere Rollen wahr.

Ästhetische Pornostudie

Und manchmal sind es sogar ziemlich persönliche Szenen. Dunkel ist es auf der Bühne zu «Women’s Studies». Eine Frau und ein Mann legen offenbar eine Sexnummer hin. Soviel verraten zumindest die quietschenden und rhythmischen Geräusche. Die «Pornostudie» bleibt allerdings ästhetisch. Irgendwann stellt sich heraus, dass die zwei auch privat ein Paar sind.

Auch im Stück von Carlos Kerr Jr. wird schnell klar, wie viel Tanz ohne Worte ausdrücken kann. Eine Person im weissen Kittel, daneben eine Person auf der Liege? Willkommen in einer öffentlichen Psychotherapiesitzung! Während sich die Klientin an den Kopf fasst, materialisieren sich ihre Gedanken im Hintergrund. Dort spielt eine zweite Tänzerin Schlüsselszenen, die zum Problem geführt haben. Nach einigen Sitzungen entspannt sich die Gemütslage. Doch welche Störung hat eigentlich der Psychiater? Schizophrenie und Zwangsstörung inspirierten den jungen Choreografen zum Stück. Selber soll sich der New Yorker vor Abgründen bei Wolkenkratzern oder Bergen fürchten, wie er später bekennt.

Nach eineinhalb Stunden erscheinen alle Tänzerinnen und Tänzer respektive Choreografinnen und Choreografen auf der Bühne. Und wenn man das heterogene Ensemble so auf einer Linie sieht, hat man das Gefühl, der gemeinsame Spass an der Tanzsache sei echt: So viel inspirierte Bewegungskunst auf diesem hohen Niveau. Die Reise zu den «Dancemakers» im «Südpol» lohnt sich definitiv.

Neun weitere Vorstellungen ab heute Freitag noch bis 15 Juni. www.luzernertheater.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.