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THEATER: Hier spielt der Chef selber mit

Letzte Schauspielpremiere der Saison am Luzerner Theater: In Becketts «Warten auf Godot» hat Schauspielleiter Andreas Herrmann eine tragende Doppelrolle.
Kurt Beck
Von links: Wladimir (Christian Baus), Estragon (Jörg Dathe) und Pozzo (Samuel Zumbühl) bändigen den Diener Lucky (Andreas Herrmann). (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Von links: Wladimir (Christian Baus), Estragon (Jörg Dathe) und Pozzo (Samuel Zumbühl) bändigen den Diener Lucky (Andreas Herrmann). (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Die beiden Figuren sind etwas lädiert. Estragon (Jörg Dathe) ist fussleidend und ein viel geschlagener Mann. Bei Wladimir (Christian Bau) haperts bedenklich mit der Prostata. Beide Männer, zwei Landstreicher mit grösseren Gedächtnislücken, sind ziemlich heruntergekommen. Sie tragen zwar Anzüge und sind behütet. Wladimir besitzt sogar einen Aktenkoffer, doch die Kleider sind ausgetragen, die Schuhe abgetreten, und beide sind von Kopf bis Fuss mit Staub bedeckt. Eine visuelle Anspielung auf die Passanten, die 9/11 in Manhattan miterlebt haben, erklärt Dramaturgin Carolin Losch im Vorfeld der Aufführung von Becketts Schauspiel «Warten auf Godot» am Luzerner Theater.

Fundamental menschlich

Nicht angestaubt ist das Stück. Der irische Schriftsteller Samuel Beckett hat «Warten auf Godot» 1948/49 geschrieben. Seine Uraufführung erlebte es 1953 in Paris. Der Erfolg verhalf Beckett, der 1969 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, zum literarischen Durchbruch. «Warten auf Godot» ist nicht nur als Redewendung für sinnloses und endloses Warten aktuell. «Warten auf Godot» hat auch als Theaterstück über eine fundamentale existenzielle Erfahrung des Menschen seine Gültigkeit bis in unsere Zeit bewahrt– trotz Smartphones und SMS.

Schauspielleiter an der Hundeleine

So schnell der Inhalt des Stücks zusammengefasst ist, so ausufernd und offen fällt dessen Interpretation und Deutung aus. Zwei Landstreicher warten zu unbestimmter Zeit an einem unbestimmten Ort tagelang auf einen Mann namens Godot. Warum Estragon und Wladimir, die offenbar seit geraumer Zeit gemeinsam umherziehen, warten, wird nicht klar. Wer dieser erwartete Godot ist, ebenso wenig. Um sich die Zeit zu verkürzen, reden, streiten und spielen Estragon und Wladimir miteinander im Stile eines alten Ehepaars. Sie wollen sich trennen und bleiben zusammen. Sie wollen sich aufhängen, doch es fehlt der Strick. Sie wollen gehen und müssen bleiben. Warum? Wladimir: «Wir warten auf Godot.» Estragon: «Ah!»

Abwechslung, aber keine Klärung bringt das Erscheinen von Pozzo und seinem Diener Lucky (Andreas Herrmann), der von seinem Herrn an der Hundeleine geführt wird. In der Inszenierung am Luzerner Theater erhält das schräge Paar zusätzlichen Reiz: In der Rolle des Pozzo, dessen erster Auftritt an Rumpelstilzchen erinnert, spielt mit Samuel Zumbühl ein Ensemblemitglied den Herrn, während sein Chef, Schauspielleiter Andreas Herrmann, den angeleinten Diener mimt.

Keine Erklärung

Andreas Herrmann spielt mit und führt die Regie. Seine Inszenierung verzichtet auf eine konkrete Deutung oder eine Aktualisierung des Stücks. Er belässt es im Wesentlichen in der von Beckett zeitlebens verteidigten Unbestimmtheit und Offenheit.

Gerade weil nicht erklärt wird, vermag das Schauspiel auch heutiges Publikum zu berühren und zu packen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Schauspieler in ihren Rollen überzeugen. An der Premiere am Freitagabend war dies auch der Fall – selbst wenn nicht alle komischen Einlagen unbedingt zwingend waren. Eindrücklich und stimmig ist die Bühne von Max Wehberg, deren nüchterne Konstruktion, das undefinierte, zeitlose Niemandsland ideal verortete.

Hinweis

Weitere Aufführungen: 23., 30. und 31. Mai, 12. und 15. Juni. VV: 041 228 14 14. www.luzernertheater.ch

Wir verlosen 3-mal 2 Tickets für die Aufführung von «Warten auf Godot» am Freitag, 23. Mai, 19.30 Uhr, Luzerner Theater. Wählen Sie bis Montag, 24 Uhr, die Telefonnummer 0901 83 30 23 (Fr. 1.– pro Anruf, Festnetztarif), oder nehmen Sie teil auf: www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe

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