James Galway im KKL: The «Man with the golden Flute» feierte und erzählte so manches

Flötist Sir James Galway beging seinen 80. Geburtstag im KKL. Ein Abend mit Musik, berühmten Freunden und vielen Anekdoten.

Roman Kühne
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Sir James Galway in seiner Wahlheimat Meggen.

Sir James Galway in seiner Wahlheimat Meggen.

Nadia Schärli
(31. Oktober 2017)

Nervös steht der Mann an der Kasse. Er sei Querflötenlehrer und mit all seinen Schülern, 15 an der Zahl, aus Schaffhausen angereist. Jetzt bräuchte er dringend Programme für die Schützlinge. Er muss sich mit der Hälfte begnügen. Zu gross ist der Run an diesem Samstagabend.

Der KKL-Konzertsaal ist zur Feier des 80 Geburtstages von Sir James Galway voll. 1898 Personen wollen den Flötenstar erleben. Vorne sind sogar die zwei, selten aufgebauten Zusatzreihen besetzt. Auch die Bühne weist auf den speziellen Anlass hin. Links hat es eine gemütliche Couch-Ecke: Ort, des Gesprächs und der Gratulationen.

Unter der Orgel hängt die grosse Leinwand. Immer wieder werden Glückwünsche aus aller Welt eingespielt. Der nordirische Landsmann und Hollywoodstar Liam Neeson tritt kurz auf. Filmmusikkomponist Howard Shore wünscht das Beste. Mit ihm hat James Galway die Musik für «Herr der Ringe» eingespielt. Ian Anderson, der Rocker unter den Flötisten und Frontmann von Jethro Tull, intoniert ein jazziges Ständchen. Der italienische Tenor Andrea Bocelli singt zum Gruss, spielt gar kurz die quere Pfeife.

Er ist der einzige Flöten-Superstar

Er ist der «Man with the golden flute» und bis heute der einzige wirkliche Superstar der Klassik-Querflöte. Seit Jahren lebt er in Meggen und es war sein Wunsch, den 80. Geburtstag im KKL zusammen mit den Festival Strings Lucerne zu begehen. Dem Orchester, mit welchem er vor über 40 Jahren seine ersten Mozart Konzerte einspielte.

Sein Ton klingt auch heute noch grossartig. Die Wärme, mit der er den Schlusssatz aus dem zweiten Flötenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart spielt. Seine Flexibilität im Ansatz und die Leichtigkeit der Artikulation zaubern Farbe und Eleganz in die Noten. Die Kadenz gestaltet er mit vielen Sprüngen, ein eigentliches Showstück, mit Humor gewürzt.

Schalk und Schlagfertigkeit zeigt er auch im Gespräch. «Nein, es ist nichts Gutes dabei, wenn man 80 wird», antwortet er auf die entsprechende Frage. «Aber für die entsprechende Party bin ich immer bereit.» Auf seinen teils schwer zu verstehenden irischen Akzent angesprochen, meint Sir James: «Machen Sie sich keine Gedanken. Meine Frau (die Amerikanerin Jeanne Galway) versteht mich seit 35 Jahren nicht. Dies hat wohl unsere Beziehung gerettet.»

Bühne frei für den Nachwuchs

Musikalisch war sein Weg früh vorgezeichnet. «Mein Grossvater, mein Vater und mein Onkel haben Querflöte gespielt. Es war quasi ein Familiengeschäft», erklärt er auf seine unnachahmlich trockene Art. Aber es wäre wohl nichts aus ihm geworden, hätte er nicht «mit 12 diese unglaublich gute Lehrerin gehabt, die eigentlich Sängerin war.»

Gespräche und Videos nehmen etwas gar viel Platz ein. Doch zum Glück wird auch Musik gemacht. Einerseits ist es vor allem Sir James Galway und seine Lady Shawn, die etwa zusammen mit dem Violinisten Daniel Dodds ein festliches Brandenburgisches Konzert (Bach) zelebrieren. Auch die Festival Strings zeigen sich in Hochform. Die «Streicherserenade» von Edward Elgar spielen sie sie sinnlich und duftend: Sehnsucht im Nirgendwo, atmender Moment des träumenden Verlangens.

Die aufspielenden Gäste entstammen dem «Who is Who» der internationalen Flötenszene: Da sind etwa der amerikanische Solist Thaddeus Watson auf dem Piccolo, der Italiener Andrea Griminelli, lang­­jähriger Musikpartner von Luciano Pavarotti oder der mit dem zweiten Flötenkonzert von Saverio Mercadante virtuos aufspielende Andrea Oliva, ebenfalls aus Italien.

Einer der Höhepunkte ist der Schluss, als sich gegen dreissig Flötenschüler von Sir James Galway auf der Bühne versammeln. Zusammen mit den Solistenstars intonieren sie die «Galway Fair» von David Overton, quasi der Hauskomponist der Galways. Und natürlich darf auch das Geburtstagslied nicht fehlen.