«THE WOLVERINE»: Eine neue Bühne für «X-Men» Wolverine

2000 eroberten die «X-Men»-Mutanten das Kino. Seither sind fünf Sequels, Prequels und Spin-offs entstanden. Wo soll das hinführen?

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Logan (Hugh Jackman) rettet in Japan Mariko (Tao Okamoto).

Logan (Hugh Jackman) rettet in Japan Mariko (Tao Okamoto).

Zurzeit scheinen wir in der Hochblüte der Comic-Verfilmungen zu stecken. Allein während der letzten zwei Jahre stürmten 14 Superhelden-Blockbuster der führenden Comic-Giganten, DC Comics und Marvel, die Schweizer Kinosäle. Von Spider-Man über Batman bis hin zu Thor retteten sie alle zum wiederholten Male unsere Welt.

2011 waren mit «X-Men: First Class» auch die um Anerkennung kämpfenden Mutanten der Marvel-Comic-Megahitserie «The X-Men» mit dabei, jedoch nicht zum ersten Mal. 2000 eroberten «X-Men» und damit die Bösewichte und Helden Magneto (magnetisch), Professor X (Leiter der Mutantenschule), Wolverine (Selbstheilungskräfte, Knochenkrallen), Storm (kann Wetter kontrollieren) und Co. weltweit die Kinosäle.

Seither forciert Hollywood das Geschäft mit den Comic-Verfilmungen und lässt Comic-Neuverfilmungen, -Fortsetzungen und -Anlehnungen zuhauf produzieren. Auf «X-Men» folgten «X2» (2003), «X-Men: The Last Stand» (2006), «X-Men Origins: Wolverine» (2009), der besagte «X-Men: First Class» (2011), ab morgen «The Wolverine» (2013) und nächstes Jahr soll «X-Men: Days of Future Past» (2014) in die Kinos kommen.

Mal davor, mal danach

Im Falle der «X-Men»-Filme hat Hollywood alle erdenklichen Register der weiterführenden Erzählformen gezogen. Die ersten drei Kinoproduktionen, «X-Men», «X2» und «X-Men: The Last Stand», bilden zusammen eine Trilogie. Sie erzählt vom Schicksal der Mutanten – Menschen, die aufgrund eines aussergewöhnlichen Gencodes übermenschliche Fähigkeiten besitzen – und ihrem Kampf gegen das Böse und um die Akzeptanz gegenüber ihnen als Minderheit. Jeder dieser drei Filme spinnt die Geschichte des Vorfilms weiter und führt zu einem dramatischen Höhepunkt. Somit handelt es sich bei «X2» und «X-Men: The Last Stand» um so genannte Sequels.

Auch im Falle von «X-Men: The Last Stand» klingelten die Kassen, doch die Trilogie war zu Ende, und Hollywood musste sich etwas einfallen lassen, um mit den Mutanten weiter Geld scheffeln zu können. So entstand die «X-Men Origins»-Filmidee, anhand der die Ursprünge jedes einzelnen Charakters separat ausgeleuchtet werden sollten. Damit sollte zeitlich gesehen das Feld vor der Trilogie beackert werden (anhand so genannter Prequels). Die Figur des Wolverine durfte 2009 den Auftakt machen, «X-Men Origins: Magneto» und «X-Men Origins: Storm» sollten bald folgen, was jedoch bis heute nicht geschehen ist. Stattdessen entstand «X-Men: First Class». «First Class» beleuchtet keine Einzelschicksale, sondern erzählt die Vorgeschichte der ganzen X-Men-Truppe und ist in der Erzählstruktur vor der Trilogie und «X-Men Origins: Wolverine» anzusiedeln. Hierzu wurden alle Rollen bis auf jene des Wolverine, der seit Anbeginn von Hugh Jackman gespielt wird, neu besetzt.

Ob die Vorgeschichten zu einem späteren Zeitpunkt wieder Thema werden, bleibt abzuwarten, doch mit «X-Men: Days of Future Past», der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll, wird die Geschichte von «First Class» und «The Last Stand» weitererzählt, womit der Film also als Sequel zu den bisherigen Filmen fungieren soll. Und der morgen anlaufende «The Wolverine»? Er ist als Spin-off gedacht und soll die Figur des Wolverine auf gänzlich eigene Wege führen.

Wolverine geht nach Japan

Hugh Jackman sagte in einem kürzlich erschienenen Interview zu «The Wolverine» von Regisseur James Mangold: «Wir haben den Film ganz bewusst nicht ‹Wolverine 2› genannt, denn wir wollen, dass dieser Film als selbstständige Erzählung wahrgenommen wird.» So sei die erzählte Geschichte nur lose an «The Last Stand» geknüpft und führe die Figur des Wolverine nach Japan.

Bis auf die Besetzung von Jackman als namengebenden Titelhelden sind alle Rollen mit neuen, zu einem grossen Teil japanischen Schauspielern besetzt. Jackman: «Mit diesem Ansatz werden nur wenige Mutanten neben Wolverine im Film vorkommen. Für mich fühlt sich der Film somit in mehrerlei Hinsicht als komplett neuer ‹X-Men›-Film an.» Damit soll für Wolverine eine neue Bühne bereitgestellt werden.

Wie es nach «Days of Future Past» weitergeht, scheint noch offen zu sein. Im Juli machte Schauspieler Ryan Reynolds jedoch Aussagen zu einem Spin-off seiner Deadpool-Figur aus «X-Men Origins: Wolverine» (2009): «Mal lebt diese Filmidee, mal ist sie wieder auf Eis gelegt.» Das klingt noch nicht allzu optimistisch, doch zeugt es davon, dass Hollywood auch nach 2014 mit den Helden aus «X-Men» die Zuschauer weiter ins Kino locken will. In welcher Form auch immer.

Basil Böhni

Aufpolierte «X-Men» bewahrten Marvel vor dem Bankrott

Nicht nur im Comic (seit 1963), in TV-Zeichentrickserien und Kinofilmen sowie in Computerspielen eilen die «X-Men»-Helden zu Hilfe. Im realen Leben haben sie auch den heute gigantischen Marvel-Comics-Konzern als dessen Flaggschifftitel vor dem Bankrott bewahrt.

Nachdem der Comic und damit auch Marvel als führender Comicverlag in den 1930er- und 1940er-Jahren in den USA ein Hoch erleben durfte, machten ihm lauter werdende Kritik aus der Gesellschaft und eine extra gegründete Comic-Zensurbehörde in den 1950er-Jahren das Leben schwer. Deshalb liess er in den 1960er-Jahren Monster- und Science-Fiction-Geschichten in der Mottenkiste und rückte Superhelden-Storys in den Vordergrund. In dieser Zeit wurde auch «The X-Men» (1963) von Stan Lee und Jack Kirby geschaffen.

Nachdem die Leser in den 1970er-Jahren offenbar genug hatten von den Superhelden, nahmen sich Ende der 1970er-Jahre Chris Claremont und John Byrne der kurz vor dem Aus stehenden «X-Men»-Serie an und polierten sie so sehr auf, dass sie zur erfolgreichsten Comic-Serie der 1990er-Jahre und zum Flaggschiff des Marvel-Konzerns avancierte. Letzteres ist sie bis heute geblieben.

«X-Men» bewahrte Marvel Mitte der 90er-Jahre nach einem Börsendebakel vor dem Aus. 2009 hat Disney für 4 Milliarden Dollar Marvel übernommen.

Die Marvel-Comics sind auch Heimat von weiteren Superhelden, die es in einen Film geschafft haben: «Blade» (3 Filme), «Spider-Man» (4 Filme), «Hulk» (2 Filme), «Iron Man» (3 Filme), «The Avengers» (1 Film).

bb/sda

Menschlichkeit und Martial Arts im Marvel-Universum

Einsam lebt der Mutant Logan (Hugh Jackman) mit Selbstheilungskräften im Wald unter einem Felsvorsprung. Da taucht plötzlich das geheimnisvolle Manga-Mädchen Yukio (Rila Fukushima) auf und lockt ihn nach Japan. Dort angekommen, wird Logan in Intrigen, korrupte Geschäfte und japanische Traditionen verwoben und beginnt – ganz der Held -, die Enkelin eines alten Bekannten zu retten.

Zusammen mit seinen Drehbuchautoren verlegt Regisseur James Mangold die neue Geschichte um eine der vielschichtigsten Figuren des Marvel-Universums ins moderne Japan. Das ist reizvoll. Denn er wechselt seine Settings zwischen der sanften Schönheit des asiatischen Landes und der Hightech-Welt der Industrienation.

Überhaupt sind es die Gegensätze, die diesem Actionfilm seinen Reiz verleihen. Hier Yukio, das rothaarige Manga-Mädchen mit riesigen runden Augen, das Logan mit jeglichen asiatischen Kampfsporttechniken beschützt, da die extrem dünne, sanfte und edle Mariko (Tao Okamoto) als verfolgte Enkelin des japanischen Wirtschaftsbosses.

Tiefe zu schaffen, gelingt im Film nur bedingt. Dafür ist «The Wolve­rine» gut gemachte und spannend in Szene gesetzte Action-Unterhaltung, die selbst «X-Men»-Skeptiker begeistern dürfte.sda

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