The Notwist sind frisch und energiegeladen geblieben

Grosser Publikumsaufmarsch im Neubad für eine grossartige Band: The Notwist haben ihr Soundtrack-Set mit alten Hits erweitert.

Pirmin Bossart
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The Notwist brillierten im Neubad. Bild: (Roger Grütter, 23. November 2019)

The Notwist brillierten im Neubad. Bild: (Roger Grütter, 23. November 2019)

Sie würden ein 45-minütiges Set mit Film- und Theatermusik spielen und dann, wenn das Publikum noch nicht genug habe, vielleicht ein paar zusätzliche Songs, sagte Gitarrist Markus Acher. Daraus wurde im zweiten Teil ein langer intensiver Bogen mit alten Songs & Hits vom Album «Neon Golden» und Co., die auch mal dubbig und technoid ausgeweitet wurden. An beiden Pool-Seiten tanzten Leute, Applaus toste zwischen den Songs. Es war für Luzerner Verhältnisse geradezu frenetisch.

Viele der gut 300 Personen kannten die deutsche Band noch aus den frühen Nuller-Jahren und wollten ihr einziges Konzert in der Deutschschweiz nicht verpassen. Auch wer aus Neugier ging, wurde nicht enttäuscht. Die Band aus Oberbayern ist mit wechselnden Konstellationen und Phasen seit 1989 aktiv und hat einen Grad an professioneller Verschworenheit erreicht, der noch nicht vom Big Business verbogen ist. Sympathisch wortkarg und dafür musikalisch rau und expansiv spielten sich die sechs Instrumentalisten dicht verzahnt durch analoge und digitale Hörfelder. An der Pool-Rückwand flackerten die Visuals.

Leichtfüssig und bezwingend zugleich

The Notwist haben weltweit ihre Fans und ihren Respekt. Four Tet, Caribou, Grizzly Bear oder Panda Bear haben ihre Songs remixt. Die Elektronik ist früh in diese ursprüngliche Indie-Gitarrenband eingeflossen. Heute verbinden sie elektrisches Rocksetting sehr musikalisch mit Synthies, digitalen Klangprogrammen und Vibraphon. Und in einer Natürlichkeit, wie man sie live selten so leichtfüssig und trotzdem bezwingend hört.

Im ersten Konzertteil mit Film-, Theater- und Hörspiel-­Tracks wurden polyrhythmische Instrumentalstücke entwickelt und von experimentellen Klang-­Oasen durchbrochen. Oft bildeten minimalistische Rhythmen mit Vibraphon und Tasten die Ausgangspunkte, kamen Melodien dazu, der schlanke Gesang von Acher. Und bildeten sich repetitive Riff- und Groove-Verlinkungen, die experimentierfreudig expandierten. The Notwist brachten auch einen Trance-­Moment ins Spiel. Hier war es das brillante Zusammenspiel mit dem analog-elektronischen Instrumentarium, das zum Kern für die Dynamik und den Sog ihrer Songs wurde. Explizit etwa im Song «Pilot», in den die Band eine Art elektronischen Remix ihrer selbst integrierte und dann wieder zum Gitarrensong zurückkehrte.

Das Konzert mag dem einen oder der anderen den Glanz alter Indie-Bands wieder in Erinnerung gerufen haben. Aber da malochte in lauter Pracht vor allem eine Band, die keinesfalls stehengeblieben ist.