THEATER: «Glaube an Veränderung und an Solidarität»

Asylsuchende durchlaufen im Verfahren zahlreiche Tests. Die Gruppe Das Ventil zeigt, was es bedeutet, wenn aus einem Schicksal ein Dossier wird.

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Drei Sozialarbeiterinnen zwischen Stuhl und Bank. Szene aus «Formular:CH». (Bild: Mirelys Aguila Valdes/PD)

Drei Sozialarbeiterinnen zwischen Stuhl und Bank. Szene aus «Formular:CH». (Bild: Mirelys Aguila Valdes/PD)

Schweizer ist, wer nach 22 Uhr nicht mehr duscht, im Treppenaufgang nicht lärmt und den Wäscheplan als Gesetz empfindet – und nicht als Empfehlung. Diesen Eindruck bekommt man nach der Lektüre von Willkommensbroschüren für Asylbewerber. Fällt man da nicht auch als Schweizer manchmal durch?

Überall daheim

«Ich fühle mich zuallererst als Mensch», kontert Kathrin Iten (34). Iten führt die Zuger Gemeinde Unterägeri als Heimatgemeinde in ihrem Pass und ist selbst Migrantin mit wechselnden Heimaten. Die Schauspielerin hat in Istanbul gelebt, in Paris, Berlin und Bern studiert. Gerade ist sie aus ihrem aktuellen Wohnort Paris zurückgekehrt, das nach den schrecklichen Anschlägen noch wie «in Watte gepackt» sei. Das Entsetzen der Pariser sei gedämpfter als noch bei «Charlie Hebdo», so Iten. Gegen dieses Hinnehmen unhaltbarer Zustände, egal, wo sie anzutreffen seien, begehrt sie auf. «Ich glaube an Veränderung und an Solidarität, auch nach diesem Ereignis.» Während Iten in Frankreich den Franzosen als Kabarettistin augenzwinkernd die Schweiz erklärt, führt sie ihre sozialkritischen Stücke ausschliesslich in der Schweiz auf. «Wenn ich etwas kritisieren will, muss ich das in meinem eigenen Land tun», sagt sie.

Berufserfahrung in der Sozialarbeit

Im Stück «Formular:CH» versucht die von Iten gegründete Gruppe Das Ventil, sichtbar zu machen, wie Asylbewerber bei uns rechtlich und menschlich behandelt werden. Iten und die Tänzerin Tanja Rohrer haben dazu auf ihre Erfahrungen bei den sozialen Diensten zurückgegriffen. Mit der Schauspielerin Karin Maurer nehmen sie im Stück als Sozialarbeiterinnen die via Audioton zu Wort kommenden Asylbewerber mal als Dossiers, mal als Menschen wahr.

Julia Stephan

Hinweis

«Formular:CH» im Neubad Luzern. Regie: Christine Ahlborn. Heute Di, 17. 11., und Mi, 18. 11., jeweils 19.30 Uhr. Reservationen über www.dasventil.ch