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THEATER BALLENBERG: Gotthelf unter freiem Himmel

Gotthelfs «Ueli der Pächter» temporeich und mit viel Action inszeniert: Das Landschaftstheater Ballenberg führt uns die Geschichte der Läuterung des Ueli neu und überraschend vor Augen.
Hans Trachsel, sda
Anmutig: Ueli (Bernhard Schneider) und Vreneli (Aline Beetschen) im Freilichtmuseum Ballenberg. (Bild: Keystone)

Anmutig: Ueli (Bernhard Schneider) und Vreneli (Aline Beetschen) im Freilichtmuseum Ballenberg. (Bild: Keystone)

Hans Trachsel, sda

Letztes Jahr «Ueli der Knecht», nun feierte «Ueli der Pächter» Premiere. Bereits vor dem Start ist das ein riesiger Erfolg: Alle Vorstellungen bis 20. August sind bereits seit April ausverkauft. Gotthelf vor der authentischen Kulisse eines 300-jährigen Bauernhauses aus Madiswil im Freilichtmuseum, das passt zusammen und scheint ein Publikumsmagnet zu sein. Doch das Landschaftstheater Ballenberg (LTB) ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus.

Die Regisseurinnen Renate Adam und Regina Wurster standen vor der Premiere am Dienstagabend vor der Herausforderung, häufig wechselnde Schauplätze für das Sterben der Frau des Glungge-Bauern Joggeli, eine Gerichtsverhandlung oder den Ueli unterwegs zum Markt in Solothurn vor Augen zu führen. All das wurde kreativ gelöst mit Fuhrwerken oder einer Art Guckkastenbühne.

Verhängnisvoller Handel

Gleich zu Beginn haut Ueli einen armen Bauern beim Verkauf einer Kuh tüchtig übers Ohr, was ihm später einen Prozess einträgt. Dabei hätte er auch so genug Sorgen: Wenig taugliches Personal auf dem Hof, Händler, die nie bar zahlen, den ständig querulierenden Verpächter Joggeli im Nacken, wie schon letztes Jahr umwerfend gut gespielt von LTB-Urgestein Paul Eggenschwiler.

Ueli wird immer gereizter und versucht es mit Härte, auch gegen sein geliebtes Vreneli; der Haussegen hängt bald einmal schief. Erst der kleine Ueli, der als zweites Kind geboren wird, schafft eine mildere Atmosphäre. Den Prozess gegen das Mannli gewinnt Ueli zwar, doch das Gewitter danach wirkt wie die vom Unterlegenen angedrohte Strafe Gottes.

Hier hat Bernhard Schneider, der wie schon im letzten Jahr den Ueli spielt, seine stärksten Momente. Er wirkt ohnehin bisweilen etwas fragil und hat nicht die Statur eines urchigen Emmentaler Bauern, doch nun scheint alles verloren: Völlig hilflos steht er im Regen, beginnt zu delirieren, und Vreneli fragt sich, «ob är no bi Verstand isch». Schneider ist der einzige Profi; er harmoniert bestens mit der knapp vierzigköpfigen Laientruppe aus der Region.

«Aufruhr in Nidwalden»

Als Retter in der Not taucht der Hagelhans auf, der knorrige Bauer, den alle fürchten. Er kauft die durch Betrügereien in Konkurs geratene Glungge, und nun können Vreneli und der gereifte Ueli endlich beginnen, als nicht ständig von allen Seiten bedrängte Pächter zu wirtschaften. Vreneli wird anmutig verkörpert von der 20 Jahre jungen Aline Beetschen.

Auf dem Ballenberg kann die durch Film und Fernsehen bereits äusserst populär gemachte Erzählung auf neuartige Weise erlebt werden. Inhaltlich ist Autor Tim Krohn wie schon letztes Jahr behutsam mit der Vorlage des Emmentaler Dichterpfarrers umgegangen.

Mit der Wahl des Stückes für 2017 begibt sich das LTB auf weniger bekanntes Terrain. «Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden» spielt um 1800 und zeigt die Zerrissenheit des Kantons nach der Niederschlagung der Nidwaldner Rebellion durch französische Truppen zwei Jahre zuvor.

Geste an die andere Seite

Es bekriegen sich Patrioten und die Anhänger der neuen Ordnung. Vero­nika Gut, Bäuerin und Mutter von fünf Kindern, kämpft gegen die Helvetik von Napoleons Gnaden.

Mit der Wahl dieses Stücks unterstreicht das Landschaftstheater Ballenberg sein Bestreben, ein breites Spektrum an Theaterschaffen zu zeigen. Dies sei im Sinne des dem ganzen Land verpflichteten Freilichtmuseums für ländliche Kultur auf dem Ballenberg ob Brienz. Es ist zugleich eine Geste an die Adresse des Gebiets auf der andern Seite des Brünigs.

Hinweis

«Ueli der Pächter» läuft noch bis am 20. August, jeweils von Mittwoch bis Samstag. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Eine letzte Möglichkeit für Tickets gibt es jeweils dienstags. Von 14 bis 17 Uhr kann man unter der Nummer 033 952 10 44 ab­fragen, ob Billette zurückgegeben wurden.

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