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THEATER: Die neue Dramaturgin will in andere Länder «ausufern»

2016 mischt eine junge Generation Deutscher die Luzerner Theaterszene neu auf. Darunter: die 28-jährige Johanna-Yasirra Kluhs, neue Dramaturgin am Südpol.
Johanna-Yasirra Kluhs an ihrem neuen Arbeitsort, dem Südpol in Kriens. (Bild: Corinne Glanzmann)

Johanna-Yasirra Kluhs an ihrem neuen Arbeitsort, dem Südpol in Kriens. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Deutschen kommen. Und man ahnt, es wird sich was ändern, am Theaterstandort Luzern. Wenn Benedikt von Peter (38) im nächsten Sommer am Luzerner Theater in die Intendantenrolle schlüpft, wird eine neue Ästhetik ins Stadttheater einziehen. Im Südpol, dem Haus der Freien Szene, kommt der Wechsel schon jetzt auf Zehenspitzen. Dank der seit diesem Jahr erhöhten städtischen Subventionsgelder kann sich der Südpol nun eine Dramaturgin leisten. Und die darf zusammen mit dem künstlerischen Leiter Patrick Müller in den Bereichen Schauspiel und Tanz neue Akzente setzen.

Vom Ruhrpott nach Luzern

Gerade erst ist die 28-jährige Johanna-Yasirra Kluhs aus dem Ruhrpott mit seinen Industriebrachen und Kultur­fabriken in die Postkarten-Stadt Luzern gezogen. «Erschlagen worden von so viel Schönheit», wie man ihr prophezeit habe, sei sie nicht. Nach dem Kofferauspacken hat sie sich gleich reingestürzt in die volle Luzerner Kulturagenda: Das Industriestrassenfest und die künstlerische Zwischennutzung in der Siedlung Himmelrich waren erste Recherchen an der Basis.

2014 hat Johanna-Yasirra Kluhs als Co-Leiterin des Theaterfestivals Favoriten in Dortmund, des ältesten deutschen Festivals der Freien Szene, eigene Akzente gesetzt. Davor arbeitete sie unter anderem beim Pact Zollverein, einer Kulturinstitution auf einem ehemaligen Zechengelände und für das Theater im Pumpenhaus in Münster.

Kluhs ist gerne Gastgeberin

Die studierte Germanistin und Philosophin Kluhs mag es, ästhetisches Material mit dem Intellekt durchzukneten. Trotz grosser Denklust ist Kluhs aber auch ein Sinnenmensch, das Theater ihre Denkfabrik: Kürzlich hat sie in Wuppertal ein altes Lokal zum Kulturfestival-Standort umgestaltet. Es gab improvisierte Fussball-Analysen, Swing-Tanztees und eine bergische Kaffeetafel. Auch in Luzern würde Kluhs gerne und öfter als Gastgeberin zum Essen laden, denn: «Alltagskultur finde ich als Ausgangspunkt interessant.»

Früher hatte Kluhs mal gesagt: «Sicherheit ist keine Kategorie, nach der ich mein Leben gestalten möchte.» Heute sieht Kluhs das differenzierter, denn nach Jahren im Ruhrgebiet, wo auf die Frage «Warum ist hier nichts?» sofort ein «Machs selber!» aus den brachen Industrieflächen echote, hat sie vorhandene Strukturen zu schätzen gelernt: «Ich nehme aber nach wie vor wahr und ernst, dass Dinge dann entstehen, wenn du dir Gewissheiten nimmst.» Sehen konnte man das letzte Woche in Luzern am potenzierten Kreativitätsstrom während der künstlerischen Zwischennutzung der Himmelrich-Siedlung. Kluhs ist sich bewusst, dass man eine solche Dynamik, die aus dem Moment heraus entsteht, in einer zukunftsgerichteten Institution wie dem Südpol nicht so einfach hinbekommt. Sie wünscht sich aber auch für den Südpol eine Atmosphäre, in der es gerade nur so viele Strukturen gebe, damit auch Neues entstehen könne.

Schon früh hatte Kluhs Lust, «auszuufern in andere deutschsprachige Länder». Sie mache gerne Fremdheitserfahrungen zur eigenen Standortbestimmung und bedauert es, dass die Theaterszene der südeuropäischen Länder in den deutschsprachigen Spielplänen eher selten zu finden ist. An einer Vision für den Südpol arbeite sie noch. Die lasse sich nur vom Lokalen aus denken. Momentan lernt sie erst einmal die hiesige Ästhetik besser kennen. Erst langsam wird sie immer grössere Kreise ziehen, in die umgebenden Schweizer Städte und Regionen und von da aus sicher auch den einen oder anderen Sprung ins Ausland wagen. Um nächstes Jahr hoffentlich frische internationale Luft ins Südpol-Programm zu bringen.

Julia Stephan

Hinweis

Saisoneröffnung am Südpol, 11. 9., ab 19 Uhr. Mit: Beatrice Fleischlin u.a. www.südpol.ch

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