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Tatort Kosta Konkordia: Ein Unglück wird zum Krimi

Der Aargauer Krimiautor Patrick Salm entwickelt aus Tatsachen rund um die Havarie Kreuzfahrtschiff eine spannende fiktive Geschichte.
Peter Siegrist
2012 verunglückte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia. Es ist Anlass für Patrick Salms Krimi «Das Geheimnis der Kosta Konkordia». Bild: Getty Images (Giglio, 14. Januar 2012)

2012 verunglückte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia. Es ist Anlass für Patrick Salms Krimi «Das Geheimnis der Kosta Konkordia». Bild: Getty Images (Giglio, 14. Januar 2012)

Der Westaargauer Krimiautor Patrick Salm präsentiert mit «Das Geheimnis der Kosta Konkordia» seinen vierten Roman. Seit 2013 hat Salm alle zwei Jahre ein neues Buch mit einer spannenden Geschichte vorgelegt. Die vierte Geschichte ist losgelöst von den ersten Romanen, wenn es auch Parallelen gibt.

Salm schreibt auch in seinem vierten Roman konsequent als Ich-Erzähler. So gelingt es ihm, mit Distanz und Nähe, mit Emotionen und rationalem Denken zu spielen. Die Hauptfiguren erhalten rasch Konturen, die Ich-Form bringt Nähe. Lediglich erklärende Nebenszenen werden in sachlicher Er-Form hinzugefügt.

Am 13. Januar 2012 lief das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia mit 4200 Menschen an Bord von Civitavecchia in Richtung Savona aus. Die an der Route liegende Insel Giglio sollte sehr dicht passiert werden. Dabei rammte das Schiff nach einem Kursänderungsmanöver einen vorgelagerten Felsen (Isole le Scole) Der Rumpf schlug auf einer Länge von 70 Metern leck, das Schiff wurde manövrierunfähig und letztlich ans Ufer der Insel Giglio getrieben, wo es in Schieflage geriet und zu kentern drohte. 32 Menschen verloren bei dieser Havarie ihr Leben.

Patrick Salm nimmt die Fahrt der «Kosta Konkordia» zum Anlass und Ursprung seines Romans. Der Autor als Ich-Erzähler nimmt seine Leser mit aufs Schiff, schildert die Stimmung an Bord, beschreibt den «Kerzenlichterglanz» und setzt sich als Silvan Aebischer, Ingenieur aus Zug, an den Tisch zum Dinner mit illustren Gästen, während sich das Schiff langsam Giglio nähert. Am Tisch kommt das Gespräch in Fahrt, Männer und Frauen mustern sich, die Männer setzen sich in Szene. Aebischer hat als Ingenieur für die «Kosta Konkordia» ein Steuerungssystem entwickelt und eingebaut.

So wie Aebischer einerseits am Tisch schon bald das schöne Model Anna anlacht, lässt erahnen, dass sich da eine Geschichte anbahnt. Doch andrerseits erkennt derselbe plötzlich die Kursänderung des Schiffes. Noch während der Schiffspianist zufälligerweise «My Heart Will Go On» aus dem Film «Titanic» intoniert, erschüttert ein heftiger Stoss das Schiff und lässt die Gläser klirren. Und damit steckt Aebischer bereits mitten in einer Handlung, die an Dramatik ständig zunimmt.

Patrick Salm hält sich zu Beginn an die Berichte und Tatsachen, entwickelt aber daraus rasch eine fiktive Handlung, welche mit ihrer Spannung den Leser mitzieht. Dem Protagonisten Aebischer gelingt es, das Schiff zu verlassen und dabei auch heldenhaft die schöne Anna zu retten. Die beiden erreichen im allgemeinen Chaos die kleine Insel und finden bei einem alten Mann Unterschlupf.

Die Kursänderung des Schiffs war manipuliert

Wer Salms Romane kennt, erahnt, was folgt, Anna und Silvan kommen sich näher und verbringen eine erste Liebesnacht im kleinen Haus. Eine Prise Erotik gehört zu Salms Geschichten, so wie das jetzt folgende abenteuerliche Geschehen, von dem natürlich nichts verraten sei.

Nur so viel: Die Kursänderung des Schiffes war manipuliert worden, und Aebischer beginnt zu recherchieren, um den Verdacht abzuwenden, dass ihn und seine Firma die Schuld an der Havarie trifft. Dabei geraten er, dann Anna und weitere Personen ins Umfeld von Terroristen und in eine Welt voller menschlicher Abgründe.

Patrick Salm gelingt es gut, die Handlung zu verdichten und rasch voranzutreiben. Er zieht den Handlungsstrang durch bis zum Showdown in Israel am Ende des Romans. Dabei wechselt er die Schauplätze mehrmals, zuerst Italien, dann geschieht Entscheidendes in Stuttgart und später im Nahen Osten. Salms Text ist spannend und unterhaltend zugleich, dies auch wegen der tragfähigen Nebenhandlungen. Salm schürt im Leser Zweifel und lässt über Strecken Fragen offen, was die Spannung nur steigert.

Die erotischen Eskapaden und das «heldenhafte» Verhalten von Silvan sind gewissermassen das Salz in der Geschichte. Silvan, der Schweizer Ingenieur, entwickelt im Verlauf der Geschichte einen unglaublichen Spürsinn und lässt sich zu einer wahren Heldentat verleiten.

Dass dabei die Frauengestalten gelegentlich etwas auf schön, sexy und tapfer reduziert werden, gehört hier zur Geschichte, ist ihr aber nicht abträglich. «Das Geheimnis der Kosta Konkordia» ist ein Roman, der sich gut liest, weil spannend und flüssig geschrieben. Die Handlung bricht nie ab, Salm gelingt es, beim Leser das Kopfkino in Gang zu setzen. Sodass man denkt, vielleicht wäre der Roman gar einmal Vorlage für ein Drehbuch.

Hinter dem Pseudonym Patrick Salm steht ein Autor, der im Westaargau ein Unternehmen führt. Weil er sich zum Teil aus dem operativen Geschäft zurückzog, hat er sich in den letzten Jahren den Freiraum für seine Leidenschaft, das Schreiben, geschaffen.

Informationen zum Buch

Patrick Salm. Das Geheimnis der Kosta Konkordia, 298 Seiten (Novum Verlag).

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