Kolumne

«Tatort»: Eine unzuverlässige Kronzeugin bereitet den Ermittlern Probleme – das ist toll gespielt, aber nicht gerade originell

Im neuen Dresdner Tatort müssen die Ermittler mit einer jungen Zeugin zusammenarbeiten, die schwer traumatisiert ist und die Realität mit Fiktion vermischt. Ob das gelingt?

Susanne Holz
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«Tatort» aus Dresden: «Parasomnia». Sonntag, 20.05, SRF 1.

«Tatort» aus Dresden: «Parasomnia». Sonntag, 20.05, SRF 1.

Bild: SRF

«Parasomnia» ist einer der «Tatorte», die sich nicht entscheiden können, ob sie lieber Krimi oder Gruselfilm sein möchten. Das muss man mögen. Und so ist es klug, wenn Schauspielerin Karin Hanczewski alias Oberkommissarin Karin Gorniak im Interview fröhlich prophezeit: «An diesem ‹Tatort› werden sich die Geister etwas scheiden.» Apropos Geister. Mit solchen sieht sich die Protagonistin der Dresdner Folge konfrontiert, die 16-jährige Talia, gespielt von der 20-jährigen Hannah Schiller.

Die eigentümliche Alterslosigkeit dieses jungen Mädchens, das vor Jahren seine Mutter bei einem Unfall verlor und nun mit dem Vater in ein grosses baufälliges Haus in ländlicher Umgebung zieht, ist das vielleicht Faszinierendste an «Parasomnia», gedreht und geschrieben von zwei bewährten Köpfen: Sebastian Marka und Erol Yesilkaya.

Talia wird direkt beim Einzug ins rurale Geisterhaus Zeuge eines Mordes, den sie jedoch sofort verdrängt und die Bilder von Opfer und Täter durch andere Bilder ersetzt. Dafür lauern ihr des Nachts Spukgestalten auf und stören ihren Schlaf. Aus wissenschaftlicher Sicht nennt sich das Parasomnie – der gestörte Schlaf, nicht die halluzinierten Geister.

Und bei allem, was sie tut und nicht tut, ob es das gefasste Vertrauen in Oberkommissarin Leo Winkler (Cornelia Gröschel) oder das Erdulden von Gemeinheiten im Schulzimmer ist – bei all dem lässt sich nie genau sagen, ob die gebeutelte Talia nun sechs oder sechzehn ist. «Ich weiss, dass ich komisch bin», erklärt dieses sanfte Wesen einmal. Dessen psychologische Zeichnung macht diesen Krimi aus, dem ein originellerer Schluss noch gutgetan hätte.

Den Trailer finden Sie hier.