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THEATER: Im Schaumbad der Hölle

Der Mann hat jahrhundertelang die Frauen unterdrückt. Im Zürcher Theater Neumarkt sucht Pinar Karabulut nach den Ursachen der «Great Tragedy of Female Power».
Valeria Heintges
Shakespeares Helden debattieren im Schaumbad Beziehungsprobleme. (Bild: Judith Schlosser)

Shakespeares Helden debattieren im Schaumbad Beziehungsprobleme. (Bild: Judith Schlosser)

Valeria Heintges

Männer haben sich gestritten, einen Krieg angezettelt, ihre Heere aufeinandergehetzt. Und jetzt stehen sie da und verhandeln. Ihre Mittel: Machtspielchen voller Rachegefühle, Drohung, Erpressung. Man kennt das. Diesmal sind es Szenen aus den Rosenkriegsdramen von William Shakespeare. Die drei Herren allerdings, die die Szene unter sich aufteilen, sehen etwas anders aus als gemeinhin üblich. Mit Zöpfchen oder langer, roter Mähne, einem Hüftschwung, einem weichlichen Sprechen verwehren die Schauspieler jegliche simple Einordnung.

In zwei Szenen setzt Regisseurin Pinar Karabulut in «The Great Tragedy of Female Power» am Zürcher Theater Neumarkt gleich den Ton: Hier soll mutig, provokant, lust-, witzvoll und frivol «mit Texten von William Shakespeare, Lady Gaga und deiner patriarchal geprägten Dominanz», wie es im Programmheft heisst, der Geschlechterdebatte auf den Zahn gefühlt werden. Und gleich auch noch das Problem der Schwulen, Lesben, Transgender und anderer Minderheiten mitverhandelt werden.

Aus der Unterwelt steigt die Frau herauf

Zunächst machen die Männer das famos selbstentlarvend unter sich aus und spielen auch die ­starken Frauenrollen selbst, die Shakespeare sich erdacht hat. Als die Leerstelle der Frauenrollen so gross und breit ist wie der Ozean, gehen die Herren ab, «ein Bier trinken». Und aus der Unterwelt steigt die Frau herauf. Kriegswütend spricht Sarah Sandeh Teile des Monologs aus Richard III.: «Jetzt folgt dem Winter unsrer Bitterkeit der Sommer unsrer Macht.» Time’s up à la Shakespeare. Doch bleiben immer mehr Fragezeichen, wenn Shakespeare verschwindet und zeitgenössischen Texten Platz macht: Lady Gagas Mother-Monster-Manifest aus dem Video von «Born this Way», Ausschnitte eines Interviews mit dem französischen Philosophen Didier Eribon oder ein Interview, das André Müller mit Alice Schwarzer führte.

Karabulut und ihr Ensemble lassen die Shakespeare-Helden im «Hamam of Hell» debattieren, setzen Müller und Schwarzer ins Schaumbad, lassen Frau auch mal auf der Schaukel sitzend Beziehungsprobleme ausbreiten, geben dem starken Martin Butzke für Didier Eribons Rede über die Folgen der 68er etwa für die Arbeiterbewegung Lappen und Wischer in die Hand, mit denen er den Boden putzen muss. Und turnen für ihre Messe «Im Namen der Mutter, der Tochter und der heiligen Klitoris» auf einem überdimensionierten weiblichen Geschlechtsorgan herum, in dem sie gleich auch noch einen gigantischen Tampon wässern.

Der Abend streift die Schwierigkeiten des Mannes mit den neuen Frauen, diskutiert, ob die Mängel systemisch seien oder nicht, zeigt, wie Frauen noch immer – mehr oder weniger subtil – unterdrückt werden. Er zerfasert, rudert mit einem Textfragment hierhin, mit dem anderen ganz woanders hin. Und so ist es die Tragödie der «Great Tragedy of Female Power», dass zwar schnell und präzis die Tragik benannt, aber noch lange nicht die Heilmittel bekannt sind.

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