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TANZPERFORMANCE: Kontaktsuchende Kreaturen am Südpol in Kriens

Beatrice Fleischlin setzt am Südpol Kriens ihre «Radical Hope»-Reihe fort. In «Radical Hope/Creatures» erlebt man eine sehr archaische Form von Kontaktaufnahme unter Lebewesen.
Julia Stephan
Verheddern sich im Geäst und in der Sprache: Beatrice Fleischlins «Kreaturen» auf der Südpol-Bühne. (Bild: Roberto Conciatori/PD)

Verheddern sich im Geäst und in der Sprache: Beatrice Fleischlins «Kreaturen» auf der Südpol-Bühne. (Bild: Roberto Conciatori/PD)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Seit geraumer Zeit ist die Luzerner Performerin Beatrice Fleisch­lin Associated Artist am Krienser Südpol. Demzufolge taucht sie regelmässig in der Agenda des Hauses auf, das für freie Theaterproduktionen zu einem wichtigen Produktionsort geworden ist.

Vor Ort entwickelt hat sie auch ihre «Radical Hope»-Reihe. Gemäss Südpol-Veranstaltungstext versteht Fleischlin darunter eine «künstlerische Suche nach einer Praxis der Einmischung». Die Arbeiten seien «ein Plädoyer für den Möglichkeitsraum», der sich auftue, «wenn man keine Zäune um die eigene Verletzbarkeit» hochziehe.

Einleuchtend sind diese Zeilen auch nach der zweiten Lektüre nicht. Doch bei Fleischlin war und ist seit eh und je die auf der Bühne kreierte Emotionalität viel mächtiger als theoretisches Beiwerk. Der Auftakt «Radical Hope/Pilatusblick» im letzten Herbst überzeugte und berührte durch seine Menschlichkeit. Die Performerin Anja Meser und Fleischlin hatten mit einer Handvoll junger Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und Äthiopien aus dem Krienser Asylzentrum Zuma Pilatusblick deren autobiografische Fluchtgeschichten verarbeitet.

Das Gesicht bleibt verdeckt

Die zweite Produktion der Reihe, «Radical Hope/Creatures», die am Mittwochabend im Südpol Premiere feierte, ist mit Profis entstanden und vielleicht deshalb abstrakter. Zwischen den autobiografischen Geschichten der jungen Laiendarsteller von letztem Herbst und diesen sich stumm über die Bühne robbenden Kreaturen liegen Welten.

Die Kostümbildnerin Diana Ammann hat diesen Wesen, die sich mehrheitlich im vorsprach­lichen Stadium aufhalten, mit ihren grossartigen Entwürfen aus zusammengenähten Schlafsäcken und allerlei Daunenzeugs eine unförmige Physiognomie geschaffen. Das wichtigste Merkmal ihrer Individualität – das Gesicht – bleibt bei allen Kostümen verdeckt.

Robben, schlängeln, rollen, hieven

Wie ein wachsender Zellhaufen liegen diese Wesen zunächst nah beieinander und suchen ein bisschen Nestwärme. Dann sondern sie sich ab, kriechen, robben, schlängeln, rollen und hieven sich im Rhythmus der von Remo Helfenstein (Sounddesign und Gesang) generierten, hart ins Dämmerlicht einbrechenden Töne und nutzen dabei vielfältig die Beweglichkeit ihrer zentralen Körperpartien.

Dennoch tritt dieser internationale Haufen aus Performern – Remo Helfenstein, Frontmann der Band Les Yeux Sans Visage, die Tänzerin Hora Hohberg, der Perkussionist und Performer K. Urbain Guiguemdé aus Burkina Faso, die taiwanesische Tänzerin und Choreografin I-fen Lin sowie der niederländische Szenograf Nico de Rooij – immer wieder miteinander in einen Dialog.

Etwa, wenn I-fen Lin ausdrucksstark in ihrer Mutter­sprache eine Geschichte erzählt, während sie sich in dem auf der Bühne platzierten Haufen aus Baumästen verheddert und die Sprachen mit ihr – später werden alle in wildem Smalltalk in ihrer Muttersprache sprechen. Oder wenn K. Urbain Guiguemdé mit einem Perkussionsinstrument und seiner Stimme das giesskannenförmig und sparsam über die Bühne gegossene Dämmerlicht (Lichtkonzept: Nico de Rooij)aufhellt.

Zögerliche Schritte

Gegen Ende der etwa 70-minütigen Performance mehren sich die Momente individuellen Ausdrucks. Aus den Kreaturen werden Charaktere, die sich auf­richten und zögerlich Schritte aufeinander zu machen, um im nächsten Moment wieder vor ihrem eigenen Mut zurückzuschrecken. In diesen Momenten scheinen sie auf, diese «Momente der Verletzbarkeit», um die es Beatrice Fleischlin in ihrer «Radical Hope»-Reihe zu gehen scheint.

Hinweis

«Radical Hope No2/Creatures». Tanzperformance von Beatrice Fleischlin u. v. a. Südpol, Kriens. Heute Fr, 23. 2., 20 Uhr. Weitere Aufführungen im Herbst 2019 in der Gessnerallee Zürich.

www.sudpol.ch

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