Tatort-Kolumne
Die bösen Erben und das liebe Geld

Im neuen Schwarzwald-«Tatort» steht das Kommissaren-Team Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) einer Familie gegenüber, die nicht versteht, warum ihr Familienoberhaupt sie enterben möchte.

Julia Stephan
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Sind die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) einer Erbschleicherin auf der Spur? So eindeutig ist der Fall nicht.

Sind die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) einer Erbschleicherin auf der Spur? So eindeutig ist der Fall nicht.

Bild: Das Erste

So traditionell und lehrbuchmässig, wie dieser «Tatort» aus dem Schwarzwald in seine sorgfältig gezimmerte Geschichte einsteigt, wäre die Versuchung eines schnellen Ausstiegs gross gewesen. Wenn das Familienoberhaupt einer reichen Unternehmerfamilie die Treppe runterstürzt, ist das für eine langjährige «Tatortianerin» wie mich kein Triggerpunkt mehr. Da hilft auch nicht, dass Stunden vorher die alte Dame noch ihre Gesellschafterin heiratet. Und dass sie nur wenige Minuten vor ihrem tödlichen Sturz Tochter, Sohn und der verwaisten Nichte erklärt, dass genau diese Gesellschafterin die Familienvilla erben soll.

Alternative Wahrheiten im Erbschaftsstreit

Was der «Tatort» – «Was wir erben» später daraus macht, ist dann aber zum Glück mehr als ein albernes Oberschichtengeplänkel, bei dem sich Streithähne hasserfüllte Blicke zuwerfen und alte Rechnungen begleichen. Es geht um Vorurteile, die sich in jedem Erbschaftsstreit zu alternativen Wahrheiten auswachsen können. Dann etwa, wenn man den letzten Willen seiner Verwandten emotional nicht nachvollziehen kann und begünstigte Menschen mit sehr knappem Geldbeutel sich in der Fantasie der Angehörigen plötzlich zu gierigen Blutsaugern auswachsen.

So geht es auch der Freiburger Unternehmerfamilie Klingler, denen die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) hier auf den Zahn fühlen müssen. Eine ruhige, manchmal fast zu überschaubare Geschichte ist aus diesem «Tatort» geworden, die einen weniger mit ihrem Fall fesselt – der ist irgendwie absehbar – als mit der Thematik, die er transportiert.

«Tatort »- «Was wir erben». So, 25.4., 20.05 Uhr. SRF 1.

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