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Blutiger Tarantino-Streifen wird in einem ehemaligen Schlachthaus bühnenreif

Der Schauspieler und Regisseur Manuel Kühne erfüllt sich mit der Bühnenadaption des Tarantino-Gangsterfilms «Reservoir Dogs» einen langgehegten Schauspielertraum. Warum einen Gewalt auf der Bühne oft kaltlässt, erklärt er im Gespräch. Am 11. Dezember wird das Stück im Theaterhaus Südpol Kriens uraufgeführt, einem ehemaligen Schlachthaus.
Interview: Julia Stephan
Manuel Kühne im Bühnenbild seines Tarantino-Stücks «Like a Virgin» im Südpol in Kriens. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 4. Dezember 2018))

Manuel Kühne im Bühnenbild seines Tarantino-Stücks «Like a Virgin» im Südpol in Kriens. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 4. Dezember 2018))

Manuel Kühne, als Tarantino-Fan haben Sie einst an der Schauspielschule die erste Szene aus «Reservoir Dogs» von Schauspielern eine Nacht im Loop durchspielen lassen – unter massivem Alkoholeinfluss. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen?

Mir wurde bewusst, wie bühnentauglich dieser Film über acht Gangster, deren Raubüberfall völlig aus dem Ruder läuft, eigentlich ist. Es ist ein Kammerspiel: Fast alles trägt sich am selben Ort zu. Als Schauspielschüler war ich überzeugt, dass irgendwann mal jemand diesen Film auf die Bühne bringen würde. Dass ich’s einmal selbst tun würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe einige der Erfahrungen aus jener Nacht für das Stück übernommen – doch dieses Mal ohne Alkoholpegel.

Die Gespräche in dieser Stammtischszene, die sie nachspielten, sind banal und unglaublich fesselnd zugleich. Acht Gangster diskutieren das Für und Wider von Trinkgeld und über den Madonna-Song «Like a Virgin». Warum macht das dennoch Eindruck?

Quentin Tarantino wirft banale filmische Mittel, die man bestens kennt, in einen Schüttel­becher – und schon wird etwas Simples, das du hundert Mal gesehen hast, megacool. Wir haben uns gefragt: Können wir die gängigen theatralen Mittel auch in den Schüttelbecher schmeissen?

Ein Beispiel?

Bei uns ist die auditive Ebene ganz stark. Der Zuschauer wird Schritte hören, oder Pinkelgeräusche. Weil die Geräusche so klar und so eingängig sind wie bei Tarantino – der überhöht die Geräuschebene ja extrem, wenn er den Schüssen oder der aufplatzenden Haut eine Lautuntermalung gibt –, ist das extrem plastisch. Man wird zum Voyeur.

Der Blutzoll bei einem Tarantino-Film ist hoch. Haben Sie das Splätterli-Theater um Blut angefragt?

Zu Beginn dachten wir tatsächlich, wir müssten literweise Blut bestellen. Aber die Audioebene auf der Bühne erschien uns letztlich viel stärker. Wir triggern das Kopfkino des Zuschauers, indem wir die Gewalt nur in seinem Kopf abspielen lassen. Weil man nichts sieht, hat man aber auch keinen Anhaltspunkt, ob nicht doch gefoltert wird.

"Im Theater hat man zu keinem Zeitpunkt Angst um die Figuren."
Manuel Kühne, Schauspieler und Regisseur

Wenn man sich im Theater ein tödliches Degenduell aus dem «Hamlet» anschaut, erscheint das wie eine Akrobatiknummer. Warum ist das im Film anders?

So was muss dann schon brillant durchchoreografiert sein, damit es im Theater nicht lächerlich wirkt. Im Theater hat man zu keinem Zeitpunkt Angst um die Figuren. Wir wollen genau das mit unserem Stück ändern. Wir wollen, dass die Leute Angst haben.

Mit dem Schauspieler Christoph Künzler haben Sie das perfekte Double für Lawrence Tierney gefunden, der den Gangsterboss Joe Cabot spielt. War die optische Ähnlichkeit bei der Besetzung Hauptkriterium?

Ja, aber nicht nur! Für mich trägt jeder Gangster im Film spezielle Gewalt in sich. Mr. White repräsentiert die distinguierte Gewalt. Er folgt seinem eigenen Moralkodex, kann aber jeden jederzeit umlegen. Mr. Pink zelebriert die verrückte Gewalt. Mr. Blonde ist ein Psychopath. Ich habe Schauspieler angefragt, bei denen ich fand, dass sie einem Typus entsprechen. Patric Gehrig schien mir für die unberechenbare ­psychopathische Gewalt des Mr. Blonde die perfekte Besetzung.

Was machen Sie mit dem offenen Sexismus, dem Rassismus und den homophobischen Sprüchen, die zwischen den Gangstern kursieren?

Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir aus dem Stück heraustreten und das jetzt kommentieren müssen. Oder ob es reicht, wenn wir als Produktionsteam eine klare Haltung dazu haben. Wir haben diese Stellen schliesslich nicht umschifft. Nur weil diese Themen gerade so im Fokus unserer Gesellschaft stehen und auch wenn wir die #MeToo-Debatte für sehr wichtig halten: Es gibt sie immer noch, diese Stammtischtypen, die unbeeindruckt von solchen Debatten dieselben Sprüche klopfen.

Like a Virgin. Südpol Kriens. Premiere: Di, 11.12., 20 Uhr. 13./14./15.12.
Infos und Tickets: www.sudpol.ch

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