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Theater «Bunkern» ergründet die Sicherheit – mit ein paar Turbulenzen

«Bunkern» von Corinne Maier am Luzerner Theater ist ein unterhaltsames Stück über Sicherheit. Der Theaterabend in der Box hätte aber eine etwas mutigere Inszenierung verdient.
Céline Graf
Balancieren in der Box zwischen Sicherheit und Risiko: Julian-Nico Tzschentke und Adrian Furrer (vorne). (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Balancieren in der Box zwischen Sicherheit und Risiko: Julian-Nico Tzschentke und Adrian Furrer (vorne). (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Es ist paradox. Statistisch gesehen sterben viel mehr Menschen auf einer Treppe als in einem Flugzeug. Dennoch empfinden viel mehr Menschen Fliegen als unsicherer als Treppensteigen. Oft fühlt man sich viel unsicherer als angemessen – und umgekehrt. Diese bemerkenswerte Kluft zwischen realer und gefühlter Sicherheit habe die Recherchen zum Theaterstück «Bunkern» stark begleitet, wie Dramaturg Nikolai Ulbricht am Mittwoch an der Einführung vor der Premiere in der Box sagte.

Er verriet auch, wie die Basler Regisseurin Corinne Maier auf die Idee kam, ihre erste Theaterrecherche in und für Luzern zum Thema Sicherheit zu schreiben. Ein Artikel der «Süddeutschen Zeitung» war es, über das grössenwahnsinnige Kalte-Kriegs-Vorhaben, im Sonnenbergtunnel einen der grössten Zivilbunker der Welt zu errichten.

Dass das Theater gerade auch an diesem Bunker scheitert, ist die bittere Ironie der Geschichte. Aber dazu später. Erst mal gelingt nämlich der Abflug dieses von Regisseurin, Schauspielern, Dramaturg und Bühnen- und Kostümbildnerin kollektiv erarbeiteten Stücks ziemlich gut.

Bonbons für die «Publikumssicherheit»

Abflug ist dabei für einmal keine scheinbar kreative Metapher von Rezensenten, sondern eine tatsächlich angemessene Beschreibung. Wie drei Flugbegleiter, jeansbehost, weissbeschuht und hemdsärmelig, rattern Adrian Furrer, Sofia Elena Borsani und Julian-Nico Tzschentke strahlend Informationen zum Sicherheitszustand der «Box» herunter.

Weshalb und in welches Flugzeug man da gerade eingestiegen ist, und wo der Flug hingeht, ist ungewiss. Aber auch gar nicht wichtig. Denn es ist grad ziemlich lustige Stand-up-Comedy-Stimmung, in ziemlich hohem Tempo, bei eingeschaltetem Saallicht.

Selbst die Schauspieler müssen sich manchmal fast ein Schmunzeln verkneifen, wenn sie mit besorgtem, vertrauensvollem Ausdruck lächerliche Sicherheitsmassnahmen verkünden. So verteilen sie im Publikum Bonbons, damit ja niemand husten müsse. Um aber wiederum niemanden im falschen Moment mit einem Rascheln zu stören, signalisiert ein Jingle den Moment, in dem das Bonbon ausgepackt werden darf. Denn, so die Begleiter, es sei ihre Aufgabe, also die der «Theaterarbeit», die «Publikumssicherheit» zu gewährleisten.

Interessantes zum Hören

Nach dem Prolog beginnen sie, an Schachfiguren erinnernde Holzklötze über die Bühne zu schieben, bis diese einen schützenden Halbkreis bilden. Diese Tätigkeit markiert fortan die Szenenwechsel. Als die Schauspieler wieder zum Publikum sprechen, haben sie einen normalen Gesprächston angenommen.

Als Sofia, Adrian und Julian-Nico, also sich selbst, erzählen sie von ihren Ergebnissen aus der Recherche zum Thema Sicherheit. Dieses hätten sie «sehr breit» gefasst, wie Ulbricht in der Einführung sagte. Sie klopften unter anderem bei der Polizei, der Infektiologie, einem Theologen und einer Versicherung an.

Die Schwierigkeit auf der Bühne ist nun, dass es zwar viel Interessantes zum Hören gibt, aber wenig zum Sehen. Die Inszenierung versucht, das Material aus den Experteninterviews abwechslungsreich zu vermitteln, vom Audioeinspieler über ein Ständchen mit Gitarre bis zum Reenactment, dem Nachstellen von realen Ereignissen.

Körperliche Auslotungen

Das geht vor allem dann gut auf, wenn die Schauspieler die Freiheit haben, etwas exzentrisch oder ausgeflippt zu agieren. Toll etwa Furrer als Bunkerer von ungelesenen Artikeln oder Tzschentke als Hypochonder. Toll auch der unbeholfene Mundartdialog der beiden Deutschsprachigen Borsani und Tzschentke. Toll auch die körperlichen Auslotungen des Spannungsfelds Sicherheit – Risiko auf, unter und an den Holzelementen (Bühne: Nicole Henning).

Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der rote Faden zu schwach und die Inszenierung – ja – zu unsicher ist. Und dass ausgerechnet das Herzstück, die Szene zum Bunker im Sonnenbergtunnel, verschenkt wird. Darin wird hauptsächlich referiert, manches nur aus dem Off ins Leere hinein. Hier würde der Text mehr literarischen, philosophischen Gehalt vertragen. Weniger Realismus, mehr Fantasie.

«Bunkern» in der Box des Luzerner Theaters läuft bis zum 14. Juni.

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