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Theater-Premiere: Drei fiese First Ladies und ihre Auslegung der Wahrheit

Das Theagovia-Theater Weinfelden inszeniert Theresia Walsers Komödie «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» genüsslich als Farce um drei First Ladies mit Geltungssucht.
Dieter Langhart
Wettstreit des Monströsen: Imelda (Claudia Bick-Weisshaar) zwischen Margot und Leila in «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» im Theater Theagovia. (Bild: Andrea Stalder)

Wettstreit des Monströsen: Imelda (Claudia Bick-Weisshaar) zwischen Margot und Leila in «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» im Theater Theagovia. (Bild: Andrea Stalder)

Zine Ben Ali tritt nicht auf, weil er sich in Tunesien nicht mehr blicken lassen darf und sie ihn vor ein «so groteskes holländisches Gericht gezerrt» haben. Ferdinand Marcos tritt nicht auf, er ist tot. Erich Honecker tritt nicht auf, nur als Staub in der Urne, die ­seine Witwe in ihrer Tasche mitbringt. Frau Margot trifft auf Frau Leila und Frau Imelda, die drei sollen Journalisten Rede und Antwort stehen, denn ihr Leben wird verfilmt. Dolmetscher Gottlieb tut seine Arbeit, vermittelt – und gerät zwischen die Fronten.

Theresia Walser zieht in ihrem 2013 uraufgeführten Stück alle Register zwischen unheimlich und komisch. Drei Egos prallen aufeinander, die nur dies teilen: Geldgier und Geltungsdrang, Imponiergehabe, Verachtung für ihre Untertanen und Vermeidung von Selbstkritik. Jede will die Beste sein und zieht über die anderen her, doch mehr und mehr verbünden sie sich gegen den Dolmetscher, der sich erlaubt, ihre Tiraden immer freier zu übersetzen.

Das eigene Tun einfach schönreden

Regisseurin Michaela Bauer kostet Theresia Walsers Stoff genüsslich aus, der gespickt ist mit Zitaten und historischen Fakten aus den drei Diktatorenwelten und dessen Titel sie einem Gedicht von Gaddafi entnommen hat. Trotz der Tragik strotzt er vor ­bizarrem Humor. «Ich bin kein Monster», sagt Frau Margot. Oder «ich bin noch nie in meinem Leben von links nach rechts gegangen».

«Nein, eine Krise gab es bei uns nie», sagt Frau Imelda, die andauernd Honecker und Stalin verwechselt und die «zwanghafte Erneuerungssucht der Menschen» kritisiert. Und Leila darf endlich ein Gedicht aufsagen für ihren Mann, ihren «gebietslosen Gebieter».

«Ich bin kein Monster» - Cornelia Blask als Margot Honecker «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» von Theresia Walser.

«Ich bin kein Monster» - Cornelia Blask als Margot Honecker «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» von Theresia Walser.

Die ­Regie spielt die Spannweite zwischen Tragik und Komik aus, setzt auf Details und Nuancen und lässt den Spielerinnen viel Freiraum zur Gestaltung. Sie sind eine Wucht: kein Stolpern, kein Zögern, Mimik und Gestik ausreichend überdreht. Stets halten die Schauspieler genügend ironischen Abstand zu ihren Figuren.

Und Imelda knabbert Makrönchen

Cornelia Blask gibt eine gealterte und nostalgische Margot Honecker, die doch nur das Beste wollte für ihr Volk:

«Ich stehe hier nicht als Frau. Ich stehe hier als Idee.»

Claudia Bick-Weisshaar als Imelda knabbert dauernd Makrönchen, stöckelt auf hohen Absätzen über die Bühne und findet, ein Film würde ihrem Leben nicht gerecht, es müsste als Oper gewürdigt werden (das Publikum geniesst ihre Gesangseinlagen). Herrad Lingner ist eine kühle, herrische, zynische, raumgreifende Leila ohne Selbstzweifel: «Ist die Welt jetzt besser nach uns?»

Roy Schmid wandelt sich vom pflichtbewussten Dolmetscher mit einer tristen Kindheit in Jena zum selbstbewussten Individuum, der dem Wettstreit des Monströsen Paroli bietet. Er ahnt, dass das Filmprojekt über die drei Frauen kläglich scheitern wird.

Joachim Steiner gibt den Figuren passende Kostüme: bieder braun ist Margots Kostüm, keck kariert jenes von Leila, pompös Imeldas Türkis – das sich in Gottliebs Krawatte spiegelt. Michaela Bauer hat eine schlichte Bühne entworfen: links der rote Vorhang, hinter dem die Journalisten warten, rechts deutet eine krumme graue Wand den antifaschistischen Schutzwall an. Starker, verdienter Premierenapplaus.

Weitere Vorstellungen: 9.–11.11.2018, Theaterhaus Thurgau, Weinfelden

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