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THE KELLY FAMILY: Sie sind wieder da

Man hasste sie, oder man liebte sie – dazwischen gab es in den 1990er-Jahren eigentlich nichts. Jetzt ist die Kelly Family zurück – mit neuen Frisuren und alten Hits.
Britta Schultejans, dpa
Die Kelly Family 2017. Jetzt ohne Paddy und Maite. (Bild: Helen Sobiralski)

Die Kelly Family 2017. Jetzt ohne Paddy und Maite. (Bild: Helen Sobiralski)

Britta Schultejans, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

Es ist jetzt rund zwei Jahrzehnte her, dass eine Grossfamilie mit langem, wallendem Haar Teenies in Wallung versetzte und reihenweise in Ohnmacht fallen liess. Wer nichts anfangen konnte mit diesem Phänomen, der entwickelte nicht selten eine leidenschaftliche Ablehnung. Die Kelly Family gehörte in den 1990er-Jahren gleichzeitig zu den beliebtesten und umstrittensten Protagonisten im «Bravo»-Universum.

Mit über zwanzig Millionen verkauften Tonträgern gehörten sie, die ihre Karriere als Strassenmusiker starteten, in alten Bussen und auf einem Boot lebten, nach Angaben ihrer Plattenfirma zu den erfolgreichsten irischen Bands aller Zeiten. Das Album «Over The Hump» wird der meistverkaufte Longplayer der deutschen Musikgeschichte. Nach ihrem Durchbruch 1994 spielten die Kellys Konzerte vor bis zu 250 000 Fans – vor rund zwanzig Jahren aber war Schluss damit, und einige Kellys machten höchstens noch solo von sich reden.

Tanz, Sport und Meditation

Maite Kelly gewann die RTL-Show «Let’s Dance» und singt inzwischen deutschen Schlager, Paddy Kelly (in den 1990ern auch dank des passenden Alters der erklärte Publikumsliebling) ging erst ins Kloster und singt inzwischen auch allein, und Extrem-Sportler Joey Kelly machte wohl bei allen Wettbewerben mit, zu denen Stefan Raab ihn jemals aufgefordert hat.

Maite und Paddy fehlen zwar nun bei der grossen Reunion, die nicht nur das neue Album «We Got Love» mit neu aufgenommenen, alten Songs umfasst, sondern auch drei grosse Konzerte in Dortmund im Mai und eine Tour im kommenden Jahr mit Halt im Hallenstadion. Das erste Konzert war innerhalb von 18 Minuten ausverkauft, auch für die Zusatzshows gibt es nach Angaben der Plattenfirma keine Karten mehr.

Joey ist aber beim Comeback dabei – ebenso wie Angelo Kelly, der kleine Junge von damals, der glockenhell und mit Engels­locken einen der grössten Kelly-Erfolge, «An Angel», sang und die Fans damals zu Tränen ­rührte. Heute singt seine elfjährige Tochter Emma das Lied mit ihm, weil er seit seinem Stimmbruch die hohen Töne nicht mehr hinkriegt.

Als wären sie nie weg gewesen

«Als wir das erste Mal zusammen in einem Kreis standen und zusammen gesungen haben in diesem typischen Kelly-Chor, da war es so, als wäre nichts gewesen», sagt der inzwischen 35 Jahre alte fünffache Vater Angelo Kelly. «Der Chor stand nach zwanzig Jahren da wie eine Eins. Das ist einfach in unserer DNA drin, und das kriegt man nicht so einfach weg. Das war schon der Knaller.»

Die Kelly Family hat für das Album die wichtigsten Songs ihrer Bandgeschichte wie «I Can’t Help Myself» oder «Fell in Love With An Alien» neu aufgenommen, auch wenn vieles – wahrscheinlich zur Freude alter Fans – nahezu unverändert klingt.

Nur dort, wo sonst die Stimme von Leadsänger Paddy erklang, ist jetzt oft Angelo zu hören, der keine Engelslocken, dafür inzwischen aber eine erwachsene und mehr als brauchbare Stimme hat.

Der unverkennbare Kelly-Sound

Es sind aber auch fünf neu aufgenommene Lieder wie der Titelsong «We Got Love» dabei, die zwar auch den unverkennbaren Kelly-Sound haben – aber ein bisschen moderner und temporeicher klingen, als die vor allem nostalgieweckenden alten Titel. Die erste Single ist mit «Nanana» ein Kelly-Klassiker.

Heute müsse sich die Band beim Singen allerdings mehr Mühe geben, betont Angelo: «Ich singe nicht mehr wie mit zwölf, und wir sehen auch nicht mehr so knackig aus. Wir müssen heute besser singen, damit das nicht auffällt.»

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