Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

THEATER: Doppeltes Spiel eines Gutmenschen

Kann ein Mensch gut sein und überleben? Das Drama «Der gute Mensch von Sezuan» zeigt beispielhaft, dass Güte sich nicht auszahlt.
Kurt Beck
Guter Mensch in harter Schale: Daniela Britt (Vordergrund) in der Rolle des Shui Ta im Stück «Der gute Mensch von Sezuan» am Luzerner Theater. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Guter Mensch in harter Schale: Daniela Britt (Vordergrund) in der Rolle des Shui Ta im Stück «Der gute Mensch von Sezuan» am Luzerner Theater. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Wiedersehen macht Freude. Besonders wenn man dabei einem guten Menschen begegnet. Das Treffen fand am Samstagabend im Luzerner Theater statt bei der Premiere von «Der gute Mensch von Sezuan» von Bertolt Brecht, der mit dieser universell gültigen Parabel ein starkes Stück vorgelegt hat. Das Drama hat in den 70 Jahren seit seiner Uraufführung am Zürcher Schauspielhaus nichts an Aktualität und Relevanz verloren. Im Gegenteil, die Geschichte der Prostituierten Shen Te, die an ihrer Güte scheitern muss, bewegt und berührt noch immer. Und die heutigen gesellschaftlich wirtschaftlichen Gegebenheiten haben sich nicht so entscheidend verändert, als dass Güte auch ein gutes Leben oder auch nur das Überleben garantiert. Vor allem wenn man bedenkt, dass «Gutmensch» nicht nur von Jugendlichen als Schimpfwort gebraucht wird.

Schnell ruiniert

Das Stück beginnt biblisch vertraut. Drei Götter besuchen aufgrund vieler Klagen die Erde, um zu überprüfen, ob sie die Welt verändern müssten. Finden sie einen einzigen guten Menschen, soll alles so bleiben, wie es ist. Den guten Menschen finden sie in Shen Te, die ihnen als Einzige für eine Nacht Unterkunft bietet. Diese Grosszügigkeit honorieren die Götter mit 1000 Silberdollar, mit denen sich Shen Te einen Tabakladen kauft. Grosszügig nimmt sie eine obdachlose Grossfamilie bei sich auf, verteilt Reis und tut so viel Gutes, dass sie schnell als «Engel der Vorstadt» verehrt wird. Shen Te kann nicht Nein sagen, das merken Leute schnell und nutzen es auch aus. Bald ist das Geld weg, der Laden muss verpfändet werden, ihre Existenz ist ruiniert. Hinzu kommt, dass auch ihr neuer Freund ihre Liebe ausnutzt und, nachdem er ihr das letzte Geld abgenommen hat, die Hochzeitsfeier platzen lässt und verduftet.

In ihrer Not schlüpft Shen Te in die Rolle ihres fiktiven Vetters Shui Ta, der als knallharter Rechner mit den Schmarotzern aufräumt, den Laden zur Fabrik ausbaut und als ausbeuterischer Unternehmer zum Tabakkönig von Sezuan aufsteigt.

Doch auch Shui Ta fällt letztlich. Er wird des Mordes an seiner Cousine Shen Te bezichtigt und vor Gericht gezerrt, wo die Götter als Richter fungieren und Shen Te ihre doppelte Identität auf­decken muss.

Finaler Hilfeschrei

In seiner Inszenierung hält sich Andreas Herrmann weitgehend an die Vorlage. Er nimmt jedoch der Religions- und Kapitalismuskritik von Brecht die Spitze, indem er den Widerspruch zwischen moralischen Forderungen und wirtschaftlicher Realität als inneren Konflikt von Shen Te anlegt. Das funktioniert, macht aber die Rolle der Shen Te anspruchsvoller. Daniela Britt überzeugt als Shui Ta sofort und steigert sich als Shen Te bis zum Schluss, als sie von den Göttern allein gelassen, verzweifelt um Hilfe schreit. Ein Höhepunkt der Aufführung.

Andreas Herrmann garniert das Drama mit Tanz und Sangeseinlagen, in denen herumgehampelt und absichtlich falsch gesungen und geklimpert wird. Grossartig hingegen ist die Bühne von Max Wehberg. Der ganze Bühnenboden ist bis zur Vorbühne mit milchigweissen Plastikbahnen vollgepackt, über die die Schauspieler hinwegstaken müssen. Die Plastikbahnen lassen sich auch hochziehen, werden zum bergigen Labyrinth, zum Festsaal, zum Park und zur Fabrik und zum Gerichtssaal.

Die beeindruckende und optisch überzeugende Multifunktionalität ermöglicht es auch, die Planen als Leinwand für Schattenspiele (besonders eindrücklich das Herumtappen des alten Ehepaars im Labyrinth) und als Leinwand für eine Filmprojektion zu nutzen. Diese sorgt für die eindrücklichste Szene des Stücks. Auf der riesigen Leinwand amüsieren sich die Götter im Theaterfoyer bei Champagner und sind taub für die Klagen des Wasserverkäufers Wang, der sich als kleiner Mensch gegen die übergrossen Götter schreiend Gehör verschaffen möchte.

Höchst erfreulich an der Inszenierung ist schliesslich, dass sie den Spannungsbogen bis zum Ende halten kann.

Hinweis

Die nächsten Aufführungen am Luzerner Theater: 11., 12., 27. und 29. Dezember. VV: 041 228 14 14 und www.luzernertheater.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.