Tatort-Kolumne

Ein Burgherr landet auf dem Seziertisch – und schon kommt eine blutrünstige Familiengeschichte zum Vorschein

Im neuen Tatort aus Münster ist der Burgfriede nicht nur im Ermittlerteam gefährdet.

Julia Stephan
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Ungewöhnliches Bild in der Pathologie: Prof. Karl-Friedrich Boerne muss in eine Ritterrüstung schlüpfen, um den Fall zu lösen.

Ungewöhnliches Bild in der Pathologie: Prof. Karl-Friedrich Boerne muss in eine Ritterrüstung schlüpfen, um den Fall zu lösen.

Bild: Das Erste

Kostümfilmschmelz und Burgromantik in behaglichen und satten Farben zur Vorweihnachtszeit, das musste nach den ausgezeichneten, aber harten Jubiläumsfolgen einfach mal erlaubt sein. Es gibt nur zwei Teams, denen ich einen Kostümfilm im «Tatort»-Gewand wirklich zutraue: Den mit Goethe-Zitaten um sich werfenden Karikaturen aus Weimar. Und dem Team aus Münster mit seinem Oberaristokraten Prof. Karl-Friedrich Boerne.

Nun wird das Münsteraner Team das jungfräuliche Thema am dritten Advent mit ein paar geschickten, aber leider sehr routinierten Schwerthieben erledigen. Und man staunt, dass es 38 Folgen gebraucht hat, dass in Münster auch mal ein Mann in Ritterrüstung auf Boernes Obduktionstisch zu liegen kommt.

Der Tote, ein bekannter Kirmes-Unternehmer, hatte sich kurz vor seinem Tod ein Schloss gekauft, das er in einen Vergnügungspark für Mittelalterfreaks umwandeln wollte. Jetzt liegt er ertrunken im Burggraben, und Thiel traut dem Burgfrieden zwischen den verbliebenen Geschwistern und der viel zu jungen Witwe nicht.

Während sich Kommissar Thiel als Reaktion aufs Thema einen zotteligen «Game of Thrones»-Bart wachsen lässt, Boerne mit Ritterrüstung durch die Pathologie gockelt und Staats­anwältin Klemm sich standesgemäss mit einem Staatsanwalt duelliert, reichen sich in diesem Fall die blutige Historie Münsters, der Tote im Burggraben und das internationale Drogengeschäft so unschuldig die Hände, wie das nur in Münster möglich ist. Leider eiert der «Tatort» in voraussehbaren Münsteraner Dialogen herum, statt die richtig spannenden Schlachten zu schlagen.

«Tatort» – «Es lebe der König!», SRF2, Sonntag, 20.05 Uhr.