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THEATER BASEL: Lügen und Fälschen zu Gunsten der Moral

In seinem hervorragenden Stück stellt der Sarner Autor Dominik Busch die Menschheit bloss. Dies gelingt mit frechen Texten, gewagten Bildern und einer einfachen Geschichte.
Flavia Bonanomi
Nadja (Lisa Stiegler) kann auch von Simon (Orlando Klaus) nicht zur Vernunft gebracht werden. (Bild: Kim Culetto/PD)

Nadja (Lisa Stiegler) kann auch von Simon (Orlando Klaus) nicht zur Vernunft gebracht werden. (Bild: Kim Culetto/PD)

Es fängt hell an – und doch irgendwie düster: Bedrückend wirkt die Beschreibung der jungen Nadja, die seit Ewigkeiten endlich wieder einmal ihre Mutter besucht.

Nach peinlichen Kommunikationsversuchen folgt die Einsicht: Genau deshalb ist es so lange her, dass man sich das letzte Mal gesehen hat. Mit ihrer Barbie-Mutter, die eher einem Roboter als einem Menschen gleicht, verbindet die Nadja höchstens die Augenfarbe, vielleicht die Stirnform. Ansonsten kann sie mit dem Auftreten, dem Lifestyle und der Einstellung ihrer Mutter nichts anfangen.

Alte Vorwürfe, neue Formen

Düster ist aber nicht nur das Licht, düster ist auch die Musik: Ein Hauch von Nichts, der doch durch Mark und Bein geht. Am Ende wagt Nadja es tatsächlich zu sagen: Der Film, den sie gedreht hat, ist eigentlich ein Film über ihre Mutter.

Dabei soll es eigentlich über all das gehen, was ihrer Meinung nach falsch läuft auf der Welt: Einschüchterung, Gewalt, Krieg, Ausbeutung, Folter, Gewissen­losigkeit. Mit diffusen, aber eindrücklichen Bildern von Kolumbien, mal von oben, mal von ganz nah, zeigt die Inszenierung des Stücks «Das Recht des Stärkeren» den Zuschauerinnen und Zuschauern ein bisschen etwas davon, was Nadja gesehen hat und was sie nicht mehr loslässt: Bilder von Kohleminen, deren Ausmass nur erahnen lässt, was dafür alles zerstört, wer dafür ­alles verjagt worden ist.

Dabei hat man das Gefühl, dass Nadja nicht die Zustände an sich zu schaffen machen, sondern die Ignoranz der westlichen Welt. Ihre Frage scheint einfach: Weshalb mit Mördern verhandeln? Für Nadja ist die Welt, sind die Menschen schwarz-weiss: gut oder böse, im Recht oder im ­Unrecht. Und in der Einfachheit dieser Weltanschauung wird sie sich selbst verheddern. Lügen und Verfälschen, was soll daran schon so schlimm sein, wenn dem Zweck damit gedient ist? Schliesslich muss sie einen Film machen, und in diesem Film soll die richtige Botschaft überbracht werden.

Wenigstens den Rest der Welt bekehren

Während die junge Dokumentarfilmerin bei ihrer Mutter an deren Uneinsichtigkeit und an den ­üblichen Schranken einer Mutter-Tochter-Beziehung scheitert, hofft sie, den Rest der Welt noch bekehren zu können. Und das um jeden Preis: Ihr Augenzeuge ­Alvaro wird von den Geistern, die sie gemeinsam riefen, eingeholt. Und sie wiederum gleicht am Ende mehr ihrer Mutter als sich selber, von der Kälte im Blick bis zum Plastik-Kostüm.

Zum Glück ist da noch Simon (Orlando Klaus), der sie daran ­erinnert, worum es beim Filmemachen eigentlich gehen sollte; doch Nadja sieht es nicht mehr ein. Am Ende ist Nadja so weit, dass sie die Frage, die sie anfangs ihrer Mutter gestellt hat, getrost an sich selber richten könnte: «Ist gesteigerte Komplexität eine Ausrede für mangelnde Moral?»

Das Stück des Sarners Dominik Busch, welches er im Rahmen des Förderprogramms «Stück ­Labor Basel» verfasst hat, arbeitet mit einem der einfachsten und naheliegendsten Mittel des Theaters: der Unfähigkeit des Publikums und von uns allen, die Probleme der Welt zu lösen, auch wenn man diese noch so genau kennt. In einer nüchternen Inszenierung erzählt «Das Recht des Stärkeren» vom Drama des Alltags. Und davon, wie leicht man dieses wieder vergisst, sobald der eigene Nutzen überwiegt.

Flavia Bonanomi

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«Das Recht des Stärkeren» von Dominik Busch. Regie: Felicitas Brucker. 30. Januar, 9./15./16. Februar, 20–21.20 Uhr, Kleine Bühne, Theater Basel.

www.theater-basel.ch

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