THEATER: Menschliche Lebendigkeit trifft auf puppenhafte Motorik

«Tanz 18: Celebration» zeigt Stücke dreier Choreografen. Das ist eine imposante Feier der Vielfalt.

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Das Ensemble Tanz Luzerner Theater im Stück «Shades» des 
Choreografen Andonis Foniadakis. (Bild: PD/Gregory Batardon)

Das Ensemble Tanz Luzerner Theater im Stück «Shades» des Choreografen Andonis Foniadakis. (Bild: PD/Gregory Batardon)

Anlässlich des 175-Jahr-Jubiläums des Luzerner Theaters feiert jede Sparte ihren Formenreichtum. So auch der Tanz. Für «Tanz 18: Celebration» hat Tanzchefin Kathleen McNurney drei Gastchoreografen engagiert, welche unterschiedliche Ausprägungen der Tanzkunst ausloten. Dabei erzeugen Kontraste eine facettenreiche Spannung. Licht und Schatten, Ordnung und Chaos, Formenstrenge und Entfesselung bilden den Nährboden einer mitreissenden «Celebration», welche weniger die Kohärenz als die kreativen Reibungsflächen sucht.

Der Spanier Cayetano Soto schenkt Luzern die Uraufführung von «Malasombra», eine Hommage an die kubanische Sängerin La Lupe. Dabei zelebriert der Choreograf einerseits den wunderbaren Latin Soul und anderseits die schillernde, abgründige Persönlichkeit der Sängerin.

Intellekt und Instinkt

Wie bereits der Titel «Malasombra» («Böser Schatten») suggeriert, zeigt der Tanz nicht einfach ein Feuerwerk der Salsarhythmen. Der Bühnenboden ist von verglühten Schmetterlingen bedeckt, die Tänzerinnen und Tänzer ­tragen Weiss und Schwarz. Die Bewegungssprache bündelt sich in der Formenstrenge des Balletts, um sinnlich-erotische Tanzelemente wie heftige Lichtblitze aufscheinen zu lassen.

Unter der kühl-eleganten Körperkontrolle schlummert die Entfesselung, die Poesie grenzt hautnah an Exzentrik, bei der körperlichen Annäherung lauert der Kampf. Der Choreograf versteht es, die feinen Nuancen oszillierender Gegensätze so auszureizen, dass zum Gesang von La Lupe ein packender Tanzfluss hoch präziser Körpervirtuosität entsteht.

Ebenfalls mit Kontrasten experimentiert der spanische Choreograf Fernando Hernando Magadan. «Naked Ape» («Affe ohne Fell»), in Luzern als schweizerische Erstaufführung zu sehen, stellt kühle Form archaischen Impulsen gegenüber.

Nonstop Tanzekstase

Der Kontrast von menschlicher Lebendigkeit und künstlicher Umgebung spiegelt sich in puppenhafter Motorik und ungebremster Tanzlust. Auf der Bühne sind Körperskulpturen, die in sich ein Soundsystem bergen. Ein Professor versucht, Ordnung in das fragile Gleichgewicht der Kräfte zu bringen, indem er artifizielles Kauderwelsch zelebriert und die Tänzerinnen und Tänzer wie anatomische Modelle bewegt. Zu Violinkonzerten Johann Sebastian Bachs gesellt sich elektronisch verfremdetes Affengeschrei.

Auch der Choreograf Andonis Foniadakis, international als Shootingstar bekannt, widmet sich dem Spannungsfeld von divergierenden Kräften. In seinem speziell für Luzern choreografierten Stück «Shades» zeigt er das Dunkle als Schutzraum heller Tanzekstase.

Die tempobesessene Bewegungs­sprache schlingert und schraubt sich in Extreme, wo verborgene Seelenkräfte zu tanzen beginnen. Der Körper agiert polyzentrisch, die Körpermitte verschiebt sich mit Hochgeschwindigkeit zwischen Kopf, Armen und Füssen, sodass ein vibrierender Endlosfluss der Bewegungsimpulse entsteht.

Als Setting zeigt Foniadakis eine Art Nachtklub mit spärlichen Lichtquellen. Die Tänzerinnen und Tänzer sind wie königliche Nachtgestalten in blaue transparente Kleidung gehüllt. Der wummernde elektronische Klangteppich des Komponisten Julien Tarride wird immer wieder durch den leuchtenden Gesang dunkler Stimmen aufgerissen.

Die nächtliche Tanzekstase findet einen wunderbaren Ausklang, indem sich die Zartheit des flüchtigen Augenblicks enthüllt. In der grün schimmernden Dämmerung werden die Körper ruhiger, ein Handschlag zwischen Tänzerin und Tänzer und das Partyfieber ist vorbei.

Ein mitreissender Tanzabend, mit einem exzellenten Tanzensemble, eine tolle Feier der Tanzkunst und Tanzlust. Das Premierenpublikum war begeistert.

Eva Bucher

Hinweis

Weitere Vorstellungen noch bis 6. Juni. Für den Tanzabend «Celebration!» am Samstag, 18. April, 19.30, im Luzerner Theater verlosen wir dreimal zwei Tickets. Wählen Sie heute 0901 83 30 25 (Fr. 1.50 pro Anruf, Festnetztarif) oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe teil.