Tatort-Kolumne
In der neuen Tatort-Folge aus Frankfurt wird Kommissar Felix Murot philosophisch

Ein zehntes Mal Ulrich Tukur als feingeistiger Kommissar Felix Murot im neusten Tatort. Der Hessische Rundfunk feiert das mit einem Dreh in Frankfurt, wo einst die grossen Denker zu Hause waren.

Susanne Holz
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«Tatort» mit Ulrich Tukur: «Murot und das Prinzip Hoffnung».

«Tatort» mit Ulrich Tukur: «Murot und das Prinzip Hoffnung».

Bild: Das Erste

Zum zehnten Mal darf diesen Sonntag Felix Murot vom Landeskriminalamt Wiesbaden ermitteln – und zwar in Frankfurt. Ulrich Tukur feiert ein kleines Jubiläum als tiefsinniger Kommissar Murot. Könnte mit ein Grund sein, warum dieser «Tatort» im einstigen Zentrum europäischen Denkens spielt.

Frankfurt, so Drehbuchautor Martin Rauhaus, assoziiere er mit der «Frankfurter Schule», mit Adorno, Horkheimer, Bloch. So trägt der Krimi auch den Titel «Murot und das Prinzip Hoffnung», in Anlehnung an das Hauptwerk des Philosophen Ernst Bloch.

Tatort in Frankfurt: Feingeister und Familien

Eine Ausgabe von Blochs Hauptwerk findet sich beim getöteten Obdachlosen Jochen Muthesius, ehemaliger Philosophieprofessor, bei dem Murot vor Jahren studierte. Die Geschichte um eine Mordserie – Muthesius ist Opfer Nummer drei – und die Kinder des Professors hat ein paar Löcher in der Logik. Man findet sie nicht unbedingt brillant. Der feingeistige Tukur als feingeistiger Murot macht das aber wett.

Zudem ist der tatverdächtige Nachwuchs des Ermordeten hochkarätig besetzt mit Lars Eidinger, Karoline Eichhorn und Friederike Ott. Eine weitere Rolle gehört der immer wieder faszinierenden Angela Winkler. Sie spielt, in dieser süffisanten Familienaufstellung, die gebildete Nachbarin mit missratenem Sohn – auch dieser ein möglicher Mörder. «Haben Sie mal in seine Augen gesehen?», meint die Bildungsbürgerin zum Kommissar. «Dahinter ist keiner zu Hause.»

Szenen voller Magie

Regie führte mit Rainer Kaufmann ein alter Meister seines Fachs, der diese Folge schlussendlich leuchten lässt. Mit Szenen voll von Magie, in denen sich Schauspiel- mit Regiekunst verbindet. Selbst ein überstrapazierter Song wie «Wish you were here» wirkt hier wie neu.

«Tatort» mit Ulrich Tukur: «Murot und das Prinzip Hoffnung». Sonntag, 21. November 2021, SRF 1, 20.05 Uhr. Wir geben vier von fünf Sternen.

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